Thun

Eissportvereine wollen nicht weiter in «Fred-Feuerstein-Halle» trainieren

Thun Die Stadtregierung will die Kunsteisbahn Grabengut sanieren. Voraussichtlich am 20. September entscheidet das Parlament über den Projektierungskredit. Ein Wörtchen mitreden wollen auch die Eissportvereine.

Gemeinsamer Einsatz für die Eisbahn Grabengut: CVP-Stadtrat Alois Studerus (links) und EHC-Thun-Sportchef Alex Reymondin.

Gemeinsamer Einsatz für die Eisbahn Grabengut: CVP-Stadtrat Alois Studerus (links) und EHC-Thun-Sportchef Alex Reymondin. Bild: Patric Spahni

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie sprechen Klartext: «Wir ­wollen nicht weiter in einer «Fred-Feuerstein-Halle» trainieren. Wir wollen die Sanierung im Grabengut jetzt», halten die vereinten Thuner Eissportvereine in einem Argumentarium fest. Zwar entstammt die Kunsteisbahn Grabengut nicht gerade prähistorischen Zeiten wie die berühmte Comicfigur.

Doch der Sanierungsbedarf ist gross – da sind sich die verschiedenen Nutzervereine einig. Der Gemeinderat seinerseits hat sich gegen einen Alternativstandort für die Eisbahn ausgesprochen und im ­Februar das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für den ­Umbau und die Sanierung im Grabengut vorgestellt (vgl. Kasten).

Alex Reymondin, Vizepräsident und Sportchef des EHC Thun, betont im Gespräch mit dieser Zeitung vor Ort: «Die Anlage so belassen wie sie ist, geht nicht.» Als Thuner schäme er sich fast, fügt er mit einem Blick in die Runde an. Und weist darauf hin, dass nach dem ursprünglichen, 2011 von der Stadtregierung kommunizierten Fahrplan in diesen Tagen die Eröffnung der sanierten Eishalle hätte stattfinden sollen.

Bekanntlich kams anders. Doch nun entscheidet der Thuner Stadtrat voraussichtlich am 20. September über den Projektierungskredit für die Sanierung.

55 000 pro Jahr in der Halle

«Wir wollen aufzeigen, dass die Eissportvereine hinter dem Projekt stehen», erklärt Alois Studerus, CVP-Stadtrat und ehemaliges Vorstandsmitglied des EHC Thun. Reymondin und Studerus repräsentieren die neu gegründete Interessengemeinschaft (IG) Eissportzentrum Grabengut.

Angeschlossen sind nebst dem EHC Thun und der Nachwuchsorganisation HC Dragon Thun auch der HC Lerchenfeld, der NLA-Frauen-Eishockey-Verein EV Bomo, der Curling Club CC Thun, der Eislauf-Club Thun und der Bowls Club Thun – der einzige «eislose» Verein, der aber ebenfalls in der Curlinghalle im Grabengut trainiert. Die IG lädt demnächst sämtliche Stadträte ins Grabengut ein, um ihnen ihre Argumente zu vermitteln.

«55 000 Personen besuchen jährlich die Eisbahn. Es geht nicht nur um den Spitzensport – die Kunsteisbahn ist vor allem auch eine Anlage für den Breitensport», sagt Studerus. Und Reymondin fügt an: «Hier sind alle zu Hause, von den Jüngsten bis zu den Ältesten.»

Für die IG ist klar: Wird das Projekt jetzt nicht umgesetzt, vergehen wieder sehr viele Jahre, in denen sich nichts tut. Dementsprechend gross sei die Skepsis zu einem sogenannten Sportcluster in Thun-Süd. Diesen hat zuletzt die damalige SVP/FDP-Fraktion an der Stadtratssitzung vom 5. Juli wieder ins Spiel gebracht.

Sie forderte in einem Postulat eine «gründliche und umfassende Prüfung und Diskussion» einer solchen Zusammenlegung und Konzentration mehrerer Sportanlagen. Die SVP- und FDP-Stadträte sehen gemäss Vorstoss «immense Vorteile»: So könnten Synergien genützt werden, und der Sportcluster erlaube eine zukunftsträchtige Stadtentwicklung sowohl in Thun-Süd wie auf den frei werdenden Arealen im übrigen Stadtgebiet.

Gerade im Hinblick auf das Kreditgeschäft für die Eisbahn Grabengut sei es zwingend, eine vertiefte Diskussion darüber zu führen, ob die Vision eines Sportclusters weiterverfolgt oder allenfalls beerdigt werden soll. Letzteres wäre für die Postulanten die logische Folge eines Ja zum Projektierungskredit für das Grabengut.

«Ein Sportcluster in Thun-Süd wäre keine Alternative, rein vom Zeit­horizont her.»

Alois Studerus, Vertreter der IG Eissportzentrum Grabengut

Neubau «doppelt so teuer»

Für Alois Studerus ist derweil klar, dass ein Neubau «doppelt so viel oder noch mehr» kosten würde als die Gesamtsanierung im Grabengut. Bei dieser wurden die Kosten im Februar auf 18,9 bis 25,67 Millionen Franken geschätzt – je nachdem, welche Module realisiert würden.

Alex Reymondin weist zudem auf die bereits getätigten Investitionen im Grabengut hin – etwa die 2 Millionen Franken für eine neue Eisaufbereitung oder die Ausgaben für den Architekturwettbewerb –, die bei einem Neubau an einem anderen Standort abgeschrieben werden müssten. Studerus ist überzeugt: «Ein Sportcluster wäre keine Alternative, rein vom Zeithorizont her.

Die Planung für eine Eishalle würde von vorne ­beginnen.» Werde das Grabengut-Projekt weiterverfolgt und schliesslich auch vom Stimmvolk abgesegnet, könne die Sanierung im besten Fall 2022 abgeschlossen werden. Dann wäre die «Fred-Feuerstein-Halle» definitiv Geschichte. (Michael Gurtner)

Erstellt: 21.08.2018, 09:26 Uhr

Vorgeschichte

Seit 1959 steht die Kunsteisbahn im Grabengut. In dieser Zeit wurde sie diverse Male erweitert, erhielt 1994 ein Dach und 2014 eine neue Eiserzeugungsanlage. Zwei Jahre zuvor hatte der Gemeinderat einen Neubau an einem anderen Standort abgelehnt. Seit 2015 betreibt die Stadt sowohl die Kunsteisbahn wie auch die Curlinghalle selber.

2016 genehmigte der Stadtrat einen Kredit für den Architekturwettbewerb für die Gesamtsanierung der Kunsteisbahn. Im Februar 2018 wurde das Siegerprojekt vorgestellt: Es heisst «Polo», stammt vom Luzerner Architekturbüro Marques und sieht vor, dass das heutige Dach erhalten bleibt.

Zudem sind vier Module vorgesehen, die unabhängig voneinander realisiert werden können. Das Grundmodul umfasst, dass aus dem Haupteisfeld eine geschlossene Halle wird und Garderoben und Betriebsgebäude neu gebaut werden. Geschätzte Kosten: 18,9 Millionen Franken. Werden auch die weiteren Module realisiert, steigen die Gesamtkosten auf 25,67 Millionen.

Artikel zum Thema

Migros verzichtet auf Provisorium bei der Eisbahn

Thun Die Migros baut die Filiale im Bälliz um. Ab Juni bleibt der Laden gut einen Monat geschlossen. Auf das geplante Provisorium im Grabengut verzichtet die Migros. Mehr...

Die Zukunft beginnt heute

Thun Am Freitag springen die ­Uhren in der Eishalle Grabengut um 982 Jahre vorwärts: Der Swatch Rocket Air 3000 beginnt. Die Eishalle ist schon heute auf Zukunft getrimmt. Mehr...

Das Dach der Eisbahn bleibt erhalten

Thun Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gesamtsanierung der Eissportanlagen im Grabengut: Der Sieger des Architekturwettbewerbs ist bestimmt. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Bern & so Irrfahrt

Von Kopf bis Fuss Die Top 9 der probiotischen Produkte

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...