Ein früher gern gesehener und heute gern gehörter Gast

Interlaken

Seinen Konzertzyklus in Interlaken widmet der Organist Helmut Freitag dem Komponisten Felix Mendelssohn.

Helmut Freitag an der Orgel der Schlosskirche. Foto: Orith Tempelmann

Helmut Freitag an der Orgel der Schlosskirche. Foto: Orith Tempelmann

Wie am Freitag zuvor, beim ersten Teil des Mendelssohn-Zy­klus, waren auch am Dienstag die Bänke der Interlakner Schlosskirche gut besetzt. Mendelssohn war schliesslich früher ein gern gesehener und heute ein immer wieder gern gehörter Gast auf dem Bödeli und Umgebung.

Der vor genau 172 Jahren verstorbene Komponist weilte viermal ferienhalber in Interlaken, erstmals 1822. Schon zwei Jahre vorher hatte der elfjährige Knirps das Präludium in d-Moll geschrieben, mit dem Helmut Freitag sein zweites Konzert eröffnete. Ein Werk, das der jugendliche Komponist selbst in der Öffentlichkeit gespielt haben dürfte, im Gegensatz zu den sechs Orgelsonaten op. 65, die zwei Jahre vor seinem Tod ver­öffentlicht wurden und damals zu den bedeutendsten Orgel­werken seit Bachs Tod galten.

Die Sonate Nr. 3 in A-Dur beginnt mit einem «Con moto maestoso» wahrlich dramatisch und schliesst mit einem tröstenden Andante tranquillo – zwei Teile, die kontrastreicher nicht sein könnten. Durch seine Registerwahl unterstrich Helmut Freitag den unterschiedlichen Charakter zusätzlich und betonte vor allem auch den Trost spendenden Aspekt des langsameren Satzes.

Der Organist scheute sich nicht, auch solche Register zu verwenden, die es zu Mendelssohns Zeit noch nicht gab, stehen sie doch erst in modernen Orgeln zur Verfügung. «Hätte Mendelssohn sie gekannt, hätte er sie bestimmt verwendet», ist Helmut Freitag überzeugt.

Nach Präludium und Fuge in G-Dur op. 37, einem Präludium in c-Moll und einem Trio in F-Dur spielte Freitag Mendelssohns Ostinato in c-Moll, ein weiteres Stück, das der Kom­ponist im frühjugendlichen Alter schrieb. Nicht nur die Tonart, sondern auch die Machart dieses Stückes erinnern an Bachs Passacaglia und zeigen, dass Mendelssohn schon als Kind ein Bewunderer von Bach war. Seine spätere Aufführung von dessen Matthäus-Passion wurde zum Auftakt eines grossen Bach-Revivals.

Am Schluss des zweiten Teils des Mendelssohn-Zyklus stand die 4. Sonate in B-Dur – eine Komposition, die sich stark von ihrer Vorgängerin unterscheidet und anstelle von zwei relativ langen Sätzen deren vier kurze enthält. Dank der facettenreichen Interpretation von Helmut Freitag hätten im Programmblatt die Satzbezeichnungen Allegro con brio, Andante religioso, Allegretto und Allegro maestoso sogar weggelassen werden können, erkannte man doch problemlos den brillanten, den religiös verzückten, den fröhlichen und den majestätischen Charakter der vier Sätze. Helmut Freitag bedankte sich für den warmen Applaus mit der Zugabe einer kleinen Fughetta in A-Dur aus dem Jahre 1842.

Freitag, 8. November, findet der dritte und letzte Teil des Mendelssohn-Zyklus statt.

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