«Forschung und Schöpfungsgeschichte beissen sich nicht»

Uetendorf

Physikerin Kathrin Altwegg begeisterte in Uetendorf mit ihrem Referat über die Mission Rosetta und darüber, was die Forschungsresultate vom Kometen Tschurjumow-Gerassimenko über den Ursprung des Lebens aussagen.

Kathrin Altwegg liess sich von der Frage des an Physik interessierten Aurin Aegerter aus Uetendorf begeistern und sah ihn bereits als «zukünftigen Physiker» an der Uni Bern.

Kathrin Altwegg liess sich von der Frage des an Physik interessierten Aurin Aegerter aus Uetendorf begeistern und sah ihn bereits als «zukünftigen Physiker» an der Uni Bern.

(Bild: Debora Stulz)

«Chönnts sy, dass es zwöi Universum git?» Mit dieser Frage löste der zehnjährige Uetendorfer Aurin Aegerter bei Kathrin Altwegg, der Projektleiterin «Rosina» im Center of Space and Habitability der Universität Bern, Begeisterung aus. «Das ist mein Lieblingsthema», sagt die Physikerin. Mit ebensolcher Freude begleitete Altwegg am Mittwochabend die Zuhörenden durch die Geschichte der Raumsonde Rosetta und des Messinstrumentes Rosina, das von Mitarbeitenden der Uni Bern entwickelt worden war. «Zehn Jahre Planung, zehn Jahre Bau, zehn Jahre fliegen und jetzt zehn Jahre Daten auswerten, das ist die Kurzgeschichte», erklärte die Projektleiterin.

Wasser und Wasser

Zu dem Vortrag «Woher kommt das Leben», der zu der Reihe «Das Universum und wir» gehört, hatte die Kirchgemeinde Thier­achern eingeladen. 170 Frauen, Männer sowie einige Jugendliche und Kinder wollten im Kirchgemeindehaus Uetendorf Allmend denn auch mehr über den Ursprung allen Lebens wissen. Seit der Inbetriebnahme des Rosina-Instrumentes Ende März 2004 seien vom Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, kurz Tschuri, der das Ziel der Raumsonde Rosetta war, «für die Forschung unvorstellbar wichtige Daten» zur Erde gesandt worden, so Kathrin Altwegg. Unter anderem konnte festgestellt werden, dass das Wasser auf der Erde und das Wasser auf dem Kometen Tschuri nicht die gleiche Zusammensetzung aufweisen. Diese Erkenntnis habe die Hoffnung darauf zerstört, dass Kometen, die aus Eis bestünden, das Wasser auf die Erde gebracht hätten.

Leben von Kometen

Trotzdem haben die Forscher der Uni Bern und der an diesem Projekt beteiligten Institute in den Daten mögliche Zusammenhänge zum irdischen Leben entdeckt. In Bildern zeigte Kathrin Altwegg auf, dass auf dem Kometen Tschuri Stickstoff, Sauerstoff, Kohlenstoffketten, Methanol und «der für das Leben äusserst wichtige Phosphor» entdeckt worden sind. Die Forschung gehe deshalb davon aus, dass Kometen wie Tschuri, die aus dem Weltall in das irdische Meer gestürzt seien, das Leben auf den Planeten Erde gebracht hätten, so Altwegg weiter.

Kein Widerspruch

Zwischen den Forschungsergebnissen und den Theorien der Physiker sowie der Schöpfergeschichte der Bibel sieht die Physikerin keinen Widerspruch. «Die beiden Gebiete beissen sich nicht», sagte Altwegg und weiter: «Wir Forscher suchen danach, woher das Leben kommt; die Theologen fragen, warum das Leben da ist.» Persönlich habe sie kein Problem mit dem Schöpfergott. Zudem beschreibe die Schöpfungsgeschichte relativ gut, was damals im Universum und auf der Erde geschehen sei: «Nur über den Zeitraum der in der Bibel beschriebenen sechs Tage müsste man möglicherweise noch etwas diskutieren», so Altwegg mit einem verschmitzten Lächeln.

Begeistertes Publikum

Nicht nur Aurin, Schüler der Rudolf-Steiner-Schule, Steffisburg, und begeisterter Physik- und Chemiebuchleser, war von den Ausführungen von Kathrin Altwegg begeistert. Nach der längeren Diskussion über die Mission Rosetta und die Entstehung des Lebens erhielt die Referentin einen ausgedehnten Applaus. Und zum Abschluss noch ihre von Enthusiasmus erfüllte Antwort auf die Frage nach den zwei Universen: «Ja, ja sicher, es git sogar mehreri!»Weitere Anlässe:1. 3. Kirche Uetendorf, 19.30 Uhr: Lesung und Diskussion mit Lorenz Marti zu, «Eine Hand voll Sternenstaub»: 18. 3. Pfruendschüür Thierachern, 19.30 Uhr: Dialog Theologie - Naturwissenschaften mit dem Theologen Andreas Losch. Link:space.unibe.ch/rosina.

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