Firmen wollen Meyer Burger-Lehrlingen helfen

26 Lernende in technischen Berufen müssen sich aufgrund des Stellenabbaus beim Solarkonzern Meyer Burger neu orientieren. Die Solidarität der Thuner Maschinenbauunternehmen ist gross: «Wir wollen in dieser Krisensituation Hand bieten», sagt Thomas Benz von der Schleuniger AG. Auch über­regional sind die Mitarbeitenden von Meyer Burger gefragt.

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Rund 180 Stellen will Meyer Burger bis Ende 2018 in Thun streichen, da die Produktion des Unternehmens nach China verlegt wird. In dieser Zahl nicht inbegriffen: rund 40 temporäre Mitarbeiter sowie 26 Lernende, die vom Stellenabbau betroffen sind.

«Aktuell beschäftigen wir 43 Lernende bei Meyer Burger», sagte Mediensprecherin Ingrid Carstensen gestern auf Anfrage dieser Zeitung. «Diejenigen, die ihre Lehre im Sommer 2018 abschliessen, sowie alle Lernenden in der kaufmännischen Branche und der IT können ihre Lehre bei uns abschliessen.» Die 26 ver­bleibenden Lernenden in technischen Berufen müssen sich einen neuen Ausbildungsbetrieb suchen. Dabei unterstütze Meyer Burger die jungen Leute, so gut es gehe, betont Carstensen.

«Alle Eltern unserer Lernenden wurden bereits schriftlich über die Änderungen informiert, ein Elternabend findet nächste Woche statt.» Auch mit der kantonalen Berufsbildung steht die Firma in Kontakt.

In Thun bleiben der Firma künftig rund 150 Arbeitsplätze in den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Marketing sowie in der Forschung und Entwicklung, die sich der Weiterentwicklung der Fotovoltaiktechnologien widmet.

Meyer Burger hat sich gegen den Erhalt von einzelnen Lehrstellen in der Produktion, beispielsweise zum Bau von Prototypen, entschieden: «Dabei könnten wir den Lernenden keine umfassende Ausbildung garantieren. Deshalb ziehen wir es vor, ihnen bei der Suche nach einem geeigneteren Ausbildungsbetrieb zu helfen», erklärt Ingrid Carstensen.

Obschon die Nachricht vom Stellenabbau erst am Donnerstag publik gemacht wurde, erhielt Meyer Burger bis gestern Nachmittag bereits Anfragen von verschiedenen überregionalen Betrieben: «Diese interessieren sich für unsere gut qualifizierten ­Mitarbeitenden», erklärt Carstensen.

«Unterstützung bieten»

Auch die grossen Thuner Maschinenbaufirmen zeigen sich solidarisch mit Meyer Burger. Die Firma hat offenbar am Freitagmorgen mit mehreren Unternehmen in der Region Kontakt aufgenommen. Jörg Dirren, Personalchef der Rychiger AG in Steffisburg, bestätigt: «Uns liegt eine Anfrage von Meyer Burger bezüglich Übernahme von Lernenden vor.»

Die Rychiger AG selbst bildet ­momentan 18 Personen aus. «Grundsätzlich haben wir damit in unserem Betrieb genug Lernende. Trotzdem werden wir in diesem Fall wenn möglich Unterstützung beim Unterbringen der Lernenden bieten», erklärt Dirren. Er betont aber auch, dass dies nur Sinn mache, wenn die Rychiger AG genügend Kapazität habe, um die Betreuung der zusätz­lichen Lehrlinge zu ermöglichen: «Das müssen wir nun genau abklären.»

Am ehesten hätten Konstrukteure, Werk- und Polymechaniker sowie kaufmännische Angestellte eine Chance, bei der Rychiger AG unterzukommen, möglicherweise auch Automatiker. «Die Rychiger AG ist im Aufbau, wir haben dieses Jahr bereits 30 Personen eingestellt und suchen permanent nach Fachkräften. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir künftig auch Mitarbeitende von Meyer Burger bei uns beschäftigen werden, wenn sie unseren Anforderungen entsprechen.»

Roger Leuenberger, Verantwortlicher für die 77 Lernenden der Fritz Studer AG in Steffisburg, bestätigt ebenfalls den Kontakt mit Meyer Burger am Freitagmorgen: «Wir müssen abklären, was wir tun können, um möglichst viele Lernende in technischen Berufen übernehmen zu können», sagt er. «Es wird Lösungen geben.» Auch die Fritz Studer AG hat offene Stellen zu besetzen.

«Es gibt unbesetzte Stellen»

«Unser Ziel ist ganz klar, in dieser Krisensituation Hand zu bieten», sagt auch Thomas Benz, Leiter Berufsbildung der Thuner Schleuniger AG. Bis am Freitag hatte Benz noch nichts von Meyer Burger gehört, er erwarte jedoch eine baldige Anfrage. Zwar seien alle 22 Lehrstellen der Schleuniger AG besetzt. «Wir klären aber zum Beispiel in der Logistik oder bei den Polymechanikern ab, ob wir Lernende übernehmen können. Ich kann aber noch keine Garantie geben.»

Die Firma rechnet zudem mit Bewerbungen aus den Reihen der 180 Mitarbeitenden, die bei der Meyer Burger AG ihre Stelle verlieren werden. «Bei uns sind momentan 12 bis 14 Stellen unbesetzt, es gibt also Kapazität», sagt Benz.

Die Ruag AG in Thun – mit momentan 50 Lernenden und 11 vakanten Stellen – wurde bisher noch nicht von Meyer Burger kontaktiert. Das Unternehmen sichert jedoch ebenfalls Unterstützung zu.

Thuner Tagblatt

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