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Diese Enten halten den Garten von Schnecken frei

Weil Schnecken immer mal wieder das Gemüse anfrassen, schaffte sich die Gartenbauschule Hünibach vor Jahren Enten an. Sie verspeisen die kleinen Weichtiere. Die Methode hat sich bestens bewährt.

Christian Mathys, Bereichsleiter Stauden bei der Gartenbauschule Hünibach, füttert die drei Entenweibchen  und das -männchen. Die Tiere leben derzeit – wegen der Vogelgrippe – in einem speziellen, abgetrennten  Aussengehege der Gartenbauschule.
Christian Mathys, Bereichsleiter Stauden bei der Gartenbauschule Hünibach, füttert die drei Entenweibchen und das -männchen. Die Tiere leben derzeit – wegen der Vogelgrippe – in einem speziellen, abgetrennten Aussengehege der Gartenbauschule.
Patric Spahni
Diesem Weibchen muss – wegen einer Verletzung am Hals – beim Schlucken nachgeholfen werden.
Diesem Weibchen muss – wegen einer Verletzung am Hals – beim Schlucken nachgeholfen werden.
Patric Spahni
Trotz Vogelgrippe liegt ein kurzer Ausgang beim Besuch dieser Zeitung drin. Ungläubig schaut ein Entenweibchen dabei in den trockengelegten Brunnen in der Aussenanlage der Gartenbauschule.
Trotz Vogelgrippe liegt ein kurzer Ausgang beim Besuch dieser Zeitung drin. Ungläubig schaut ein Entenweibchen dabei in den trockengelegten Brunnen in der Aussenanlage der Gartenbauschule.
Patric Spahni
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Welcher Hobbygärtner kennt das nicht? Im Sommer spriesst allmählich das ausgesäte Gemüse, die jungen Triebe nehmen Form an, doch plötzlich – nach einer verregneten Nacht – sind überall im Garten ange­fressene Pflanzen und Schleimspuren anzutreffen. Schnecken sind zwar wichtig für das natür­liche Gleichgewicht (vgl. auch Kasten «Schnecken im Garten»), können aber auch ein Ärgernis sein. Leidgeprüft war vor rund zwanzig Jahren auch die Gartenbauschule Hünibach (GSH). «Die Schnecken waren ein Riesenproblem bei uns», erinnert sich der heutige Bereichsleiter Stauden, Christian Mathys, der seine Tätigkeit bei der GSH zu jener Zeit gerade erst aufgenommen hatte.

Eine Gruppe von Mitarbeitern hatte von der Methode gehört, den Schnecken mit Enten zu Leibe zu rücken. Innert kurzer Zeit standen die ersten Wasservögel in Hünibach im Einsatz. «Das Ganze war jedoch schlecht vor­bereitet. Schon nach wenigen Tagen holte der Marder die Enten. Uns blieb nur der Frust», sagt Mathys. Er warf die Flinte aber nicht ins Korn, informierte sich eingehender und startete einen zweiten Versuch – diesmal mit deutlich mehr Erfolg.

Marder sorgen für Gefahr

Heutzutage sind die Enten aus dem Alltag der Gartenbauschule nicht mehr wegzudenken; die Lernenden reissen sich um das «Ämtli», die Tiere zu füttern und zu pflegen. Was das Verspeisen der Schnecken anbelangt, sind die Enten selbstständig: In der Schneckenhochsaison zirkulieren sie frei auf dem Gelände und verköstigen sich nach Lust und Laune. Christian Mathys möchte die zweibeinigen Schneckenvernichter nicht mehr missen: «Das Schneckenproblem ist Geschichte. Die Methode mit den Enten hat sich bewährt und funktioniert seit zwanzig Jahren.» Zwar gebe es nach wie vor Marder- oder auch Fuchsattacken, aber mit einem sicheren Gehege lasse sich das grösste Unheil abwenden.

«Das Schneckenproblem ist Geschichte.»

Christian Mathys

Aktuell verfügt die GSH über vier Laufenten – drei Weibchen sowie ein Männchen. Die Zahl schwankt in der Regel zwischen drei und sechs. Die Verantwortlichen beschaffen sich die Wasservögel aus der ganzen Schweiz. Teilweise werden sie durch In­serate in Tiervermittlungsmagazinen auf Jungtiere aufmerksam, teilweise auch durch Mundpropaganda. In jedem Fall handelt es sich jedoch um gezüchtete Tiere. «Laufenten sind eine Kreuzung aus Stockenten und einer asiatischen Rasse», so Mathys. Im Gegensatz zu den Enten, wie sie etwa auf dem Thunersee zu sehen sind, haben Laufenten einen aufrechteren Gang, sind nur bedingt flugfähig und in freier Wildbahn nicht anzutreffen. «Im Gegensatz zu anderen Rassen sind sie leicht anfälliger für Krankheiten. Jetzt im Winter beispielsweise neigen sie wegen der Kälte eher zu rheumatischen Beschwerden», erklärt Mathys. Im Grossen und Ganzen seien sie aber durchaus robust.

Haltung bedingt einige Regeln

Mit dem Angebot «Rent en Ent» von Züchterin Pia Oechslin (vgl. Kasten «Angebot ‹Rent en Ent›»), die Laufenten vermietet, besteht auch für Private die Möglichkeit, auf den Dienst der biologischen Schneckenvernichtung zurückzugreifen. Bei der Gartenbauschule Hünibach ist eine Vermietung der Tiere indes keine Option. «Logistisch wäre der Aufwand für uns zu gross», hält Christian Ma­thys fest. Wer sich für die Methode interessiert, dem gibt er ein paar nützliche Tipps mit auf den Weg: Als Nachtlager müsse den Enten ein trockener, marder­sicherer Stall zur Verfügung gestellt werden; zudem bräuchten die Tiere einen gewissen Auslauf. Damit die Enten nicht plötzlich selber Pflanzen anknabbern, die sie nicht sollten, müssen die entsprechenden Bereiche zusätzlich geschützt werden. «Auch eine mit Wasser gefüllte Wanne für die Gefiederpflege ist immens wichtig.» Als ergänzende Nahrung empfiehlt er vor allem Körner.

Apropos Nahrung: Was fressen Enten eigentlich sonst, wenn sie sich gerade nicht mit Schnecken oder Körnern eindecken können? «Die Palette reicht von Kräutern, Gras oder Kohl bis hin zu Regenwürmern oder Kaulquappen», sagt Mathys. Bei den Schnecken seien die Enten zudem kaum wählerisch: Kleinere Exemplare würden teilweise mitsamt dem Schneckenhaus ge­fressen. Bei den Weinberg­schnecken versuchen die Enten, das Tier zunächst aus dem Haus zu schütteln. Christian Mathys weist erneut auf die Wichtigkeit eines Wasser- und Trinkplatzes hin: «Damit der Schneckenschleim den Enten nicht den Schnabel verklebt, müssen sie sich unbedingt putzen können.»

Vorsicht wegen Vogelgrippe

Wegen den Gefahren der Vogelgrippe werden die vier Laufenten der Gartenbauschule Hünibach aktuell tagsüber in einem speziellen, abgetrennten Aussengehege gehalten. Nachts verfügen sie über ein Plätzchen im Innern der Anlage. «Für unsere Enten wäre das Virus nicht zwingend tödlich», erklärt Mathys. Als mögliche Virusträger und -überträger sollten sie aber keinen Kontakt mit Wildvögeln haben. Die Massnahme gelte seit rund vier Wochen und werde voraussichtlich noch einige Wochen aufrechterhalten. Den Einsatz der Schneckenvertilger stellt die aktuelle Situation aber nicht infrage, wie Mathys erklärt: «Wir werden auch künftig auf unsere Enten setzen.»

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