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FC-Thun-Fans und Politiker kreuzten die Klingen

Das verschärfte Polizeikonkordat fordert Behörden und Fans anlässlich von Sport­veranstaltungen. Dies kam an einem Podiumsgespräch mit Politikern und der Fanszene des FC Thun einmal mehr deutlich zutage.

Rege Diskussion zum Hooligan-Konkordat im Fussball (v. l.): SVP-Stadtrat Matthias Wiedmer, SP-Gemeinderat Peter Siegenthaler, Moderator Stefan ­Geissbühler (TT- und BO-Chefredaktor), Rechtsanwältin Manuela Schiller und David Welten, Kontaktperson zur Fanszene des FC Thun.
Rege Diskussion zum Hooligan-Konkordat im Fussball (v. l.): SVP-Stadtrat Matthias Wiedmer, SP-Gemeinderat Peter Siegenthaler, Moderator Stefan ­Geissbühler (TT- und BO-Chefredaktor), Rechtsanwältin Manuela Schiller und David Welten, Kontaktperson zur Fanszene des FC Thun.
Patric Spahni

«Wir respektive die Polizei haben einen Auftrag, rund um Sportveranstaltungen für Sicherheit zu sorgen; wir haben das grosse Glück, dass bislang noch nicht ­etwas wirklich Schwerwiegendes geschehen ist», sagte der Thu­ner Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler. Der SP-Politiker machte am Samstagabend klar, was das verschärfte Hooligan-Konkordat anlässlich von Sportveranstaltungen für die Sicherheitsbehörden bedeutet.

Zumal die Thunerinnen und Thuner vor ziemlich genau drei Jahren das verschärften Konkordat mit fast 80 Prozent Ja-Stimmen deutlich abgesegnet hatten. Die verschärften Auflagen rund um risikobehaftete Spiele des FC Thun waren der aktiven Thuner Fanszene rund um die Gruppierung Block-Süd Grund genug, zur Podiumsdiskussion einzuladen.

Dies mit dem Ziel, Bilanz zu ziehen, die Situation kritisch zu hinterfragen und den Dialog zu pflegen. Das Thema mobilisierte vorab junge FC-Thun-Anhänger. Der Saal im Kulturlokal Baranoff an der Uttigenstrasse jedenfalls war fast bis auf den letzten Platz besetzt, und es zeichnete sich bald ein reger und kontroverser Austausch ab.

Gewalt schürt Gegengewalt

Auf die Frage von Moderator ­Stefan Geissbühler, Chefredaktor «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer», was von Pyros im Fansektor zu halten sei, wies Rechtsanwältin und FC-Zürich-Fan Manuela Schiller deutlich darauf hin, dass diese verboten sind. «Wer diese einsetzt, geht ein grosses Risiko ein», betonte sie. Für die Rechtsanwältin, die auch auffällig gewordene Fans juristisch vertritt, ist das Verbot indes übertrieben. «Wir haben andere Probleme, als Tausende Mannstunden in die Repression von Fussballfans zu stecken», meinte sie und erntete Applaus. Zudem schüre Gewalt Gegengewalt.

Letzteres konnte auch David Welten, Fanverantwortlicher des FC Thun, feststellen. «Es gibt Fans, für die ist der Reiz zu provozieren grösser, wenn etwas verboten ist, weil dann auch die Aufmerksamkeit grösser ist», hielt Welten fest. Er spielte den Ball dabei auch den Medien zu. «Sobald im Fansektor Pyros brennen oder ein Fanmarsch angesagt ist, wird gross darüber berichtet», betonte er.

Dies wiederum schüre, mit den von den Behörden ausgesprochenen Verboten, in der Gesellschaft die Haltung, dass solche Fans Verbrecher seien. Oft liege der Grund für solches Verhalten viel tiefer. «Fussballfans kommen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten. Es sind auch Leute, die oft nicht viel haben. Die sozialisierte Fangruppe wirkt dann wie ein Ventil», so der Fanverantwortliche weiter.

Ein Problem der Gesellschaft

Ein gesellschaftliches Problem ortete ebenso der am Freitag aus dem Rat verabschiedete Thuner SVP-Stadtrat Matthias Wiedmer: «Es ist heute leider sehr vieles reglementiert, es gibt fast keine Freiräume mehr. Allerdings frage ich mich, was es für eine Fankultur ist, wenn Steine auf Polizisten geschleudert werden.» Es sei deshalb wichtig, dass Fans, Behörden und der Klub miteinander sprächen und einen gemeinsamen Nenner fänden.

Thematisiert wurde am Podium ebenso das von den YB-Fans im vergangenen Dezember ignorierte Fanmarschverbot (wir berichteten). «Warum solche Auflagen, wenn man sie gleichwohl nicht durchsetzt», wollte ein Fragesteller aus dem Publikum wissen. «Bei Risikospielen wenden wir immer dieselbe Taktik an», antwortete Peter Siegenthaler. Im besagten Fall sei es schliesslich um ein Abwägen gegangen. «Wir wollten keinen Eklat riskieren», so Siegenthaler weiter.

Nur teilweise Unterstützung erhielt der Sicherheitsvorsteher in dieser Frage von Rechtsanwältin Manuela Schiller. «Abwägen war sicher richtig. Bei der Bevölkerung kommt es aber so an, als ob die Polizei nichts unternimmt.» Wie der SP-Gemeinderat auf eine weitere Frage aus dem Publikum ausführte, konnte die Stadt Thun die Sicherheitskosten für Sportveranstaltungen in der Vergangenheit von einer Million auf rund 750'000 Franken senken.

Zudem stehe die Stadt, seit das Konkordat angenommen wurde, mit dem FC Thun im Dialog. «Das war zuvor kaum der Fall», sagte Peter Siegenthaler, der Sicherheitsvorsteher.

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