In Bönigen wurde ein antiker Schatz gerettet

Bönigen

Lange Jahre lagerte ein vergessener Schatz auf dem Estrich des Alten Schulhauses: Das Uhrwerk der historischen Turmuhr von 1926. Dank Burgergemeinde und Heimatverein läuft die Uhr nun wieder.

Dieser nostalgische Schatz schlummerte jahrelang auf dem Dachboden: Das antike Uhrwerk der Turmuhr, bevor sie restauriert wurde.

Dieser nostalgische Schatz schlummerte jahrelang auf dem Dachboden: Das antike Uhrwerk der Turmuhr, bevor sie restauriert wurde.

(Bild: Monika Hartig)

«Das ist eine gute Sache. Viele, die heute hier sind, haben bei diesem Dorfprojekt Geld gesprochen», sagte Burgerpräsident Heinz Seiler. Am Mittwoch fand auf dem Estrich des Alten Schulhauses in Bönigen die Besichtung des neuen Uhrwerks der historischen Turmuhr von 1926 statt. Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner liessen sich von Thomas Muff, CEO der Muff Kirchturmtechnik AG in Triengen LU, vor Ort das Funktionieren des reparierten und ergänzten Uhrwerks erklären.

Die Turmuhr in der Alten Schule Bönigen. (Bild: Monika Hartig)

Ab 1926 zeigte die von der Firma Jakob Gottlieb Baer in Sumiswald erbaute Turmuhr den Einwohnern von Bönigen die Zeit. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang schlugen die drei Glocken vom Schulhausdach jede Viertelstunde und den Schulkindern zur Pause. Ein Blitzschlag soll die Uhr zum Verstummen gebracht haben. Da die Böniger von da an die Zeit von ihrer Kirchturmuhr ablesen konnten, geriet die Schulturmuhr in Vergessenheit.

Burgergemeinde übernahm

Im Zuge der Sanierung und des Neubaus der Schulanlage Bönigen erinnerte man sich wieder an die Uhr. Unabhängige Fachleute empfahlen eine Revision des nostalgischen Schatzes. Doch hatte dies aufgrund der hohen Kosten und der angespannten Finanzlage keine Priorität für die Einwohnergemeinde. Mit einem Spendenaufruf für das Dorfprojekt übernahm die Burgergemeinde Bönigen das Ruder, unterstützt vom Heimatverein. An die Reparaturkosten von rund 48'500 Franken trugen die Burgergemeinde 10'000 und die kantonale Denkmalpflege 9'600 Franken bei, den Rest Firmen und Private.

Uhrmacher Thomas Muff von der Firma Muff Kirchturmtechnik AG. (Bild: Monika Hartig)

Anhand von Dias zeigte Thomas Muff im Singsaal der neuen Schule die Reparatur des über 100 Jahre alten Uhrwerks. Dieses war völlig verstaubt und musste in Einzelteile zerlegt werden. Muff: «Es braucht viel Erfahrung, um alles wieder richtig zusammenzusetzen.» Die Vorgabe war, dass der Eingriff ins historische Uhrwerk dezent sein musste, der Charakter der Uhr nicht verändert werden und die Wirkungsweise nicht verloren gehen durfte. Die Funktion sollte ohne grossen Aufwand durch einen Hauswart erfolgen können. Die erfahrenen Uhrmacher und Mechaniker der Firma Muff, die schweizweit 2'500 solcher Anlagen wartet, vollbrachten das Meisterwerk.

«Eine Uhr für Jahrhunderte»

Die vielen Zahnräder des grobmechanischen Uhrwerks wurden gereinigt, geölt, die Lagerstellen poliert. Nun lagert das Werk staubgeschützt in einer Vitrine. Die Uhrmacher zogen neue Drahtseile über die alten Umlenkrollen, an denen die Gewichte hängen und bauten einen Schaltkasten für die Steuerung ein. «Diese Uhr ist gebaut für Hunderte von Jahren. Ein Tropfen synthetisches Öl ab und zu genügt für den reibungslosen Gang», zeigt sich Thomas Muff überzeugt. Einige Einwohner stellten bei der Präsentation rege Fragen zur Funktion der neuen alten Uhr.

«Klang gehört zum Dorf»

Nun ist die Turmuhr wieder in der Obhut der Einwohnergemeinde Bönigen. Muff: «Jedes Schulkind wird sich den Glockenklang der Turmuhr einprägen. Bald gehört der Klang wieder zum Dorfbild von Bönigen.»

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