Es gibt kein Zurück

In unserer Serie «Angetroffen» stellen wir heute Simone Benhassi vor. Die Spiezerin lebt seit 44 Jahren in Marokko.

Bruno Petroni

Nein, ein definitives Zurück nach Spiez wird es für sie nie mehr geben. Nach 44 Jahren hat sich Simone Benhassi-Bourquin zu sehr in der westmarokkanischen Küstenstadt Agadir eingelebt. Sie ist selber fast ein bisschen Marokkanerin geworden, was nicht nur am sonnengebräunten kastanienfarbigen Teint zu erkennen ist. Nein, sie versteht auch längst Darija, einen arabischen Dialekt, und auch etwas Berber. «Aber nur, wenn ich will.» Oftmals sei es halt auch schampar gäbig, wenn man die Ohren auf Durchzug schalten und auf Ausländerin machen könne, wenn es die Situation erfordere.

Dabei ist die 67-Jährige alles andere als ein Sprachmuffel, übersetzt sie doch regelmässig für Tourismusorganisationen und Fluggesellschaften Reisekataloge vom Deutschen ins Französische und umgekehrt. Als ehemalige Reise- und Agenturleiterin führt sie nach wie vor abenteuerlustige Touristen aus Europa bis in die hintersten Gebiete Marokkos.

Angefangen hatte alles im Jahr 1975. «Als junge Reisehostess lernte die damalige Simone Bourquin Agadir kennen – und fand in ihrem heutigen Ehemann Hassan, einem Hotelier, die Liebe ihres Lebens. Sie blieb für immer.

Im Oberland bekannt ist die Familie Bourquin vor allem durch die langjährige Pacht des Thuner Hotels Freienhof und später des Bahnhofbuffets Spiez in den Siebziger- und Achtzigerjahren durch Raoul Bourquin, den Vater von Simone.

Einmal pro Woche besucht Simone Benhassi den Souk, den täglichen Markt und gleichzeitig die Lebensader Agadirs. «Da spüre ich immer am besten, dass ich in Marokko lebe. Eine solche Stimmung gibt es nur hier.» Da kauft sie sich zum Beispiel ein direkt am Marktstand von Hand zubereitetes frisches Gläschen Amlou – eine Art marokkanisches Nutella aus Mandeln, Honig und Arganöl.

Was sie an Marokko aber am meisten fasziniert: «Du kannst innerhalb nur weniger Kilometer ganze Jahrhunderte an Kultur durchstreifen. Die Gegensätze zu den modernen Städten und dem Hinterland wie zu biblischen Zeiten be­eindrucken mich auch jetzt nach 44 Jahren immer wieder aufs Neue.»

Ab und zu kommt Simone Benhassi in ihre Heimat an den Thunersee zurück, zur Familie – um mal ihr Bärndütsch wieder anwenden zu können. Wenn sie denn will...

Berner Zeitung

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