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Die Aare ist die grosse Lebensader

Eigentlich könnte man sich wundern, warum nicht das Berner Oberland oder der Kanton Bern «Aargau» heissen, so sehr prägt der Fluss die Region.

Nach Innertkirchen zwängt sich die Aare durch die extrem eng in einen massiven Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht. Foto: PD / David Birri
Nach Innertkirchen zwängt sich die Aare durch die extrem eng in einen massiven Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht. Foto: PD / David Birri

Wenn die Aare beim Schadaupark in Thun den Thunersee verlässt, hat sie bereits einen namhaften Teil des Wassers aus dem Berner Oberland geschluckt. Das Einzugsgebiet des alpinen Abschnitts der Aare – dieser endet beim Ausfluss aus dem Thunersee – zeichnet weitgehend die Grenzen des Berner Oberlandes nach. Kaum ein Quadratmeter Boden im Berner Oberland, der sich nicht in die Aare entwässert. Zwar mag ein kräftiger Nordwind bisweilen etwas Schnee von der Berner Seite über die Wasserscheide der Berggrate auf die Walliser Seite verfrachten und damit die Rhone speisen; doch das Umgekehrte kommt genauso vor.

Grosse Korrekturen

Die erste wichtige Gewässerkorrektion der Schweiz führte dazu, dass heute schliesslich auch der Grossteil des Wassers aus dem westlichen Berner Oberland sich aus dem Thunersee in Richtung Mittelland ergiesst. Ab 1713 wurde die Kander bei Einigen durch einen Stollen direkt in den Thunersee geleitet. Zuvor war die Kander, die auch die Simme aufnimmt, zwischen Thun und Uttigen in die Aare geflossen. Das ebene Mündungsgebiet wurde dabei vom Wildfluss regelmässig überflutet.

Doch die Korrektur löste die Probleme nicht: Die Kander frass sich immer tiefer in den Moränenschutt und brachte den Stollen im Sommer 1714 zum Einsturz. Die Kanderschlucht war geboren. Gleichzeitig hatte der Zufluss in den Thunersee durch die Kanderkorrektur um 60 Prozent zugenommen. Oft vermochte der Seeausfluss die Wassermassen nicht mehr abzuführen. Thun und Umgebung litten regelmässig unter schweren Überschwemmungen.

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Erst die Aarekorrektion von 1871 bis 1878 zwischen Thun und Bern konnte die Probleme weitgehend lösen. Doch bis heute bedrohen Hochwasser das Tor zum Berner Oberland. Das zeigen die Überflutungen von Thun in den Jahren 1999 und 2005. Deshalb wurde 2008 ein grosser Entlastungsstollen fertiggestellt. Dieser wird sich allerdings erst noch in der Realität bewähren müssen.

Grosses Einzugsgebiet

Unterhalb von Thun sammelt die Aare dann auch noch die restlichen Zuflüsse aus dem Berner Oberland ein. Dazu gehört Beispielsweise die Zulg in Steffisburg, die Teile des Voralpenlandes im östlichen Berner Oberland entwässert. Beim Belpmoos mündet dann die vom Alpenrand westlich des Thunersees kommende Gürbe in die Aare. Bei Oltigen schliesslich fliesst die Saane, die ihrerseits die Sense aufgenommen hat, in den grossen Berner Fluss.

Bis zu ihrem Zusammenfluss mit dem Rhein bei Koblenz fliesst die insgesamt 288 Kilometer lange Aare lediglich durch zwei weitere Kantone: durch Solothurn und Aargau. Doch kein Fluss in der Schweiz hat ein grösseres Einzugsgebiet. Mit 17709 Quadratkilometern deckt es fast die halbe Landesfläche der Schweiz ab.

Grosser Magnet

Die Aare ist geschichtlich, touristisch und als Energiespender von eminenter Bedeutung für das Berner Oberland. Bereits unweit der Quelle im Grimselgebiet dient der noch junge Fluss mit seinem Gefälle durch Stauseen wie dem Oberaarsee und Grimselsee der Stromproduktion in Hochdruckkraftwerken. Bevor die alpine Aare dann die Ebene zwischen Meiringen und dem Brienzersee erreicht, zwängt sie sich nach Innertkirchen durch die spektakuläre, in einen massiven Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht.

Römische Quellen belegen, dass die Aare seit der Antike bis über den Thuner- und Brienzersee hinaus für den Schiffsverkehr genutzt wurde. Erst der Eisenbahnbau zum Ende des 19. Jahrhunderts sowie die ersten Flusskraftwerke beendeten die Handelsschifffahrt auf der Aare. Heute ist unterhalb von Meiringen fast der gesamte Flusslauf mit Freizeitbooten befahrbar. Und ab dem Strandbad Thun flussab ist die gut zugängliche Aare im Sommer schon seit Jahrzehnten ein überaus beliebter Ort zur Abkühlung für geübte Flussschwimmer – wie auch jetzt gerade wieder.

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