Grundsatzentscheid zum Hübelitunnel nicht vor 2027

Thun

Die SVP ist mit der Erschliessung des rechten Thunerseeufers nicht zufrieden. Schon nur bis zum Grundsatzentscheidfür einen allfälligen Hübelitunnel oder eine neue Aarequerung werden aber noch Jahre vergehen.

Blick vom neuen Bypasskreisel auf der Stockhornstrasse Richtung Thun: Über diese freie Fläche in der Günzenen würde die Zufahrtsstrasse zum Hübelitunnel führen. Damit liesse sich das Nadelöhr Burgstrasse/Lauitor grossräumig umfahren.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Blick vom neuen Bypasskreisel auf der Stockhornstrasse Richtung Thun: Über diese freie Fläche in der Günzenen würde die Zufahrtsstrasse zum Hübelitunnel führen. Damit liesse sich das Nadelöhr Burgstrasse/Lauitor grossräumig umfahren.

(Bild: Patric Spahni)

Im Dezember präsentierte der Gemeinderat der Öffentlichkeit das überarbeitete und verabschiedete Gesamtverkehrskonzept. Als eines der wesentlichen Ziele sieht das Planungsinstrument vor, «den künftigen Mehrverkehr primär über den ÖV sowie den Fuss- und Veloverkehr abzuwickeln», hiess es damals.

«Aus unternehmerischer sowie touristischer Optik sind die Zustände für alle seit langem nicht mehr zumutbar.»SVP Thun zum Verkehr am rechten Thunerseeufer 

Aus Sicht der Thuner SVP schliesst diese Formulierung mit ein, dass ein Teil des Mehrverkehrs vom motorisierten Individualverkehr (MIV) aufgefangen werden muss. Schon im September hatte die Stadtratsfraktion deshalb eine Interpellation «zur verbesserten Erschliessung des rechten Thunerseeufers mit klaren Optionen» eingereicht. An der Stadtratssitzung vom nächsten Donnerstag wird der Vorstoss nun behandelt.

19 Prozent mehr bis 2030

Gemäss einer Trendprognose des Kantons nimmt das Verkehrsaufkommen in der Stadt Thun bis ins Jahr 2030 um gut 25 Prozent zu. Wird der MIV isoliert betrachtet, wird im selben Zeitraum mit einer Zunahme der Zu- und Wegfahrten im Stadtbereich von 19 Prozent gerechnet. Als besonderes Nadelöhr erachtet die SVP dabei das rechte Thunerseeufer. «Aus unternehmerischer, gesellschaftlicher sowie touristischer Optik sind die Zustände entlang dieses Strassenstücks für alle seit langem nicht mehr zumutbar», schreibt die Partei.

Die bessere Erschliessung müsse mit konkreten Massnahmen angegangen werden und «nicht nur als langfristige Option» offenbleiben. Als mögliche Lösungen sieht die SVP einerseits den von bestimmten Kreisen seit Jahren geforderten Hübelitunnel zwischen der Hofstettenstrasse und der Stockhornstrasse in Steffisburg, der eine direktere Anbindung an die A 6 zur Folge hätte, andererseits eine Aarequerung Süd, die die Hofstetten- mit der Frutigenstrasse verbinden würde.

Rot eingezeichnet: Die möglichen Linienführungen für den geforderten Hübelitunnel. Ein früheres Projekt sah einen Tunnel von der Günzenen in Steffisburg bis zum Thunerhof (1) vor. Denkbar wäre aber auch ein Tunnel bis zum Chartreusewald (2). Foto: Grafik BOM

In seiner Antwort auf die Interpellation hält der Gemeinderat zunächst fest, dass für die Hofstetten-, aber etwa auch für die Burgstrasse grundsätzlich der Kanton zuständig sei. Aus Sicht der städtischen Verkehrsplanung sei somit nur der Ziel- und Quellverkehr aus der Stadt «direkt beeinflussbar». Durch die Sanierung der Hofstettenstrasse sowie jene von Berntorkreisel, Lauitorstutz und Burgstrasse – die zweite Bauetappe startet im März – werde der Durchfluss auf dieser Hauptachse «deutlich verbessert», so der Gemeinderat.

«Nutzen begrenzt»

Was den Hübelitunnel betrifft, ist derzeit lediglich vorgesehen, das mögliche Trassee in der Ortsplanung zu sichern. Der Grundsatzentscheid für oder gegen den Tunnel soll gemäss Agglomerationsprogramm ab 2027 erfolgen. Doch damit nicht genug: Da die Planung sehr aufwendig wäre, müsse bei einer allfälligen Realisierung des Tunnels «mit einem sehr weiten Zeithorizont (mindestens 15 bis 25 Jahre) gerechnet werden», erklärt der Gemeinderat.

Überdies wäre eine Mitfinanzierung durch den Bund zwingend, da die Kosten für das Bauwerk «in jedem Fall als sehr hoch» einzustufen seien. Rein auf die Stadt Thun bezogen, wäre der Nutzen des Hübelitunnels aus Sicht des Gemeinderats «begrenzt».

Bezüglich einer allfälligen Aarequerung Süd gibt der Gemeinderat als Zeithorizont für den Grundsatzentscheid «2023 bis 2026» an. Auch bei diesem Projekt wäre für Finanzierung und Realisierung der Kanton zuständig, zudem müsste vorgängig eine Mitfinanzierung durch den Bund gesichert werden.

«Die Lösung des Verkehrs­problems am rechten Thunerseeufer ist eine kantonale Aufgabe.»Gemeinderat Thun in seiner Antwort auf die SVP-Interpellation

Gemäss Schätzungen aus der 2002 publizierten Gesamtverkehrsstudie könnten sich die Kosten der Verbindung auf bis zu 135 Millionen Franken belaufen; der Bau würde bis zu 15 Jahre in Anspruch nehmen. Konkret würde die Aarequerung Süd vom Thunerhof bis zum Mönchplatz verlaufen und dabei unter der Aare, dem Grunderinseli und dem Bahnhof hindurchführen. Laut dem Thuner Gemeinderat wäre die Verbindung bedeutender als der Hübelitunnel, «da sie insbesondere die Innenstadt direkt entlasten würde».

Zusammenfassend hält der Gemeinderat in seiner Antwort auf die Interpellation fest, dass er «keinerlei Spielraum für Alleingänge der Stadt Thun» sieht. Und weiter: «Die Lösung des Verkehrsproblems am rechten Thunerseeufer ist eine kantonale Aufgabe.»

Thuner Tagblatt

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