Die Panzerhallen werden zur Asylunterkunft

Thun

Die Unterkünfte des Bundes für Asylbewerber sind in der gesamten Schweiz voll. Deshalb sollen mehrere Hundert Asylsuchende vorübergehend auf dem Waffenplatz Thun untergebracht werden.

  • loading indicator
Marius Aschwanden

Auf dem Waffenplatz Thun soll ein temporäres Bundesasylzen­trum entstehen: Das bestätigte das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Freitag. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Kanton Bern, der Stadt Thun und dem Verteidigungsdepartement VBS über die Nutzung von Teilen des Areals. Der Waffenplatz sei deshalb interessant, weil er im Besitz des Bundes sei, sagte SEM-Sprecher Martin Reichlin.

Bei der ­Suche nach zusätzlichen Unterkünften würden Liegenschaften des Bundes, insbesondere auch Armeeanlagen, eine wichtige Rolle spielen. Dies, weil solche schnell als temporäre Asylzen­tren genutzt werden könnten.

Und genau darum geht es momentan: Weil das SEM nach wie vor hohe Gesuchszahlen regis­triert, seien die Unterkünfte des Bundes aus- oder überlastet. «Deshalb prüfen wir in der ganzen Schweiz, wo wir temporäre Unterkünfte eröffnen könnten», so Reichlin. Seit dem Frühling wurden die Unterbringungsplätze von 2300 auf derzeit 4300 aufgestockt.

Vorbereitungen sind im Gang

Mehrere Quellen haben bestätigt, dass auf dem Waffenplatz Thun bereits die grossen Panzerhallen A und B für die Aufnahme von Asylbewerbern vorbereitet würden. Dies belegt auch ein internes Papier der Waffenplatzführung, das dieser Zeitung vorliegt. Demnach sollen die beiden Hallen voraussichtlich bis Ende nächster Woche geräumt werden.

Möglich sind gemäss dem Schreiben aber auch andere Lösungen, die nicht genauer erläutert werden. Trotzdem macht man sich in Thun bereits Gedanken dazu, wo welche Kompanie neu einquartiert werden könnte. Durch die «Übung» werde der Ablauf der Rekrutenschule «einschneidend» beeinflusst, heisst es.

Wie viele Asylsuchende in Thun untergebracht werden sollen, ist nicht bekannt. «Die Anzahl Plätze hängt von den Verhandlungen ab», sagt Reichlin. Klar ist, dass der Bund momentan temporäre Unterkünfte für jeweils 100 bis 400 Personen betreibt. Sobald sich die Verhandlungspartner über die Betreuungs- und Sicherheitsmassnahmen geeinigt haben, werde gemeinsam detaillierter informiert. Das Zentrum soll laut Reichlin «so rasch wie möglich» eröffnet werden.

In Thun hat man die Pläne des Bundes «zur Kenntnis» genommen. «Eine aktive Rolle haben wir nicht übernommen», sagt Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP). Zur Frage, ob ein in Betrieb stehender Waffenplatz der richtige Ort für zum Teil kriegstraumatisierte Flüchtlinge sei, antwortet er: «Offenbar haben VBS und SEM diese Frage bejaht. Wir müssen die Gewähr haben, dass der Betrieb auf dem Waffenplatz und auch mit Blick auf Thun und die Region in geordneten Bahnen verlaufen wird.»

Kanton würde profitieren

Überhaupt keine Freude hat SVP-Nationalrat Adrian Amstutz (Sigriswil): «Es ist in Anbetracht der Terroranschläge sowie der Kriege in der Ukraine und Syrien höchst bedenklich, dass nun bereits hoch frequentierte Waffenplätze vom Asylwesen in Beschlag genommen werden.» Es sei zudem verkehrt, dass Rekrutenschulen für die «verfehlte Asylpolitik des Bundes büssen und Einschränkungen in der Ausbildung hinnehmen müssen».

Der Kanton Bern würde von einem Bundeszentrum aber profitieren. Momentan erhält dieser statt 13,5 Prozent vom Bund 15,1 Prozent aller Asylsuchenden zugewiesen. Der Grund dafür liegt im Kompensationsmodell für Standortkantone von Bundeszentren. Pro Unterkunftsplatz in einem solchen Zentrum erhalten die Standortkantone eine Person weniger zugewiesen. Entsprechend müssen Kantone mehr Asylsuchende aufnehmen, die kein Bundeszentrum haben.

Seit längerem ist ein solches im Zieglerspital geplant. Wird der Waffenplatz Thun ebenfalls als Bundeszentrum genutzt, würde sich die angespannte Unterbringungssituation im Kanton Bern zusätzlich entschärfen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt