Thun

Erst viele Emotionen, dann ein klares Ja

ThunDie Stadt Thun kann das Projekt für die Sanierung der Kunsteisbahn weiterverfolgen: Nach langem Schlagabtausch sagte der Stadtrat am Donnerstag mit 23 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung Ja zu einem 374'000-Franken-Kredit.

<b>Die Kunsteisbahn Grabengut:</b> Der Gemeinderat kann die Sanierung der Anlage weiterplanen.

Die Kunsteisbahn Grabengut: Der Gemeinderat kann die Sanierung der Anlage weiterplanen. Bild: Patric Spahni

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Showdown im Sportzentrum Grabengut am Mittwoch auf dem Eis: Der EHC Thun verliert sein Cupspiel gegen das höherklassige Olten trotz engagierter Leistung 3:6. Showdown um das Sportzentrum Grabengut nicht einmal 24 Stunden später neben dem Eis: Der Stadtrat debattiert im Rathaus über die Zukunft der Kunsteisbahn. Drei Varianten für eine Sanierung der Anlage hat der Gemeinderat in petto.

Er bevorzugt Variante 1, bei der das Hauptgebäude zu einer geschlossenen Halle wird, wobei das bestehende Dach erhalten bleibt – Kostenpunkt 21 Millionen Franken. Aufgrund eines entsprechenden Vorstosses wurde auch noch eine Minimalvariante errechnet, bei der mehr oder weniger der Status quo erhalten bleibt – Kostenpunkt 3,6 Millionen.

An diesem Abend geht es vordergründig um viel weniger Geld: nämlich um 374'000 Franken für die weitere Projektierung der Variante 1. Aber eigentlich geht es doch um viel mehr. Nämlich um die Grundsatzfrage, ob der Standort Grabengut für die Eisbahn der richtige ist.

Eindrückliche Kulisse

Wie auf dem Eis beim EHC Thun ist das Engagement der Beteiligten gross – und dies vor eindrücklicher Zuschauerkulisse: Viele sind im Hockeyshirt oder im ­Eiskunstläuferinnen-Kostüm erschienen. Sie hören, wie sich gleich zwei Gemeinderäte ins Zeug legen. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Variante 1 zu verfolgen», betont Sportvorsteher Roman Gimmel (SVP).

Alle anderen Varianten wären im Endeffekt teurer, führt er aus. Und er verspricht bei einem Ja: «Aus dem hässlichen Patchworkareal wird endlich ein aufgeräumtes Eissportzentrum.» Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) verweist nochmals auf die Kosten, die für einen Neubau – etwa in Thun-Süd – anfallen würden, laut Berechnung einer spezialisierten Firma rund 45 Millionen. Zur Möglichkeit eines Sportclusters mit mehreren Sportstätten in Thun-Süd sagt er: «Aus unserer Sicht steht und fällt diese Vision nicht mit dem heutigen Entscheid.»

Viele «Spatzenprojekte»

Das sehen im Stadtrat nicht alle so: «Der Sportcluster würde nicht mehr realisiert», ist Mark van Wijk (FDP) überzeugt. Er nimmt das Sprichwort «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach» auf und findet: «Die Projektlandschaft in Thun ist gepflastert mit Spatzenprojekten.» Wenn Thun weitergebracht werden solle, müsse zwischendurch etwas Grosses angepackt werden.

Ähnlich äussert sich Philipp De­riaz (SVP): «Machen wir etwas Mutiges für Thun!» Zumal sich die Stadt am Standort Grabengut mit der Sanierung der Eisbahn «praktisch alles verbaut», obwohl dort eine grosse Wertschöpfung möglich wäre.

«Wir verfügen nicht über alle Entscheidungsgrundlagen», sagt Deriaz’ Parteikollege Reto Schertenleib mit Verweis auf ein noch hängiges Postulat mit Fragen zum Sportcluster Thun-Süd. Deshalb stellt die SVP einen Rückweisungsantrag.

«Spatz ist, was wir brauchen»

Ausser bei der FDP stösst die SVP damit auf wenig Gegenliebe. Thomas Hiltpold (Grüne) nimmt die zuvor in ein schlechtes Licht gerückte Vogelart in Schutz: «Mich stört es, wie auf den Spatz geschossen wird. Der Spatz ist genau das, was wir brauchen.» Sein Parteikollege Roman Gugger kritisiert zwar die Tatsache, dass bisher keine Nutzung der Abwärme vorgesehen ist, als «verheerend» – betont aber: «Die Standortfrage ist gelaufen.»

Was auch Simon Werren (BDP) so sieht: «Ein Neubau wäre eine Option, doch der Zeitpunkt, um diese Frage zu stellen, ist nicht mehr der richtige.» Für Franz Schori (SP) bleibt der Sportcluster als Ziel bestehen, wobei es «noch einige Projekte gibt, die besser geeignet sind». Zudem gehe es auch um die Attraktivität der Innenstadt, die durch die Kunsteisbahn gestärkt werde.

Jonas Baumann (Fraktion der Mitte) sieht «keinen Weg, dass in Thun-Süd irgendwann mal ein Eissportzentrum realisiert werden kann». Und auch bei der SVP sind die Reihen nicht geschlossen: Zwei Vertreter sche­ren aus. Neu-SVP-Mitglied Peter ­Aegerter ist einer von ihnen, fordert aber Regierung und Verwaltung auf, darauf hinzuarbeiten, dass Variante 1 am Ende eher 17 oder 18 als 21 Millionen kostet.

Letzte Standortdiskussion?

Beinahe zwei Stunden lang wogt die Diskussion hin und her, bis Roman Gimmel den finalen Wunsch äussert, «dass wir zum letzten Mal über den Standort diskutiert haben». Schliesslich wird der Rückweisungsantrag der SVP mit 23 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt und der Kredit mit dem gleichen Stimmenverhältnis angenommen.

Die Freude bei den Eissportlern im Saal ist gross. Bis 2020 soll nun die Überbauungsordnung ausgearbeitet und die Projektierung durchgeführt werden. Ob über den Baukredit der Stadtrat oder das Stimmvolk befinden wird, ist noch nicht klar. Im Idealfall sollen die grossen und kleinen Eissportler aber in der Saison 2022/2023 im sanierten Eissportzentrum einlaufen können. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.09.2018, 10:22 Uhr

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