Fallgruben und Chancen

Thun

«Von Palästen und Ruinen – Umgang mit kommunalen Infrastrukturen»: So lautet das Thema des Politforums, das Ende Woche im KKThun über die Bühne geht. Experten loten Chancen und Gefahren aus.

Die Ballsporthalle Moos in Gümligen während der Bauphase: Hier spielte der Handballclub Wacker Thun in der Champions League, weil die Lachenhalle zu klein ist.

Die Ballsporthalle Moos in Gümligen während der Bauphase: Hier spielte der Handballclub Wacker Thun in der Champions League, weil die Lachenhalle zu klein ist.

(Bild: Adrian Moser)

«Schulhäuser, Schwimmbäder, Mehrzweckhallen, Feuerwehrlokale und andere kommunale Infrastrukturen prägen die Identität der Gemeinden und bilden gewichtige Budgetposten», heisst es in der Einladung zum Politforum Thun.

Es wird sich am 8. und 9. März mit den Erfolgsfaktoren und Fallgruben der kommunalen Infrastrukturpolitik befassen. Anhand von Praxisbeispielen sowie in Referaten von Regierungsräten und Expertinnen wird das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet und diskutiert.

In Stadt und Region Thun gibt es in mehreren Gemeinden das Bedürfnis nach neuen Mehrzweckhallen für Sport und Kultur. Vier Beispiele zeigen, wie sie damit umgehen und wie der Stand der Planung ist.

Wichtige Weiche gestellt

Am weitesten gediehen ist das Projekt für eine neue Dreifachturnhalle, ein Normrasenspielfeld, einen Allwetterplatz sowie neue Leichtathletikanlagen in der Schönau Steffisburg. Der Grosse Gemeinderat hat im Januar eine wichtige Weiche gestellt, indem er einen Kredit von 400'000 Franken bei einer Enthaltungen und ohne Gegenstimmen durchwinkte. Mit dem Betrag soll die konkrete Planung der Anlage an die Hand genommen werden.

Das Wettbewerbsverfahren für die Planung soll im nächsten Herbst abgeschlossen werden. Danach ist die konkrete Planung vorgesehen mit dem Ziel, dem Stimmvolk im März 2021 den Baukredit vorzulegen, sodass die Bauarbeiten im Idealfall im Sommer 2021 starten und die Anlage Ende 2023 in Betrieb genommen werden kann. Im Finanzplan sind bis 2022 insgesamt 9 Millionen Franken für die Anlagen in der Schönau eingestellt.

Fast 16 Millionen eingestellt

Noch nicht so weit ist man in Thun. Die städtischen Handballclubs Wacker und Rotweiss reiten seit Jahren auf einer Erfolgswelle und machen die Kyburgstadt zu einer Handballstadt. Doch der Platz in der Lachenhalle ist eng und reicht für maximal 2000 Fans.

«Wir brauchen in absehbarer Zukunft eine neue Halle, eine, die den fernsehtechnischen Anforderungen genügt, eine, in der wir zumindest auf zweithöchster europäischer Stufe Partien austragen können», sagte 2016 der damalige Wacker-Präsident Reto Zwahlen.

Gemeinderat Roman Gimmel (SVP), Vorsteher der städtischen Direktion Bildung, Sport, Kultur, doppelte im Jahr darauf nach: «Die Handballstadt braucht eine Handballhalle.» Zur Diskussion stand damals eine neue Halle an der Allmendstrasse oder in Thun-Süd.

Wie sieht es heute aus? Dürfen sich die Männer und Frauen von Wacker und Rotweiss auf eine neue Heimat freuen? «In der Aufgaben- und Finanzplanung 2019 bis 2023 haben wir 15,4 Millionen Franken für eine neue Dreifachsporthalle eingestellt», sagt Gemeinderat Konrad Hädener (CVP).

Spruchreif sei aber noch nichts, dämpft der Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften allfällige Erwartungen. «Aber wir reden bereits mit den künftigen Nutzern über ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten einer Kostenbeteiligung.» In den nächsten 30 Tagen stehe das Thema im Gemeinderat auf der Traktandenliste.

Es reicht nur für die Schule

Nicht nur Steffisburg und Thun, auch Heimberg liebäugelt mit einer Mehrfachturnhalle. «Die Schulen haben genügend Hallenraum für den Sportunterricht», sagt Heimbergs Gemeindepräsident Niklaus Röthlisberger (SVP).

«Anders sieht es bei den Vereinen aus. Einerseits müssen einige für die Trainings in benachbarte Gemeinden ausweichen, etwa in die Turnhalle Hasenäscht in Heimenschwand. Und die Unihockeymatchs können auch nicht bei uns ausgetragen werden, weil wir keine Halle haben, die gross genug ist.»

Eine neue Mehrfachturnhalle ist seit mehreren Jahren im Investitionsprogramm des Finanzplans enthalten. Der Neubau in der unteren Au soll eine Nutzungsdauer von 25 Jahren haben und dürfte mit Ausgaben von 7,5 Millionen Franken zu Buche schlagen, wie dem Finanzplan entnommen werden kann.

Die Realisierung hat allerdings zurzeit nicht hohe Priorität. Sie gehört zu den Investitionen der E-Klasse und damit zu den am wenigsten dringlichen Vorhaben. «Das hat finanzielle Gründe», führt Röthlisberger aus. «Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Bauvorhaben für die Schule umgesetzt und mussten uns dafür verschulden.»

Trotzdem sei es gelungen, den Steuersatz tief zu halten. «Wenn wir die Mehrfachturnhalle bereits heute bauen würden, müssten wir die Steuern erhöhen.» Bis 2020 wolle man aber entschieden haben, wo die Halle gebaut werden solle und in welcher Grösse. «Dann können wir die Detailplanung an die Hand nehmen», so der Gemeindepräsident von Heimberg weiter. Er schätzt, dass die neue Halle 2025 bezugsbereit sein könnte.

Kultur kontra Sport

Eine Mehrzweckhalle zwischen Primar- und Sekundarschulhaus wollte auch Oberdiessbach bauen. Sie hätte sowohl für den Sport als auch für kulturelle Veranstaltungen dienen sollen. Doch im Mitwirkungsverfahren waren die Eingaben dermassen kritisch, dass der Gemeinderat die für Juni 2016 geplante Urnenabstimmung abblies.

Es hatte einen Interessenkonflikt zwischen den Sport- und den Kulturvereinen gegeben. Die einen wollten eine Dreifachhalle, die anderen etwas Kleineres im Stil des Löwen-Saals. Hinzu kam, dass die Gemeinde Linden ihre Sekundarschüler ab 2018 nicht mehr nach Oberdiessbach schicken wollte – ein Entscheid, der aber später wieder aufgehoben wurde.

Die Planung der neuen Mehrzweckhalle kostete die Gemeinde rund eine halbe Million Franken. Doch ganz verloren scheint das Geld nicht zu sein. Immerhin verfügt Oberdiessbach über ein ausgearbeitetes Projekt, das bei Bedarf aus der Schublade geholt und neuen Erfordernissen angepasst werden kann. Denn die drei bestehenden Turnhallen sind voll ausgelastet.

Planung weiter zweckdienlich

Doch mittlerweile – genauer Anfang 2019 – hat der Gemeinderat die Schulraumplanung wieder an die Hand genommen. Er ist daran, die Bedürfnisse zu überprüfen und neu auszulegen. Die Mitwirkung der verschiedenen Anspruchsgruppen bekomme dabei ein besonderes Augenmerk, sagt Gemeindeschreiber Oliver Zbinden auf Anfrage.

«Der Gemeinderat möchte bis Ende Jahr einen neuen Bericht zur Schulraumplanung vorlegen und Lösungsvarianten aufzeigen.» Der Rat sei der Auffassung, so Zbinden, «dass die bisherige Planung in vielerlei Hinsicht weiter zweckdienlich ist». Ob die Mehrzweckhalle tatsächlich in der geplanten Grösse und mit der bisherigen Priorität weiterverfolgt werde, sei indes noch offen.

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