Hädeners Firma tritt bei Thuner KMU aus

Thun

Die Wahlempfehlung des Gewerbevereins Thuner KMU stösst bei der Nexplore AG auf Kritik. VR-Präsident der Firma ist Gemeinderat Konrad Hädener (CVP).

Die Firma Nexplore AG mit VR-Präsident Konrad Hädener (CVP, Gemeinderat) tritt bei Thuner KMU aus.

Die Firma Nexplore AG mit VR-Präsident Konrad Hädener (CVP, Gemeinderat) tritt bei Thuner KMU aus.

(Bild: Patric Spahni)

«Parteipolitische Stimmungsmache»: Das wirft die Thuner Softwarefirma Nexplore AG dem Gewerbeverein Thuner KMU vor. Das im Gwatt ansässige Unternehmen mit 65 Mitarbeitenden gibt in einer Mitteilung bekannt, dass es den Verein auf Ende 2018 – die erste Austrittsmöglichkeit – verlasse. Grund sind die Wahl-Spezialausgabe der Vereinspublikation «Gwärb-Poscht» und die darin enthaltene Wahlempfehlung für bürgerliche Parteien bei den Wahlen vom 25. November.

Eine Wahlempfehlung sei legitim – sie müsse aber «auf nachvollziehbaren Kriterien fussen, die mit dem Vereinszweck in Einklang stehen», schreibt Nexplore. Das sei hier nicht der Fall: Nicht berücksichtigte Kandidaturen, «teilweise aus dem eigenen Mitgliederkreis», würden als «nicht KMU-freundlich» abqualifiziert. Die zur Wahl empfohlenen Parteien hingegen würden für eine nicht näher qualifizierte Vorwärtsstrategie gepriesen.

«So geht es nicht mehr»

Brisant an der Angelegenheit: Verwaltungsratspräsident der Nexplore AG ist Konrad Hädener, amtierender CVP-Gemeinderat und Bauvorsteher. «Ich habe von verschiedener Seite gehört, dass der Stil des Vereins Thuner KMU vor allem in der Kommunikation aneckt», sagt Hädener auf Anfrage. «Es brauchte jemanden, der aufsteht und sagt: So geht es nicht mehr.» Ist das Vorgehen mitten im Wahlkampf nicht heikel für ihn? «Das ist so», antwortet Hädener.

Im Verwaltungsrat habe man sich die Frage gestellt, ob man erst nach den Wahlen reagieren wolle. «Ich bin aber für Klarheit. Man muss das jetzt klären.» Er habe zahlreiche positive Rückmeldungen von Gewerblern erhalten, einige wollen laut Hädener ebenfalls aus dem Gewerbeverein austreten. «Es ist nicht mein Ziel, den Verband zu schwächen. Aber ich bin der Meinung, dass der Vorstand für die Art der Kommunikation Verantwortung übernehmen muss.»

«Keine Reklamationen»

«Der Gewerbeverein Thuner KMU nimmt den Austritt des Mitglieds zur Kenntnis», erklärt Agnes Bettschen, Präsidentin von Thuner KMU. Aktuell zähle der Verein 425 Mitglieder – da komme es immer zu Neueintritten und gelegentlich zu einem Austritt. Derzeit habe der Verein keine Kenntnis von weiteren Austritten. Bisher seien auch keine Reklamationen rund um die Wahlausgabe der «Gwärb-Poscht» eingegangen. Im Gegensatz zu SVP und FDP sei der Verband von BDP und Fraktion der Mitte/CVP nicht um Haltung und Meinung angefragt worden. «Entsprechend hat Thuner KMU entschieden, jene Parteien zu unterstützen, welche den engen Austausch mit dem Gewerbeverein pflegen und fördern», führt Agnes Bettschen aus. Gemeinderat Konrad Hädener habe jedoch im «Wahl-Äxtra» eine Plattform erhalten. Und: «Editoriale sind Kommentare – pointierte Meinungen sollten da Platz haben.»

Thuner Tagblatt

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