Thun

Fisch fressende Kormorane im Visier

ThunIm Winter seien Kormorane im unteren Thunerseebecken ein Problem für die laichenden Äschen, sagt das Kantonale Jagdinspektorat. Deshalb will es die Vögel abschiessen lassen.

Dieses Bild will man beim Kantonalen Jagdinspektorat künftig weniger oft sehen: Ein Kormoran frisst einen Fisch.

Dieses Bild will man beim Kantonalen Jagdinspektorat künftig weniger oft sehen: Ein Kormoran frisst einen Fisch.

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In der Schadau bei Thun befindet sich ein Äschenlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Seit Jahren sind die Bestände dieser gefährdeten Art rückgängig. Das geht nicht nur aus einer Publikation im Amtsblatt des Kantons Bern hervor, das ist hinlänglich bekannt.

Neu ist, dass der Kanton jetzt den Äschen helfen will – und zwar indem er einem zu Leibe rückt, der die Äschen noch mehr liebt, als die Fischer es tun: dem Kormoran. In den nächsten fünf Jahren will er jeweils zwischen 1. Januar und 31. März maximal 20 Kormorane «durch Organe der Wildhut» abschiessen lassen. Das erste Mal ist die Massnahme vom 1. Januar bis 31. März 2019 vorgesehen.

Bis zu 1800 Fische pro Saison

«Ein Kormoran braucht gemäss statistischen Erhebungen durchschnittlich 500 Gramm Fisch pro Tag», sagt Andreas Hertig, Bereichsleiter Fischereimanagement beim Kantonalen Fischereiinspektorat. Die Rechnung ist demnach einfach: 20 Kormorane wären imstand, während der Dauer von drei Monaten bis zu 1800 Fische zu verzehren.

«Für den sonst schon dezimierten Äschenbestand ist das verheerend», sagt Hertig. Gerade in der Laichzeit seien «die grossen und schweren Äschen» in den flachen Gewässern des unteren Thunerseebeckens eine leichte Beute für die hungrigen Vögel, die zum Überwintern in der Region halt machen.

«Das wiegt in der Laichzeit doppelt schwer: Nicht nur werden Fische gefressen – sie können sich darüber hinaus nicht mehr fortpflanzen.» So habe gerade der jüngste Laichfischfang im letzten Frühling gezeigt, dass die Äschenbestände im «wichtigsten Äschenlaichgebiet der Schweiz» in den letzten Jahren «dramatisch» zurückgegangen seien.

Ziel: Vögel vertreiben

Jagdinspektor Niklaus Blatter betont, im Gegensatz zum Gänsesäger, der ebenfalls Äschen auf seinem Menüplan hat, sei der Kormoran nicht geschützt und grundsätzlich jagbar. «Allerdings ist es nicht unser Ziel, möglichst viele Vögel zu schiessen», sagt Blatter. «Vielmehr wollen wir erreichen, dass weniger Kormorane im Äschenschutzgebiet überwintern.» Deshalb ist auch der Perimeter für die Aktion südlich auf der Achse Kanderdelta-Hilterfingen begrenzt.

Pro Natura kritisiert

Wenig begeistert von der An­kündigung zeigt sich Pro Natura. Suzanne Albrecht, Präsidentin von Pro Natura Region Thun, spricht von einer «Albiübung». Die geplanten Abschüsse seien «reine Symptombekämpfung ohne nachhaltige Wirkung», sagt sie. Albrecht kündigt denn auch an, dass sich Pro Natura die ­Publikation der Abschussaktion im Wasser- und Zugvogelreservat zusammen mit den Vogel­schützern «genau ansehen» ­werden.

Keine Enten füttern

In einem Punkt sind sich indes die Vertreter des Jagd- und Fischereiinspektorats und von Pro Natura einig: Wer Äschen schützen will, verzichtet als Erstes drauf, Enten zu füttern. «So werden viel weniger Gänsesäger ins Flachwasser gelockt, die dann auch über die Äschen herfallen», sagt Niklaus Blatter.

Bis zum 17. August können beschwerdeberechtigte Organisationen und Personen die Akten im Jagdinspektorat in Münsingen einsehen und allfällige Anträge schriftlich formulieren und einreichen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.07.2018, 09:58 Uhr

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