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Thuner Gemeinderat erteilt der Quartierschulinitiative eine Abfuhr

Die Stadtregierung sieht in der Quartierschulinitiative einen unnötigen Eingriff ins System. Er empfiehlt dem Stadtrat deshalb am 24. Januar deren Ablehnung. Die Initianten hingegen sprechen von «Angstmacherei».

Barbara Schluchter-Donski
Das Schoren-Schulhaus, das seit vergangenem August leer steht, war Auslöser der Quartierschulinitiative.
Das Schoren-Schulhaus, das seit vergangenem August leer steht, war Auslöser der Quartierschulinitiative.
Patric Spahni

Die Meinungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Die Quartierschulinitiative, die im Nachgang zu den Klassenschliessungen im Schoren zustande kam, entzweit die Beteiligten weiterhin. Auf der einen Seite steht die Stadt, welche am Dienstag per Mediencommuniqué ihre Haltung kundtat, bevor das Geschäft am 24. Januar in den Stadtrat kommt.

Der Gemeinderat drückt zwar seine Sympathie für das Anliegen aus, er empfiehlt dem Parlament aber erwartungsgemäss, die Initiative abzulehnen und sie den Stimmberechtigen ohne Gegenvorschlag und mit einer Ablehnungsempfehlung zu unterbreiten.

Auf der anderen Seite steht das Initiativkomitee um Karin Gyger und Eveline Bütler, welches sich seit dem Bekanntwerden des Entscheids vor rund einem Jahr mit allen Mitteln gegen die Schulhausschliessung, wie es die Initianten nennen, wehrt.

Unter anderem auch mit der nun vorliegenden Quartierschulinitiative, welche im Bildungsreglement der Stadt festlegen will, welche Schulstufen in welchen Schulanlagen geführt werden sollen. Gleichzeitig sollen auch die Kompetenzen der Schulkommission beschnitten werden. Denn diese war es, welche entschied, die beiden Mehrjahrgangsklassen im Schoren aufzulösen.

Eigeninteressen oder nicht?

Das Thema entwickelt sich zunehmend zur Glaubensfrage. So argumentiert der Gemeinderat, die Quartierschulinitiative stelle die Eigeninteressen der Schoren-Eltern über das Interesse der ganzen Stadtbevölkerung. Er schreibt: «Wenn künftig zu kleine Klassen weitergeführt werden, muss dies an anderen Schulstandorten mit grösseren Klassen kompensiert werden.»

«Am Ende würde das Gegenteil dessen erreicht, was eigentlich beabsichtigt wird.»

Der Thuner Gemeinderat in den Stadtratsunterlagen

Die Initiative, die kürzere Schulwege im Schoren zum Ziel habe, könne zu längeren Schulwegen in anderen Quartieren führen. Im Extremfall seien Schülertransporte quer durch die ganze Stadt nötig. Und er schliesst: «Am Ende würde mit der Initiative das Gegenteil dessen erreicht, was eigentlich beabsichtigt wird.»

«In dem Fall hat der Gemeinderat unsere Initiative überhaupt nicht verstanden», entgegnete Initiantin Karin Gyger am Dienstag. Sie zeigt sich vom Entscheid der Exekutive nicht wirklich überrascht. «Die Stadtregierung erzählt lieber Halb- und Unwahrheiten.»

«Der Gemeinderat hat unsere Initiative nicht verstanden. Er erzählt lieber Halb- und Unwahrheiten.»

Karin Gyger, Initiantin

Ziel der Initiative sei es eben gerade, künftige Schulhausschliessungen, längere Schulwege und eine willkürliche Schulraumplanung auf dem ganzen Stadtgebiet zu verhindern und dagegen mehr Verbindlichkeiten für alle zu schaffen. Der Fall Schoren zeige deutlich, was inskünftig auch mit anderen Quartierschulen geschehen könne.

Angstmacherei oder nicht?

Der Gemeinderat seinerseits führt in seinem Communiqué weiter ins Feld, dass in Thun dank seiner kleinräumigen Strukturen auch ohne die Initiative zumutbare Lösungen garantiert seien, die Initiative hingegen die nötige Flexibilität in der Klassenorganisation gefährde, da künftig nur noch der Stadtrat anstelle des Gemeinderats die Aufhebung von Schulstandorten beschliessen könne.

Und er zeigt am Beispiel des Hohmad-Schulhauses auf, welche Konsequenzen die Initiative auf einzelne Standorte hätte. Dort müssten künftig nicht nur eine 1. bis 4. Klasse, sondern neu auch eine 5. und 6. Klasse geführt werden. Wegen des fehlenden Schulraums wäre eine Umstellung auf jahrgangsgemischte Klassen und eine Umverteilung der Hälfte der Schüler auf umliegende Schulhäuser die Konsequenz. Zudem sei eine Sanierung jener Schulanlage bereits in Planung.

Das sehen die Initianten ganz anders: «Genau die anstehende Sanierung wäre doch die Gelegenheit, das Schulhaus für die Zukunft und damit für eine vollständige Primarstufe fit zu machen», sagt Karin Gyger, die bei einer Annahme der Initiative auch Hand für eine Übergangslösung bieten würde. «Doch der Gemeinderat zieht offenbar aus Mangel an sachlichen Argumenten den Weg der Angstmacherei vor.»

Wie gehts weiter?

In seinem Communiqué zeigt der Gemeinderat auch auf, wie es nach dem 24. Januar weitergeht. Folgt der Stadtrat dem Gemeinderat und lehnt die Initiative ebenfalls ab, dann kommts am 17. Mai zur Volksabstimmung. Wird die Initiative vom Volk oder bereits vorher vom Parlament angenommen, wäre eine Umsetzung, sprich die Führung einer vollständigen Primarstufe im Schoren, auf das Schuljahr 2021/2022 hin möglich.

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