Thun/Oberland

Dorfkirche statt Konzertsaal

Thun/OberlandAm Wochenende gibt die Sinfonietta Mosaique ihre Debütkonzerte. Das neue Berner Oberländer Ensemble strebt keine Auftritte in Konzertsälen an, sondern will in kleinen Dorfkirchen spielen.

Die neu gegründete Sinfonietta Mosaique Thun rund um Dirigent Georgios Balatsinos (Mitte) und  Konzertmeister Niklaus Vogel (rechts) probt für die Kick-off-Konzerte.

Die neu gegründete Sinfonietta Mosaique Thun rund um Dirigent Georgios Balatsinos (Mitte) und Konzertmeister Niklaus Vogel (rechts) probt für die Kick-off-Konzerte. Bild: Marc Imboden

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Je hochklassiger ein Orchester, desto grösser die Städte und Konzertsäle, in denen es auftritt, so die weit verbreitete Meinung. Nur zu gern schmücken sich Ensembles mit den Namen bekannter Konzertlokalitäten, und diese vergrössern ihr Renommee wiederum mit den berühmten Orchestern, die bei ihnen gastieren.

Georgios Balatsinos findet das schade. Der aus Griechenland stammende Wahl-Thuner ist der Überzeugung, dass die Leute nicht in ein Zentrum pilgern müssen sollten, um ein tolles Orchesterkonzert zu erleben. «Musik sollte dort stattfinden, wo die Menschen sind», erklärt der international erfolgreiche Dirigent im Gespräch mit dieser ­Zeitung.

Zusammen mit dem Geiger und Filmmusikkomponisten Niklaus Vogel hat Balatsinos deshalb die Sinfonietta Mosaique ins Leben gerufen. «Wir vereinen junge und etablierte lokale Berufsmusiker und Musikstudenten in wechselnden Formationen», so Balatsinos. Die flexible Besetzung ermögliche eine Anpassung an die verschiedensten Lokalitäten und zudem eine abwechslungsreiche Programmwahl.

Das professionelle Kammerorchester will ab sofort mit jährlich drei bis vier Konzertprogrammen an dezentralen Orten in der Region Thun, im Berner Oberland und im Emmental auftreten. «Unser Ziel ist, dass alle Leute an unseren Konzerten teilnehmen können – gerade auch Ältere, Kranke, Familien und Jugendliche», führt Vogel aus. Niemand solle wegen eines zu weiten Anreisewegs oder eines zu hohen Eintrittspreises von einem Konzertbesuch abgehalten werden. Der Eintritt zu den Kick-off-Konzerten der Sinfonietta Mosaique am kommenden Wochenende in den Kirchen in Hilterfingen und Saanen ist denn auch frei.

Bekannte Unterstützer

Für das Debütprojekt konnte das neue Berner Oberländer Orchester Alexandre Dubach als Solisten gewinnen. Der Thuner Geigenvirtuose wird mit der Sinfonietta Mosaique den berühmten «Vier Jahreszeiten»-Zyklus von Antonio Vivaldi (1678–1741), gespickt mit Auszügen aus der Fassung des Argentiniers Astor Piazzolla (1921–1992), aufführen.

Ausserdem wird es mit dem Stück Reflexiones von Niklaus Vogel sogar eine kleine Uraufführung zu hören geben. Solche Verbindungen gehören zum Konzept. «Durch die Kombination eingängiger und bekannter Werke mit zeit­genössischer Musik können wir unserem Publikum ein spannendes und gleichzeitig ansprechendes Programm bieten», so der künstlerische Leiter Georgios Balatsinos.

Auch die Zusammenarbeit mit renommierten Instrumentalisten und Komponisten sowie aufstrebenden Nachwuchstalenten aus der Region sei ein Kernanliegen der Sinfonietta Mosaique. Den Musikern solle damit zum einen eine Auftrittsmöglichkeit geboten werden, zum anderen gehe es aber auch darum, den Austausch zwischen den Künstlern anzuregen und so die regionale Kunstszene zu stärken.

Die Initiative von Balatsinos und Vogel wird von mehreren Exponenten des Thuner Musiklebens unterstützt. So steht dem neu gegründeten Verein Sinfo­nietta Mosaique der ehemalige langjährige Leiter der Musikschule Thun und Veranstalter der Schlosskonzerte Spiez, Ruedi Bernet, als Präsident vor. «Mir gefällt der Ansatz von Mosaique, Orchestermusik auf hohem Niveau aufs Land zu bringen», sagt Bernet. In der Region gebe es bis anhin kein festes professionelles Orchester, sodass die Sinfonietta Mosaique einem echten Bedürfnis nachkomme.

Bereits im Januar und Februar 2018 stehen die nächsten Konzerte an – die genauen Daten und Orte sind momentan in Abklärung. Noch plant das junge Orchester von Projekt zu Projekt. Ruedi Bernet hofft aber, mit den anstehenden Konzerten auch das Interesse von potenziellen Geldgebern zu wecken, damit sich das Orchester bald auf ein festes finanzielles Fundament stützen kann und somit grössere Planungssicherheit erhält.

Die Debütkonzerteder Sinfonietta Mosaique: Samstag, 21. Oktober, 20 Uhr, Kirche Hilterfingen. Sonntag, 22. Oktober, 17 Uhr, Kirche Saanen. Gespielt werden Werke von ­Vivaldi, Piazzolla, Grieg und N. Vogel. Eintritt frei, Kollekte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.10.2017, 14:39 Uhr

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