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Ein nur fast furioses Kinojahr

Das Kinojahr in Thun war durchzogen – und von einem Spätsommerloch sowie einem starken Endspurt geprägt. Insgesamt war «Fast & Furious 8» der erfolgreichste Film. Kinobetreiber Alain Marti will jetzt an den Preisen schrauben.

Action pur: «Fast & Furious 8» war 2018 in den Thuner Kinos der meistgesehene Film.
Action pur: «Fast & Furious 8» war 2018 in den Thuner Kinos der meistgesehene Film.
zvg

Wenn die Sternenkrieger durch das Universum jagen, dann leuchten nicht nur die Augen der «Star Wars»-Fans. Sondern auch diejenigen der Kinobesitzer. Und so hat der neuste Teil der Weltraumsaga einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass Alain Marti einigermassen zufrieden auf das Kinojahr 2017 zurückschaut. Zwar seien die hohen Erwartungen nicht erfüllt worden, sagt der Betreiber der beiden Thuner Kinos Rex und Lauitor.

«Aber gerade in der Altjahrs­woche hatten wir einige sehr ­starke Tage.» Dies aufgrund des schlechten Wetters. Und eben dank «Star Wars», der zwar «nur» auf Rang 8 der Thuner Kinojahrescharts aufscheint, allerdings auch erst Mitte Dezember anlief. An der Spitze thront das Actionspektakel «Fast & Furious 8» mit knapp 8000 Eintritten.

Zum Vergleich: 2016 war «Heidi» mit 8097 Eintritten der erfolgreichste Film. Dank dem Jahresendspurt konnte die Gesamtzahl des Vorjahres aber noch um 1640 Eintritte getoppt werden: Insgesamt sahen 199 272 Leute die 7118 Vorstellungen der 309 gezeigten Filme. Davon liefen 93 in Originalversion.

Spätsommerloch

Mehr Kinogängerinnen und Kinogänger als im Vorjahr bedeuten automatisch mehr Umsatz, sollte man meinen. Doch Alain Marti winkt ab. «Beim Umsatz müssen wir ein Minus gegenüber 2016 hinnehmen.» Die Gründe: Weniger teurere 3-D-Eintritte, immer mehr Cinemember, die von vergünstigten Preisen profitieren, und eine Klientel, die etwas weniger konsumfreudig war.

So steht einem Besucherplus von 0,83 Prozent ein Umsatzminus von 3,4 Prozent gegenüber. Ein Loch in die Kassen riss laut dem Kinobetreiber die Zeit zwischen August und Mitte Oktober: «Da litt die gesamte Branche wegen schwacher Filme und des schönen Spätsommerwetters.»

Neue Preismodelle im Test

Zu einem Problem entwickelt sich laut Alain Marti die ungleiche Auslastung der Säle: «Am Wochenende platzen wir regelmässig aus allen Nähten, könnten locker noch zwei oder drei Kinosäle mehr gebrauchen. Von Montag bis Donnerstag hätten wir lieber vier Säle weniger.»

Mittlerweile konzentrierten sich fast 85 Prozent der Kinoeintritte auf Samstagabend und Sonntagnachmittag. «Um diese Spitzen etwas zu brechen und die Vorstellungen unter der Woche zu pushen, werden wir 2018 neue Preismodelle testen», führt Marti aus.

Genaue Angaben kann er nicht machen, da noch Verhandlungen mit Filmverleihern laufen – einführen möchte er die neuen Modelle aber möglichst schon Ende Januar oder Anfang Februar. Und etwas verrät Marti dann doch noch: «Es wird die grösste Anpassung der Kinoeintrittspreise in den letzten 15 Jahren sein.»

Weniger Kino, mehr Umsatz

Doch für Alain Marti beinhaltet das Kinobusiness längst viel mehr, als «nur» Filme zu zeigen. Events im und rund ums Kino tragen einen wesentlichen Teil an den Umsatz bei. Das sind etwa Businessveranstaltungen, aber auch das im September neu eingeführte Konzept «Rent your Cinema»: Jeweils am Mittwoch werden im kleinsten Rex-Saal keine Kinovorstellungen mehr angeboten.

Dafür kann der Saal stundenweise gemietet werden, etwa zum Gamen. Die Zeitblöcke können über das Internet oder spontan an der Kasse gebucht werden. «Im Prinzip wie beim Tennisplatz», sagt Marti. Zwar verringern sich dadurch die Anzahl Vorstellungen und Kinoeintritte. Doch: «Wir generieren bereits regelmässig mehr Umsatz als mit herkömmlichen Vorstellungen.»

Als Highlight bezeichnet der Kinobesitzer die Liveübertragung der Superbowl im Februar: 160 Personen sahen sich mitten in der Nacht das Sportspektakel an. Kein Wunder, wird der Event dieses Jahr sogar noch ausgebaut.

Spiele der Fussball-WM werden im Kino Rex ebenfalls zu sehen sein, bei freiem Eintritt. Zugelegt haben laut Marti aber auch Filmspezialangebote wie das Seniorenkino Cinedolcevita: Im Schnitt über 140 Personen besuchten die monatlichen Vorstellungen.

Die Konkurrenz wächst

Für das soeben angelaufene Kinojahr 2018 zeigt sich Alain Marti zuversichtlich – er weist aber auf die Eröffnung des neuen Multiplexkinos in Muri im Frühling hin. Denn: «Nach wie vor begrüssen wir regelmässig viele Berner bei uns im Kino Rex.»

Ob das so bleibe, werde sich weisen müssen. Zudem seien die Baustellen in der Innenstadt in diesem Sommer im Betrieb «sehr deutlich» zu spüren gewesen – und bekanntlich stehen dieses Jahr weitere Strassenbaustellen an.

Was die Filme angeht, jagen vorläufig die Sternenkrieger auch im Jahr 2018 munter weiter durchs Universum und über die Kinoleinwände. Weitere Blockbuster stehen zudem in den ­Startlöchern – Alain Marti erwähnt etwa die neuen Folgen von «Fifty Shades of Grey», «Tomb Raider», «The Avengers», «Jurassic World» oder «Mission Impos­sible».

Ein Wermutstropfen ist für ihn, dass das neuste James-Bond-Abenteuer auf 2019 verschoben wurde. Zur Erinnerung: Der letzte Bond-Streifen «Spectre» lockte 2015 allein in Thun 19'222 Leute vor die Leinwände. Da können selbst die Sternenkrieger ihre Lichtschwerter einpacken...

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