Thun

Es waren sexuelle Handlungen mit Kindern

ThunIm Fall von sexuellen Handlungen mit Kindern wurde der Angeklagte schuldig gesprochen. Die Gerichtspräsidentin verzichtete auf eine Landesverweisung.

Ein 52-jähriger Mann stand wegen vermuteter sexueller Handlungen mit zwei Nichten in Thun vor Gericht.

Ein 52-jähriger Mann stand wegen vermuteter sexueller Handlungen mit zwei Nichten in Thun vor Gericht. Bild: Keystone

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Hat der angeheiratete Onkel an zwei seiner zum Tatzeitpunkt minderjährigen Nichten sexuelle Handlungen ausgeführt? «Wie meist in solchen Fällen gibt es keine objektiven Beweismittel», sagte Gerichtspräsidentin Eve­line Salzmann am Donnerstag bei der Urteilseröffnung. Angeklagt war ein 52-jähriger Mann aus Portugal.

Zwei Nichten hatten ihn Anfang 2017 bei der Polizei angezeigt, weil er sie sexuell motiviert berührt und gestreichelt hatte. Der Vorfall mit der älteren der jungen Frauen fand 2011 oder 2012 statt, als sie noch im Kindesalter war.

Angezeigt hat sie ihn zusammen mit ihrer 15-jährigen Schwester, die der Mann in der Vorweihnachtszeit 2016 unsittlich berührt hatte. Zu entscheiden war, ob die beiden jungen Frauen die Vorfälle eventuell erfunden haben. Die Gerichtspräsidentin beurteilte das Aussageverhalten des Angeklagten und der beiden Klägerinnen.

Aussagen entscheiden

«Jemand, der sagt, er habe nichts gemacht, kann nicht viel mehr sagen, als dass er es nichts gemacht hat», sagte die Richterin bezüglich des Angeklagten. Dennoch: Es habe in seinem Aussageverhalten bei Polizei und Staatsanwaltschaft Auffälligkeiten gegeben.

Der Angeklagte habe oft Rückfragen gestellt. Zudem habe er zuerst gesagt, dass er von den Vorwürfen gegen ihn erst nach der Anzeige erfahren habe. Nachher habe er seine Aussage korrigiert, denn sein Stiefsohn hatte ihn zuvor damit konfrontiert, bevor die Schwestern Anzeige erstatteten. Widersprüchlich seien auch seine Aussagen über den Zeitpunkt gewesen, an dem seine Frau von den Missbrauchsvorwürfen erfahren hat.

Die Aussagen der Klägerinnen dagegen seien immer detailliert und in sich stimmig gewesen, sagte die Richterin. Die ältere der beiden jungen Frauen hätte auch darauf verzichtet, ihn mit schwerwiegenderen Vorwürfen zu belasten. Ein Motiv für eine Falschaussage sah sie nicht. Die beiden jungen ­Frauen wären sich bewusst gewesen, dass ihre Anzeige familienintern zu Schwierigkeiten führen würden.

Kein Landesverweis

Der jüngeren der beiden Frauen sprach die Gerichtspräsidentin eine Genugtuung von 1000 Franken zu, weil der Vorfall – der Onkel hatte sie unter der Bekleidung gestreichelt – zu psychischen Problemen geführt hat.

Bei der älteren verzichtete auf eine Genugtuung, weil der Vorfall weiter zurücklag, anscheinend keine psychischen Probleme nach sich zog und die Berührungen über dem Shirt stattgefunden hatten. Sie sprach eine Geldstrafe von 220 Tagessätzen aus, 44 davon unbedingt als Verbindungsbusse, den Rest bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren.

Während die Staatsanwaltschaft eine Landesverweisung von fünf Jahren beantragt hat, entschied die Gerichtspräsidentin, dass bei der Höhe des ausgesprochenen Strafmasses die Härtefallklausel zur Anwendung kommen könne.

Der Mann lebt und arbeitet seit dreissig Jahren in der Schweiz, seine Familie ist hier und sein Arbeitgeber hat ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt. Sie verzichtete auf die Landesverweisung.

Zu bezahlen hat der Mann die Gerichtskosten und nach seinen finanziellen Möglichkeiten auch die Kosten für seinen amtlichen Verteidiger und die der beiden Frauen, was gut 30'000 Franken ausmacht.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.05.2018, 18:04 Uhr

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