Freudensprünge bei Gym Berner Oberland

Uetendorf

Die Baubewilligung für das Turnsportzentrum Oberland in Uetendorf ist da, der Baustart erfolgt am 22. Juni. Die Finanzierung bleibt allerdings ein Problem.

Die Turnerinnen und Turner von Gym Berner Oberland – im Bild Fabienne Studer – können schon bald in ihrer eigenen Halle trainieren.

Die Turnerinnen und Turner von Gym Berner Oberland – im Bild Fabienne Studer – können schon bald in ihrer eigenen Halle trainieren.

(Bild: Hans Wüthrich)

«Hätte man alle Anforderungen am Anfang gekannt, wäre man wohl gar nie ins Projekt eingestiegen; dermassen hoch und umfangreich waren die Herausforderungen in vieler Hinsicht.» Das steht auf der Website des Kunstturnvereins Gym Berner Oberland. Doch Vereinspräsident Werner Gottier und Christoph Läderach, Cheftrainer Knaben, sind glücklich. Glücklich, dass sie so blauäugig waren und dass die Anstrengungen der letzten beiden Jahre sich gelohnt haben.

Denn der Traum einer eigenen Trainingshalle, eines Turnsportzentrums für das ganze Berner Oberland, wird Realität – der Baustart erfolgt am 22. Juni, und am 1. September soll der Trainingsbetrieb beginnen. Vorbei werden die Zeiten sein, in denen der Verein um seine Trainingszeiten kämpfen und nach jedem Training einen Grossteil der Geräte und Einrichtungen wieder wegräumen musste, wie es in der Riedern-Turnhalle in Uetendorf der Fall ist, wo die jungen Sportlerinnen und Sportler seit der Vereinsgründung 2013 an ihren Fähigkeiten arbeiten.

Denn Gym Berner Oberland kann die Lagerhalle im Gebäude der Immer AG an der Zelgstrasse in Uetendorf mieten. «Zuerst einmal für fünf Jahre, aber mit der Option auf weitere fünf Jahre», sagt Werner Gottier. Die Halle wird frei, weil die Firma in einen Neubau umzieht, der nur ein paar Hundert Meter entfernt an der Glütschbachstrasse erstellt wird (wir berichteten).

Warten auf das grüne Licht

Rechtlicher Natur war eine der Herausforderungen, die bei der Umsetzung der Pläne zu meistern waren. Denn die Halle liegt in der Arbeitszone II, die gemäss Artikel 60 des Baureglements «Gewerbebetrieben mit den dazugehörigen Büroräumlichkeiten vorbehalten» sind. Weil Sportanlagen in dieser Zone nicht ausdrücklich verboten sind, hatte die Uetendorfer Hochbaukommission die Erteilung einer Ausnahmebewilligung in Aussicht gestellt, weil der Verein eine gute Ausstrahlung habe und das Projekt die Gemeinde ein keiner Weise belaste.

«In Aussicht gestellt» heisst aber nicht «erteilt». Und so wartete die Vereinsleitung gespannt und auch ein wenig nervös auf das grüne Licht aus dem Uetendorfer Gemeindehaus. Als es dann vor ein paar Wochen aufleuchtete und die Baubewilligung eintraf, fiel Gottier, Läderach und allen anderen, die sich seit Jahren für das Projekt engagiert hatten, ein riesiger Stein vom Herzen.

Sie packen selber mit an

Am 22. Juni geht es also los. «Als Erstes müssen wir die Halle räumen und weitere Vorarbeiten erledigen», sagt Christoph Läderach. Dann kommen die Holzbauer zum Einsatz, die während drei Wochen Garderoben, Duschen und einen abgetrennten Gymnastikraum einbauen.

Letzterer wird 57 Quadratmeter gross sein, eine sieben Meter lange, abdeckbare Spiegelwand und eine Musikanlage beinhalten und soll vermietet werden, beispielsweise zum Tanzen oder für Yogaunterricht. Um die Umbaukosten so tief als möglich zu halten, werden viele Personen aus dem Umfeld des Vereins mithelfen.

Für eine sanfte Landung

Die heisse Phase des Umbaus ist für die beiden Wochen vom 12. bis 24. August geplant. «In dieser Zeit werden wir die Geräteinfrastruktur einbauen, was wir mit einer Zeitrafferkamera auf unserer Website dokumentieren werden», stellt Christoph Läderach in Aussicht. Herzstück wird der 144 Quadratmeter grosse Kunstturnschwingboden sein. Hinzu kommen Ringe, für deren Verankerung ein Statiker hinzugezogen wird, und alle weiteren Trainingsgeräte fürs Kunst- und Geräteturnen für Mädchen und Knaben wie Barren, Reck, Trampolin, Schwebebalken und Sprunganlagen.

Ein weiteres Highlight wird auch die bereits durch ein «I believe in you»-Projekt finanzierte Landegrube mit Schaumgummischnitzeln sein, welche die jungen Sportlerinnen und Sportler vor Verletzungen schützt.

Wolken am Horizont

Trotz der Freude über das Projekt, das nun in die Zielgerade einbiegt – der finanzielle Horizont des Vereins ist nicht wolkenlos. Anfangs ging die Planung von Kosten von 350'000 Franken aus: eine Viertelmillion für die Hallenmiete von fünf Jahren, plus 100'000 Franken für Infrastruktur und Umbau.

«Für den Betrieb ab dem sechsten Jahr fehlt uns das Geld zurzeit noch.»Werner Gottier, Präsident Gym Berner Oberland

«Zum Start und Betrieb der ersten fünf Jahre fehlt uns nur noch wenig Geld – die Finanzierung ist zu 93 Prozent gesichert», sagt Vereinspräsident Gottier. «Doch für den Betrieb ab dem sechsten Jahr fehlt uns das Geld zurzeit noch.» Denn die Miete und die weiteren Kosten fallen höher aus als angenommen und belaufen sich nun auf 850'000 Franken, obwohl der Verein beim Umbau möglichst viel selber machen will. «Zum Glück hat sich der Grossvater eines jungen Turners als Bauleiter zur Verfügung gestellt. Er hat Erfahrung mit der Umsetzung von solchen Projekten. Ohne ihn wäre der Bau finanziell nicht tragbar», hält Gottier fest und betont: «Wir haben kein Vermögen. Die Mitgliederbeiträge sind unsere einzigen Einnahmen.»

Weitere Sponsoren gesucht

Alle Hoffnungen liegen nun beim Sponsoring, durch welches inzwischen mehrere Hunderttausend Franken zusammengekommen sind. Nun intensiviert der Verein seine Anstrengungen in dieser Richtung. «Wir verkaufen beispielsweise den Schwingboden für 440 Franken pro Quadratmeter», sagt Christoph Läderach. «100 von 144 Quadratmetern sind noch zu haben.» Und wer die Website des Vereins anwählt, wird sofort mit einem Pop-up-Fenster darauf aufmerksam gemacht, dass man sich an der Anschaffung eines Turngeräts nach freier Wahl beteiligen kann.

www.gymbeo.ch

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