Geld für den FC Thun: Die Befürworter landen einen Kantersieg

Thun

30 zu 8 – mit diesem Stimmverhältnis genehmigte der Stadtrat nach emotionaler Diskussion vor vollem Haus ein Darlehen von maximal 500'000 Franken für den FC Thun. Die definitive Summe wird im Januar ausgehandelt.

Der Thuner Stadtrat zeigt sich solidarisch mit dem klammen Fussballklub (Archivbild).

Der Thuner Stadtrat zeigt sich solidarisch mit dem klammen Fussballklub (Archivbild).

(Bild: Patric Spahni)

Die Fakten mögen bekannt sein – der FC Thun braucht bis Ende Saison mindestens 1,5 Millionen, von denen bis Freitag 733'858 Franken durch Spenden sichergestellt werden konnten. Doch darüber, ob die Stadt dem klammen Club mit einem zinslosen Darlehen von maximal 500'000 Franken unter die Arme greifen soll, wird an diesem Abend im Stadtrat mit Herzblut gerungen.

Und das Geschäft stösst auf grosses Interesse: Der Saal ist rappelvoll, unter den Besuchern finden sich Vertreter des FC Thun inklusive einer grossen Gruppe Junioren, diverse Journalisten, Alt-Politiker und Fans. Bis zur ­finalen Abstimmungsentscheidung gibt es wiederholt «Bravo»-Rufe, Beifall, Unmutsbekundungen. Aber der Reihe nach.

«Vermindern Risiko»

«Ausserordentliche Situationen erfordern ausserordentliche Massnahmen», betont Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) einleitend. Er spricht die Risiken an, welche die finanzielle Lage des FC Thun mit sich bringe: Ein mögliches Geisterstadion, wegfallende Wertschöpfung und Nachwuchsarbeit, ein grosser Imageschaden. Und Druck auf die Stadt – etwa selber als Stadionmieterin aufzutreten.

Die Notlage des FC habe der Gemeinderat extern prüfen lassen: «Es ist eine seriöse Beurteilung.» Beim Darlehen handle es sich zwar um Risikokapital, «aber wir vermindern für die Stadt auch ein Risiko. Wenn wir nichts machen, wird die Situation noch unsicherer.»

Im Parlament ist wiederholt die Rede von einem schwierigen Geschäft. «Egal, wie wir entscheiden, falsch ist es auf jeden Fall», spielte Peter Aegerter (BDP) auf die Emotionen in der Bevölkerung an. Für ihn seien die Gründe für das Darlehen aber nachvollziehbar – und auch, dass nächste Saison dank höherer TV-Zuschüsse echt mehr Geld zur Verfügung stehe. «Wir glauben daran, dass der FC weiter in der Super League spielen und das Darlehen zurückzahlen wird.»

Lukas Lanzrein von der SVP/FDP-Fraktion erklärt: «Wir vertreten eine Politik, die auf Eigenverantwortung basiert.» Doch die Fraktion habe sich überzeugen lassen, dass es sich im vorliegenden Geschäft um eine einmalige Übung handle und dass der FC alles daran setze, das Darlehen zurückzuzahlen. Lanzrein: «Der Stadtrat muss sich die Frage stellen, ob er dem FC Thun den Stecker ziehen will.»

Leichen- oder Krankenwagen?

Noch drastischer drückt es Martin Allemann (SP) aus, der fragt: «Schicken wir den Leichenwagen oder den Krankenwagen ins Stadion?» In diesem Fall sei es nötig, einen Proficlub mit Steuergeldern zu unterstützen – auch wenn dies längerfristig nicht Aufgabe der Stadt sein könne. Jonas Baumann (Fraktion der Mitte) weist darauf hin, dass auch andere – etwa Kulturanbieter – von öffentlichen Geldern profitieren. «Bei den Seespielen fragen wir auch nicht: Gibt es sie nächstes Jahr überhaupt noch?» Die Stadt begebe sich nicht auf unvernünftige Weise auf Glatteis.

Thomas Hiltpold (Grüne) fühlte sich bei der Idee des Darlehens zuerst an Polo Hofer erinnert: «Bin i gopfridstutz e Kiosk, oder bini öppe ne Bank?» Er sei aber zum Schluss gekommen: «Thun ist eben gerade keine Bank. Denn dann würden wir kein Geld geben, weil zu wenig Sicherheiten geboten werden.»

Die Stadt helfe dann, wenn ein öffentliches Interesse bestehe und es wirklich nötig sei – wie hier. So einmalig sei dies im Übrigen nicht: «Der Spitzensport wurde auch schon früher unterstützt.» Dieser habe schliesslich auch eine Strahlkraft weit in den Breitensport hinein.

«Falsches Signal»

Herrscht also die grosse Einigkeit im Stadtrat? Nein. Nach den Befürwortern melden sich auch die Gegner zu Wort. Nicole Krenger äussert sich für die Grünliberalen, die geschlossen gegen das Darlehen sind. Sie will ihr Votum nicht gegen den FC Thun verstanden wissen – aber: «Wir setzen ein falsches Signal und sagen Firmen in Not: Kommt zu uns, wir helfen.» Bei der erwarteten Neuverschuldung der Stadt in den nächsten Jahren spielt für Krenger der Darlehensbetrag von 500'000 Franken durchaus eine Rolle.

Beat Grimm (Grüne) weist auf die Sicherheitskosten rund um die Fussballspiele hin – «die Stadt leistet schon einen grossen Beitrag». Es sei nicht Aufgabe der Öffentlichkeit, einen Verein in diesem Ausmass zu unterstützen. Sabine Kaufmann (SP) erinnert daran, dass es im kürzlich vom Stadtrat abgesegneten Budget 2017 wenig Spielraum gab.

«Ich verstehe nicht, warum wir 500'000 Franken für ein Dar­lehen ausgeben sollen, dessen Rückzahlung mehr als fragwürdig ist.» Man dürfe gar nicht daran denken, was mit dem Geld geschehe, sollte der FC Thun in die Challenge League absteigen. «Wir können den FC mit einem einmaligen Darlehen nicht dauerhaft retten.»

Klare Sache

Doch schliesslich stimmt der Stadtrat dem Darlehen von maximal 500'000 Franken mit 30 zu 8 Stimmen deutlich zu. Die effektive Darlehenssumme wird erst im Januar ausgehandelt und hängt gemäss Stadtratsunterlagen «vom dannzumal ausgewiesenen Kreditbedarf der FC Thun AG» ab. Ab 2018 muss der FC das Darlehen innert fünf Jahren in 20 Quartalsraten à 25'000 Franken zurückzahlen.

«Es ist nicht fertig», appelliert Stadtpräsident Raphael Lanz an die Wirtschaft und die Gesellschaft, sich weiterhin solidarisch zu zeigen. Und er schliesst mit einem zum Thema passenden Bild: «Der Gemeinderat hat den Ball dem Stadtrat zugespielt, dieser gibt nun die Vorlage – aber die Tore muss weiterhin der FC Thun schiessen!»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt