Gewitter verwüstet Weide- und Kulturland im Berner Oberland

Stechelberg

Ein heftiges Gewitter hat am Freitagabend den Mattenbach in eine Sturzflut verwandelt. In der Kiley zuhinterst im Regionalen Naturpark des Diemtigtals hat ein Unwetter grossen Schaden am Kulturland angerichtet.

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Die heftigen Niederschläge am Schwarzmönch vom Freitagabend verwandelten den normalerweise harmlos daher plätschernden Mattenbach in Stechelberg zu einem reissenden Fluss. In der Folge verstopfte das von den Strählblatten her mitgerissene Geröll den hundert Meter oberhalb der Strasse liegenden Geschiebesammler. Weiteren baulichen Massnahmen der letzten Jahre ist es zu verdanken, dass keine Schäden an Gebäuden zu beklagen sind. Jedoch wurde von den Steinmassen einiges Weideland verwüstet.

«Noch nie so heftig»

Toni von Allmen ist Bergführer, Bergretter und langjähriger Betreiber des unmittelbar daneben befindlichen Campingplatzes Rütti in Stechelberg: «Ich habe im Dorf ältere Leute sagen hören, sie hätten den Mattenbach noch nie derart heftig kommen sehen.»

Mehrere hundert Kubikmeter Sand und Geröll türmen sich zur Zeit nur wenige Dutzend Meter neben Toni von Allmens Campingplatz neben dem Mattenbach. Sie sind das Werk von mehreren im Einsatz stehenden Schaufelbaggern, die das Bachbett seit dem frühen Samstagmorgen und auch heute noch im Bereich des Geschiebesammlers vom Geschiebe befreien – damit der Geschieberechen bei einem allfälligen weiteren Unwetter in den nächsten Tagen in der Lage ist, weitere Schuttmassen wirkungsvoll aufzuhalten.

Grosser Landschaden

Am Freitag gegen Abend hat ein kräftiges Gewitter mit verbreitetem Hagelschlag auf der Alp Kiley zuhinterst im Diemtigtal grossen Schaden am Kulturland angerichtet. «Während rund eineinhalb Stunden hat sich das Unwetter lokal ausgetobt.

Die Wasser- und Geröllmassen haben sich über die Weiden ergossen und auch die Strasse in Mitleidenschaft gezogen», bestätigte Gemeinderatspräsident Martin Wiedmer am Samstagabend eine Medienmitteilung des neuen Diemtiger Gemeindeschreibers Hansueli Ogi. Menschen und Tiere seien dabei glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, die Sömmerungszeit einzelner Alpbetriebe müsse aber möglicherweise frühzeitig beendet werden.

Eine weggeschwemmte Holzbrücke konnte von der örtlichen Feuerwehr wieder installiert werden, sodass die Landwirte mit der zu verarbeitenden Milch die Alpkäserei Kiley wieder erreichen können. «Es ist für Kunden somit möglich, die Alpkäserei zu erreichen», erklärte Martin Wiedmer am Samstagabend.

«Ab dort ist die stark in Mitleidenschaft gezogene Strasse aber für jeglichen Verkehr gesperrt.» Nicht betroffen seien die Wanderwege. In der Gemeinde kümmere man sich intensiv darum, die teilweise unterbrochenen Trinkwasserleitungen zu den unterten Alphütten wieder instand zu stellen.

Als Folge des Gewitters führte am Freitagabend auch die Engstligen oberhalb Frutigen enorm viel Schwemmholz, wie dieses Video zeigt:

Video: Facebook/Feuerwehr Frutigen

Kantonsweit gingen laut Polizeiangaben über 50 Schadenmeldungen ein – ein Grossteil davon aus dem Oberland. So musste in Frutigen die Feuerwehr eine Einstellhalle auspumpen. Auch von starken Gewittern betroffen war unter anderem Adelboden.

Ganze Schweiz betroffen

In St. Gallen musste die Feuerwehr am Abend und in der Nacht rund 32 Mal ausrücken, wie die Kantonspolizei St. Gallen am Samstag mitteilte. Gründe waren auch dort überflutete Keller und Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume. Am stärksten betroffen sei der Grossraum Altstätten-Oberried gewesen.

Blitzeinschläge in der Innerschweiz

Zwar stürmte es auch in anderen Kantonen heftig, Schäden wurden nach Angaben der jeweiligen Kantonspolizeien jedoch nur wenige gemeldet. In Beckenried NW richtete ein Dachstockbrand nach einem Blitzeinschlag grossen Sachschaden an. Verletzt wurde niemand. Die drei Bewohner im Haus konnten sich in Sicherheit bringen.

Auch im Kanton Obwalden schlugen Blitze in zwei Gebäude ein. Betroffen war ein Haus in Sarnen sowie eine Trafostation. Laut einem Polizeisprecher entstanden dabei ebenfalls kleine Brände, die rasch gelöscht wurden.

S-charl weiter abgeschnitten

Nachdem Unwetter in den vergangenen Tagen in Scuol GR grosse Schäden angerichtet hatten, blieb der Kanton Graubünden in der Nacht zum Samstag weitgehend verschont. Hingegen machte das Gewitter der letzten Nacht die Räumungsarbeiten der vergangen zwei Tage an der Zufahrtsstrasse nach S-charl wieder zunichte.

Die Ansiedlung am Ende des gleichnamigen Seitentales werde noch mindestens bis am Dienstagabend von der Aussenwelt abgeschnitten bleiben, sagte Robert Köhle vom Bauamt der Gemeinde Scuol auf Anfrage.

Schlamm und Geröll

Die 13 Kilometer lange Strasse wurde von sieben grossen Rüfen verschüttet. 80 bis 100 Personen sind eingeschlossen, mehrheitlich Feriengäste. Sie werden mit Helikoptern mit Lebensmitteln versorgt. 29 Gäste würden am Samstag per Helikopter ausgeflogen, sagte Köhle.

Scuol hat dramatische Tage hinter sich hat. Nach starken Gewittern war dort am Mittwoch und Donnerstag auf dem gesamten Gemeindegebiet Schlamm, Geröll und Felsbrocken mit dem Volumen von 100'000 Kubikmetern oder 100 Einfamilienhäusern niedergegangen.

chh/bpm/prr/sda

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