Thun

Die Ernst Keller AG verlässt Thun

ThunWieder verliert Thun Arbeitsplätze an Uetendorf: Nach der Confiserie-Steinmann-Produktion zieht auch die Fahrzeugbaufirma Ernst Keller AG ins Industriegebiet am Glütschbach.

Die Halle der Ernst Keller AG an der C.-F.-L.-Lohner-Strasse: Schon bald zieht die Firma ins Uetendorfer Industrieareal. Hinten rechts ein Lastwagen mit einem Fahrzeugkran.

Die Halle der Ernst Keller AG an der C.-F.-L.-Lohner-Strasse: Schon bald zieht die Firma ins Uetendorfer Industrieareal. Hinten rechts ein Lastwagen mit einem Fahrzeugkran. Bild: Marc Imboden

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Wer sein Fahrzeug mit einem Kran, einer Hebebühne, einer kippbaren Pritsche oder einem Kasten bestücken will, ist bei der Ernst Keller AG an der richtigen Adresse. Was 1910 mit Hufbeschlag, allgemeinen Schmiedearbeiten und der Herstellung von Wagen und Kutschen begann, ist heute ein Unternehmen, das ausschliesslich die individuellen Wünsche und Vorstellungen seiner Kunden umsetzt und Servicearbeiten vornimmt.

Ein Unternehmen, das gleichzeitig klein und gross ist, wie Seniorpartner Ernst Keller, Enkel des Firmengründers, erklärt: «Punkto Mitarbeiter sind wir mit unseren zwölf Angestellten ein kleiner Betrieb. Was unseren Raumbedarf betrifft, sind wir hingegen gross: Lastwagen brauchen viel Arbeits- und Abstellfläche.»

Krise in den Siebzigerjahren

Das Platzproblem zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Ernst Keller AG. «Verfehlte Stadtplanung lässt dem Betrieb am angestammten Standort keine Ausbaumöglichkeiten, der Betrieb steckt in einer Entwicklungskrise.» Das steht in der Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum der Firma unter der Jahrzahl 1970.

«Unser Standort befand sich damals am Speditionsweg in Thun», erklärt Ernst Keller. «Als wir noch Kutschen und Pferdewagen herstellten, war alles in Ordnung. Doch dann begann der Siegeszug der Lastwagen, womit wir räumlich an unsere Grenzen stiessen.» Die Stadt habe in den Siebzigerjahren eine Planungszone für das Gebiet erlassen und der Firma damit einen Ausbau verunmöglicht.

Rettung 1976

Die Rettung kam 1976 in Form der Firma Meier AG (heute Meier Systems AG). Sie vermietete Ernst Keller einen noch ­unbebauten Teil ihres Firmengeländes an der C.-F.-L.-Lohner-Strasse, sodass er darauf eine neue Halle erstellen konnte. Die Fahrzeugbaufirma florierte und wurde Opfer ihres Erfolgs, indem die Abstellfläche ein weiteres Mal zu knapp wurde. «Wir wollten ein benachbartes Grundstück kaufen, das im Besitz der Swatch Group ist, erhielten es aber nicht», sagt Ernst Keller.

Die Suche nach Land ging weiter. «Als die Stadt im Schoren Gewerbeland verkaufte, meldeten wir uns.» Vergebens: «Wir gingen leer aus, weil die Stadt Betriebe mit mehr Arbeitsplätzen bevorzugte», so Martin Feuz, ein langjähriger Mitarbeiter, der die Firma vor sieben Jahren übernommen hat. «Jahrelang suchten wir nach Alternativen, ohne von der Stadt gross Unterstützung zu erhalten», legt Ernst Keller nach (vgl. Kasten «Reaktion»).

Rettung 2017

Vor ein paar Monaten verschärfte sich die Lage ein weiteres Mal. «Meier Systems plant einen Erweiterungsbau, der uns nicht nur während der Bauphase stark einschränken würde, sondern auch danach», erklärt Martin Feuz. Dieses Mal kommt die Rettung von der Transportfirma Wanzenried: Auf deren Land im Uetendorfer Industriegebiet kann die Ernst Keller AG am 11. Dezember eine neue Halle beziehen. «Mir fällt es schwer, mich von Thun zu verabschieden, aber für meinen Nachfolger bedeutet es eine Zukunftssicherung des Betriebs», sagt Ernst Keller mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Feuz packt die Chance beim Schopf: «In Uetendorf können wir die Serviceabteilung vergrössern sowie das Büro und die Malerei auslagern.» Die Firma erhalte so mehr Fläche für die Arbeit an den Fahrzeugen. Ein weiterer Vorteil technischer Natur: «In Uetendorf werden wir einen stärkeren Hallenkran haben als am jetzigen Standort», sagt Martin Feuz. Das bringt Erleichterungen fürs Hauptstandbein der Firma, für den Aufbau von Fahrzeugkränen der Marke Palfinger, die weltweit die Nummer 1 in diesem Bereich ist. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 07.12.2017, 06:55 Uhr

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