Hat der Kanton Bern keine Visionen?

Thun

Grossrätin Madeleine Amstutz und Grossrat Carlos Reinhard unterhielten sich vor der Oberländer Wirtschaft über fehlende Steuergelder, fehlende Visionen und ihre Zukunftsvorstellungen.

Disktutierten in der Konzepthalle Thun: (v. l.) Reto Heiz, Carlos Reinhard, Madeleine Amstutz und Marco Oswald.

Disktutierten in der Konzepthalle Thun: (v. l.) Reto Heiz, Carlos Reinhard, Madeleine Amstutz und Marco Oswald.

(Bild: Irina Eftimie)

«Der Kanton Bern zieht viele Pendler, aber zu wenig Steuerzahler an»: So titelte diese Zeitung am 8. Mai dieses Jahres. Dies war Anlass genug für den Verband Wirtschaft Thun-Oberland am Donnerstag einen Talk zu diesem und verwandten Themen zu veranstalten.

Verbandspräsident Reto Heiz befragte in der Konzepthalle gemeinsam mit Co-Moderator Marco Oswald die Grossrätin und Gemeindepräsidentin von Sigriswil, Madeleine Amstutz (SVP), und Carlos Reinhard (FDP), Grossrat sowie Inhaber und Geschäftsführer der Reinhard Advisory AG, zu ihren eigenen Meinungen und ihren Visionen für die Zukunft.

Steuern senken

«Wissen wir eigentlich, was derzeit im Kanton Bern läuft? Wissen wir eigentlich, wie der Kanton Bern Rahmenbedingungen setzt und wie wir als Unternehmer davon betroffen sind?», fragte Reto Heiz in seiner Begrüssung die Anwesenden. «Als ich mich auf diesen Anlass vorbereitete, musste ich mir selbst zugestehen, dass mich die Berichterstattung zur kantonalen Politik nicht so interessierte. Bis ich den Artikel gelesen habe: Dann habe ich erfahren, warum wir hier stehen und was die Gründe dafür sind.» Aus diesem Grund sollte auch der Verband Wirtschaft Berner Oberland der kantonalen Politik mehr Raum geben.

«Die Regierung sagt, sie habe eine Vision. Ich sage, der Kanton hat keine Vision.»Marco Oswald

Gemäss dem erwähnten Artikel wächst die Bevölkerung im Kanton Bern im Vergleich mit anderen Kantonen unterdurchschnittlich. Im Gegenzug pendeln viele Arbeitnehmende aus den Nachbarkantonen in den Kanton Bern, zahlen dadurch in Bern aber keine Steuern. «Wir müssen ganz sicher bei den Pendlern den Hebel ansetzen, die ausserkantonal wohnen.

Denn dort ist ganz bestimmt ein grosser Bereich der Steuerbelastung», sagt Madeleine Amstutz. «Ich bin überzeugt, wenn wir bei der Steuererleichterung zusammenarbeiten und gemeinsam den richtigen Schritt gehen, können wir sicher Steuern bei den Unternehmen senken und diese auch bei den natürlichen Personen anpassen.»

Direkte Abzüge

Um die Talkteilnehmer etwas zu provozieren, stellte Moderator Marco Oswald die Behauptung auf, dass die Politik zwar gestalten könne, das aber niemand mache. «Die Regierung sagt, sie habe eine Vision. Ich sage, der Kanton Bern hat keine Vision», behauptet Oswald.

Dieser Aussage stimmt Carlos Reinhard nicht zu: «Ich glaube, auf der bürgerlichen Seite arbeiten wir schon auf ein Ziel zu, aber es ist sehr heikel. Vor allem die Mitte-links-Parteien haben oft die Aufgabe des Züngleins an der Waage, weswegen meistens Kompromisse eingegangen werden müssen, mit denen wir nur in kleinen Schritten vorankommen.»

«Wir müssen sicher bei den Pendlern, die ausserkantonal wohnen, den Hebel ansetzen.»Madeleine Amstutz

Eine Lösung dafür, ausstehende Steuerschulden einzunehmen und dadurch die finanzielle Lage des Kantons zu verbessern, sieht Carlos Reinhard im direkten Abzug der Steuern vom Lohn. «Beim direkten Abziehen der Steuern sehe ich die Problematik aber vor allem bei den Abzügen», sagt Madeleine Amstutz. «Für mich muss ganz klar dazu gesehen werden, dass man dort den Finger draufhält und das Geld eingetrieben wird.»

Mobilität der Zukunft

Nicht nur Steuern und fehlende Visionen wurden beim Talk besprochen. «Ich habe heute gerade einen Workshop zur Mobilität 2015 besucht. Was ist eure Meinung zu dem Thema?», fragte Reto Heiz die Talkteilnehmer. «Bei der Mobilität wird sich ganz bestimmt noch viel verändern, das sehen wir heute schon mit den E-Bikes und in anderen Bereichen», sagt Madeleine Amstutz.

«Die Mobilität wird wahrscheinlich eine Dynamik annehmen, die wir heute noch gar nicht einschätzen können.»Carlos Reinhard

Carlos Reinhard fügt hinzu: «Die Mobilität wird wahrscheinlich eine Dynamik annehmen, die wir heute noch gar nicht einschätzen können. Ich denke, es wird aber viel mehr in die Richtung gehen, dass der Staat gewisse Angebote zur Verfügung stellen wird und das persönliche Eigentum eines Fahrzeugs eher verschwinden wird.»

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