Die Stadt Thun häuft mehr Schulden an

Thun

Gemeinderätin Andrea de Meuron präsentierte am Freitag zum ersten Mal Budget und Finanzplan der Stadt. Diese sehen hohe Bauausgaben und damit einen Anstieg der Verschuldung in den nächsten Jahren vor.

Stellten am Freitag das Budget 2020 und den Finanzplan 2020 bis 2023 der Stadt Thun vor: Finanzverwalter Stefan Christen und die zuständige Gemeinderätin Andrea de Meuron (Grüne).

Stellten am Freitag das Budget 2020 und den Finanzplan 2020 bis 2023 der Stadt Thun vor: Finanzverwalter Stefan Christen und die zuständige Gemeinderätin Andrea de Meuron (Grüne).

(Bild: Patric Spahni)

Eins vorneweg: Die finanzielle Situation der Stadt Thun ist und bleibt stabil. Trotz prognostizierter Finanzierungslücken und damit einer höheren Verschuldung rechnen die zuständige Gemeinderätin Andrea de Meuron (Grüne) und Finanzverwalter Stefan Christen in den Jahren 2020 bis 2023 mit ausgeglichenen Er­gebnissen der Erfolgsrechnung. Im Vergleich mit anderen Städten im Kanton weise die Stadt Thun immer noch einen unterdurchschnittlichen Schuldenbestand aus.

«Der Gemeinderat beurteilt das Budget und den Finanzplan als insgesamt positiv und die Neuverschuldung, die bis Ende 2023 rund 55 Millionen Franken betragen wird, als vertretbar», sagte die Finanzvorsteherin denn auch am Freitag vor den Medien. Dies vor allem deshalb, weil die hohen Bauausgaben der nächsten Jahre auch einen Gegenwert im Vermögen in Form von Neubauten oder sanierten Liegenschaften darstellten.

Massiv höhere Investitionen

So ist das Investitionsbudget 2020 vor allem geprägt von sehr hohen Investitionen in Höhe von netto 31,6 Millionen Franken. «Im Vergleich dazu lagen diese Kosten in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 11,7 Millionen Franken», präzisierte Finanzverwalter Stefan Christen.

So stehen im kommenden Jahr und in den Folgejahren Projekte wie etwa der Neubau des Krematoriums und des Doppelkindergartens Seefeld oder die Erweiterung des Verwaltungsgebäudes an der Industriestrasse an. Sehr grosse Investitionen aus­lösen werden auch das Eissportzentrum Grabengut oder die Sanierung des Strandbads.

Auch für den baulichen Unterhalt sind im Budget 2020 mit17,7 Millionen Franken sehr hohe Ausgaben vorgesehen. Diese liegen im Vergleich zu den Rechnungsjahren 2009 bis 2018 sogar 42 Prozent über dem Durchschnitt. «Der Aufwand für den baulichen Unterhalt Verwaltungsvermögen wird durch eine Entnahme von 5,5 Millionen Franken aus der entsprechenden Spezialfinanzierung gedeckt», erklärte Christen.

Steuereinnahmen wachsen

Das Budget für das kommende Jahr, das erstmals gemäss der neuen städtischen Direktionsstruktur erstellt wurde, schliesst bei einer unveränderten Steueranlage von 1,72 Einheiten mit einem Aufwand und einem Ertrag von je 319 Millionen Franken ausgeglichen ab.

Dabei fallen vor allem die Steuereinnahmen von 125,9 Millionen Franken positiv ins Gewicht, welche einen Zuwachs von 3 Millionen gegenüber dem Budget 2019 bedeuten: «Der Steuerertrag hat sich in den letzten zehn Jahren kontinuierlich erhöht», sagte Andrea de Meuron. «Das ist nicht unwesentlich, da die Steuern 40 Prozent des Gesamtertrags ausmachen.»

Zurückzuführen ist diese Entwicklung auch auf das Be­völkerungswachstum, entfallen doch 76 Prozent der Steuereinnahmen auf natürliche Personen. «Diese Tatsache wirkt sich auch stabilisierend auf unsere Finanzen aus», sagte Christen. «Dadurch sind wir weniger konjunkturabhängig als andere Gemeinden mit mehr Einnahmen von juristischen Personen.»

Gerade wegen dieses Wachstums, aber auch wegen Projekten wie dem Krematorium und überkommunalen Aufgaben sollen im Jahr 2020 auch mehr städtische Stellen geschaffen werden. So beträgt der Personalaufwand 2020 66,5 Millionen Franken. «Der Gemeinderat bekennt sich damit klar zu einem starken Service public», so de Meuron. «Wir haben aber genau hingeschaut und längst nicht alle Stellenbegehren aus den verschiedenen Ämtern bewilligt.»

Mehr Handlungsspielraum

Alles in allem resultiert für die Gemeinde Thun im kommenden Jahr aber auch mehr Handlungsspielraum. Das rührt daher, dass die nicht beeinflussbaren Bei­träge für die sechs Lastenausgleichssysteme gegenüber den Vorjahren moderater wachsen werden: So steigen die Ausgaben für Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen, öffentlichen Verkehr, Lehrerlöhne, Familienzulagen und neue Aufgabenteilung «nur» um 0,8 Millionen auf 63 Millionen Franken an. «Damit haben wir 2,2 Millionen Franken mehr für stadteigene Aufgaben zurVerfügung», erklärte Andrea de Meuron.

Der Aufgaben- und Finanzplan 2020 bis 2023, den der Gemeinderat samt Budget bereits verabschiedet hat, wurde übrigens nach einem erweiterten Finanzplanungsmodell erstellt, das laut Christen «mehr Planungs­sicherheit und realistischere Ergebnisse» erlaubt. Am 15. November wird auch der Stadtrat über beides zu befinden haben.

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