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Haben Frauen keinen Sinn für Kunst?

«Frauen und Kunst»: So heisst die neue Vortragsreihe der KGT in Thun. Sie soll zeigen, welcher Stellenwert den Frauen in der Kunst in der Gegenwart und der Vergangenheit zukommt.

Kathleen Bühler referiert am Dienstag bei der KGT.
Kathleen Bühler referiert am Dienstag bei der KGT.
zvg

«Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das ‹unästhetische› nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit», schrieb der Philosoph Arthur Schopenhauer. «Die diesjährige Vortragsreihe der KGT tritt den Gegenbeweis zu dieser Aburteilung Schopenhauers an und zeigt eine breite Palette bedeutender weiblicher Künstlerinnen in der Vergangenheit und Gegenwart», schreibt die Kunstgesellschaft Thun in ihrer Medienmitteilung. Die Reihe beginnt heute Dienstag mit folgenden Vorstellungen:

Dienstag, 27.Oktober: Tracey Emin:«I’ve got it all». Kathleen Bühler, Kuratorin am Kunstmuseum Bern, untersucht die soziale und kulturelle Ausgangslage weiblicher Kunstschaffender von den Sechzigerjahren bis heute. Von Carolee Schneemann, welche in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu den Pionierinnen der Body Art in New York gehörte, über Meret Oppenheim, die «Grande Dame» der Schweizer Kunst, und das britische «bad girl» der Neunzigerjahre, Tracey Emin, bis zu Pipilotti Rist schlägt sie einen Bogen von «weiblichen» Themen, Strategien und Herausforderungen und untersucht Tracey Emins Fazit: «I’ve got it all» («Ich habe alles») für «weibliches» Kunstschaffen. Im Zentrum des Vortrags stehen die Fragen, ob Künstlerinnen andere Themen und Medien benutzen als Künstler, ob es so etwas wie «weibliches» Kunstschaffen überhaupt gibt und ob Frauen andere Erfolgsstrategien verfolgen (müssen) als ihre männlichen Kollegen. Ziel soll es sein, den internationalen Aufbruch der Künstlerinnen seit den Sechzigerjahren zu würdigen.

Dienstag, 24.November: «Ein Frauenzimmer soll nicht komponieren wollen». Im Spannungsfeld zwischen romantischem Geniebegriff und bürgerlichen Geschlechterbildern wurde eine Komponistin im 19.Jahrhundert zu einem Widerspruch in sich selbst. Das Schöpferische, Geistige, das ans «Absolute» oder Göttliche Reichende, das dem Genialen zugeschrieben wurde, waren männlich konnotierte Attribute. Trotzdem brachte das 19.Jahrhundert ausgezeichnete Komponistinnen hervor. Die Musikwissenschaftlerin Cornelia Bartsch aus Basel wird als Fallbeispiele aus drei Ländern die Geschichten von Fanny Hensel, Louise Farrenc und Ethel Smyth erzählen und in ihre Musik einführen.

Dienstag, 8.Dezember:«Dada, ganz weiblich». Dada gilt als die erste Kunstrichtung, in der Frauen als eigenständige Künstlerinnen erstmals von einem breiteren Publikum wahrgenommen wurden. Dennoch ist bald hundert Jahre nach der Gründung des Cabaret Voltaire nur ein sehr kleiner Teil der damals aktiven Frauen heute noch bekannt: etwa die abstrakte Künstlerin Sophie Taeuber-Arp, die Fotomonteurin Hannah Höch, die Malerin Suzanne Duchamp. Wer waren die Malerinnen, Literatinnen, Tänzerinnen, Performerinnen, Musikerinnen, Verlegerinnen und Mäzeninnen, die Dada mitprägten und mit ebenso spitzer Feder oder Zunge wie ihre Kollegen gegen den Krieg, bürgerliche Normen und Kunsttraditionen rebellierten? Die Kulturwissenschaftlerin Ina Boesch aus Zürich stellt diese Dadaistinnen vor.

Dienstag, 26.Januar: «Wir sind besser als unsere Theorien». Die Schriftstellerin und Journalistin Isolde Schaad und die Kulturwissenschaftlerin Silvia Henke diskutieren über Literatur von Frauen. Nach einer ersten Politisierung durch den Feminismus in den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde die Frage der weiblichen Schreibweise wichtig für die eigenen Texte und Theorien. Seit den Neunzigerjahren prägt eine kritische Geschlechtertheorie den Blick auf die Literatur. Ausgehend von Isolde Schaads These «Wir sind besser als unsere Theorien» diskutieren Silvia Henke und Isolde Schaad zusammen über weibliche Interessen und Lebenszusammenhänge im Spannungsfeld von Literatur, Theorie und Gesellschaft.

Dienstag, 9.Februar:«Eine Frau gibt den Takt an». Noch immer ist das Dirigieren in der klassischen Musik eine Männerdomäne. Frauen sind da nach wie vor Exotinnen. Eine von ihnen ist Lena-Lisa Wüstendörfer. Sie leitet das Orchester der Universität Bern, das von ihr gegründete Junge Orchester Basel, den Messias-Chor Zürich und den Berner Bach-Chor. Wie erlebt sie diese besondere Situation? Wie führt man – oder eben frau – erfolgreich ein Orchester? Weshalb ergreifen so wenige Frauen diesen Beruf? Was führte sie zum Dirigieren? Welche Ziele und Visionen verfolgt sie? Im Gespräch mit der erfolgreichen jungen Dirigentin wird unter anderem diesen Fragen nachgegangen.

Dienstag, 8.März: «Leben für die Kunst» (Dokumentarfilm von Antonia Meile, 2014). Mit Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen bestreiten drei junge Schweizer Frauen ihr Leben als Künstlerinnen. Der Dokumentarfilm zeigt, wie sie sich in einer Kunstwelt zu positionieren versuchen, die von Kunstschaffenden übersättigt ist und in der nur ganz wenige das grosse Geld verdienen. Wie sieht ein Leben aus, in dem es keinen Feierabend gibt? Florine Leoni, Brigitte Dätwyler und Monica Ursina Jäger haben sich der Kunst verschrieben. Die Nachwuchsregisseurin Antonia Meile beleuchtet die Bedingungen junger Kunstschaffender in der Schweiz und begleitet die drei Frauen im Spannungsfeld von Freiheit, Geld und Familie. Nach der Filmvorführung findet ein Gespräch mit der Regisseurin statt.

Die Vorträge finden jeweils um 19.30 Uhr in der Alten Oele in Thun statt. Tickets an der Abendkasse ab 19 Uhr erhältlich. Eintritt für Mitglieder KGT gratis, Nichtmitglieder 10 Franken, Studierende 5 Franken.

(TT)

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