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Film, Fussball und Fiktion

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, der FMS und der WMS Thun stellten am Freitag und Samstag ihre Abschlussarbeiten vor. Von trockener Wissenschaft keine Spur – sogar ein Tier tauchte am Gymnasium auf.

Elvin Müller und Fabio Liechti produzierten einen Horrorfilm: Sie und viele andere Jugendliche präsentierten ihre Abschlussarbeiten.
Elvin Müller und Fabio Liechti produzierten einen Horrorfilm: Sie und viele andere Jugendliche präsentierten ihre Abschlussarbeiten.
Flavia von Gunten

Junge Männer mit dunkler Hautfarbe rennen über einen Fussballplatz, jagen einem Ball nach. Ein Tor fällt, Jubel bricht aus. Mit diesem kurzen Videoclip eröffnet Gianna Gerber die Präsentation ihrer Maturarbeit. Die Gymna­siastin wollte herausfinden, inwiefern Fussball der Integration von Asylsuchenden dient. Nicht nur weil sie selber Fussball spielt, wählte sie diese Sportart für ihr Projekt aus: «Fussball ermöglicht die Integration, da man ihn nicht allein spielen kann. Zudem muss man Regeln einhalten und den Gegner respektieren», erklärt Gerber.

Um ihre Leitfrage beantworten zu können, bot sie ab Juli 2016 einmal pro Woche ein Fussballtraining für 16 Asylsuchende an. Zwei Monate später triumphierte das Team an der Surprise-Streetfootball-Meisteschaft in Bern. Neben dem sportlichen Erfolg freut sich die Gymnasiastin auch über den sozialen Gewinn: «Das Training bietet den Spielern eine Struktur in ihrem Alltag. Es lockt sie aus der Wohnung, wo sie ihre meiste Zeit verbringen.»

Die Familie war ihre ­Inspirationsquelle

Auch in der Arbeit von Anja Pieren stehen Menschen im Mittelpunkt. Im Jahre 1837 wurde Elisabeth, eine junge Frau aus Adelboden, von ihrem Vater nach Ohio in die Vereinigten Staaten verbannt. 180 Jahre später verfasst deren Urururenkelin im Rahmen ihrer Maturarbeit eine Novelle über diese unerhörte Begebenheit. Obwohl Pierens literarisches Produkt fiktiv ist, wollte sie es an historischen Fakten festmachen.

Nicht funktioniert hat die Herstellung von Kunstblut.

Darum vertiefte sie sich in ihre Familiengeschichte und in die Auswanderungs­geschichte des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Stunden verbrachte sie im Dorfarchiv von Adelboden, Hobbyhistoriker übertrugen ihr alte Briefe in die neue Schrift. ­Zudem informierte sie sich über die Novellentheorie, damit ihr Werk die Ansprüche dieser Gattung erfüllt.

Mit ihrem Endprodukt, der acht Seiten langen Novelle, sei sie zufrieden. Allerdings möchte sie die historische Forschung in den USA weiterführen. Sie hoffe, dort auf weitere Nachfahren von Elisabeth zu treffen.

Zwei Jungs präsentierten self-made Nervenkitzel

Ebenfalls fiktiv, aber um einiges blutrünstiger ist das Produkt von Fabio Liechti und Elvin Müller. Sie stellten sich die Aufgabe, mit einfachsten Mitteln einen Horrorfilm zu drehen. Die selbst auferlegte Kaufzensur für professionelles Filmmaterial führte zu erfinderischen Einfällen: Anstatt eine spezielle Kamera zu kaufen, die Aufnahmen ohne Wackler garantiert, nahmen sich die Schüler ein Stativ und den Kameragurt zu Hilfe. Diese vorhandenen Hilfsmittel hätten ihren Zweck erfüllt, freuen sie sich. Nicht funktioniert habe dagegen die Herstellung von Kunstblut. Die Mischung aus Stärke, Kakao und ­Lebensmittelfarbe erfüllte die Erwartungen der beiden nicht.

Im fertigen Film, der auf Youtube unter dem Titel «Wo bin ich? Horror Movie» zu finden ist, kam darum reine Lebensmittelfarbe zum Einsatz. Selbstkritisch geben die Gymnasiasten zu, dass sie mehr Zeit für die Ideenfindung der Geschichte hätten aufwenden sollen. Obwohl sie diverse Szenen nachgedreht hätten, ­seien zwei Logikfehler geblieben.

Das Rentier als tierische Unterstützung

Keine Probleme mit der Logik hatte Carmen Luginbühl – ihre Forschungsresultate bestätigen ihre Ausgangshypothese. Sie nahm an, dass Geschlecht, Gewicht und Alter eines Rentieres dessen Geweihwachstum beeinflussen würden. Alle zwei Wochen erhob sie zu Hause das Gewicht ihrer 14 Rentiere und die Länge der Geweihe. Nach Abschluss der Messungen stellte Luginbühl fest, dass die Geweihe der männlichen Tiere schneller wachsen als jene der weiblichen.

Um ihr Studienobjekt dem Publikum näherzubringen, holt sie nach ihrem Vortrag Snow ins Zimmer. Die meisten haben den Bock wohl nicht zum ersten Mal gesehen. Vor 3 Jahren spielte er in einem Swisscom-Werbespot mit.

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