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Der Weg durchs Wachseldornmoos führt bald dem Rand entlang

Die geplante Aufwertung des Naturschutzgebietes Wachseldornmoos im Zulgtal kommt voran. Der Regierungsstatthalter hat die Bewilligung für die erste Etappe erteilt.

Das Wachseldornmoos aus der Vogelperspektive: Der Weg, der mitten durch das Naturschutzgebiet verläuft, soll in einer ersten Etappe des Aufwertungsprojekts an den Rand verlegt werden.
Das Wachseldornmoos aus der Vogelperspektive: Der Weg, der mitten durch das Naturschutzgebiet verläuft, soll in einer ersten Etappe des Aufwertungsprojekts an den Rand verlegt werden.
Christoph Gerber/www.luftbild-drohne-thun.ch

Das Gesicht des idyllisch gelegenen Naturschutzgebiets Wach­seldornmoos im Zulgtal wird sich in absehbarer Zukunft verändern. Der Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi hat gestern die Baubewilligung für die erste Etappe der geplanten Aufwertung erteilt. Damit kann der bestehende Wanderweg, welcher mitten durchs Moos führt, an den Rand verlegt werden.

Das Teilstück ist rund 420 Meter lang und dient als Wander- und Reitweg sowie im Winter als Langlauf­loipe. Der bisherige Wegverlauf soll aufgegeben werden, um den Wasseraustausch zwischen den Moorteilen zu verbessern. Weiter ist vorgesehen, vier denkmal­geschützte Torfhütten an einen trockenen Standort zu verlegen.

In einem zweiten Schritt möchte die Abteilung Naturförderung des Amts für Landwirtschaft und Natur den Seepegel erhöhen, um die Wasserfläche zu verdreifachen. «Es gibt berechtigte Sorgen im Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt», sagt der Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi dazu. Es gebe es aber klare Auflagen.

Zudem gehe es beim ersten Teilprojekt noch nicht um die Vergrösserung des Sees. «Die Bauherrschaft konnte darlegen, dass das Projekt den Zustand von Hoch- und Flachmoor verbessert», sagt Fritschi. Es sei nicht an ihm, zu beurteilen, welches die beste Gestaltung des Moores sei, sondern lediglich, ob das Projekt bewilligungsfähig sei. «Die Unterlagen entsprechen den gesetzlichen Vorschriften», sagt der Regierungsstatthalter. Entsprechend wies er die vier Einsprachen als unbegründet ab, soweit er auf sie eintreten konnte. «Das ganze Vorhaben ist auch eine Philosophiefrage», sagt Fritschi weiter. Die Parteien seien mit ihren Standpunkten entsprechend weit auseinander gelegen.

«Fühlten uns verschaukelt»

Auf wenig Gegenliebe stösst der Bauentscheid beim Wachseldorner Gemeindepräsidenten Martin Stegmann. «Uns liegt das Moos am Herzen, deshalb hat die Gemeinde auch eine Einsprache deponiert.» Er befürchte, dass mit dem Bauprojekt der Charme des Naturschutzgebietes verloren gehe. «Es wird zerstört, was jahrzehntelang gewachsen ist.» Dass der neue Weg für Wanderer, Reiter, Landwirte und Langläufer vorgesehen sei, berge zudem einiges an Konfliktpotenzial», sagt Stegmann. «Es ist wahrscheinlich, dass sich einzelne Nutzer früher oder später ins Gehege kommen.»

Gestört hätten sich die Wachseldorner vor allem auch an der Informationspolitik des Kantons. «Leider wurde nicht mit offenen Karten gespielt», sagt Stegmann. So sei man nicht von Beginn weg in die ganzen Pläne der Aufwertung eingeweiht gewesen. «Ich sage es ganz offen: Wir fühlten uns verschaukelt!» Ob die Gemeinde den Entscheid an die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion weiterzieht, konnte Stegmann gestern noch nicht sagen. «Wir werden die Sache im Gemeinderat besprechen.»

«Viel Geld für nichts»

Ebenfalls keine Freude an der Baubewilligung hat der ehemalige kantonale Naturschutzaufseher Rudolf Schmid. Er gehörte ebenfalls zu den Einsprechern. «Ich finde es sehr schade, dass nun derart massiv ins Wachseldornmoos eingegriffen wird.» Schmid hatte sich in der Vergangenheit mehrfach für einen Holzsteg starkgemacht. «Was am Thunersee funktioniert, soll im Zulgtal nicht gehen?», fragt Schmid rhetorisch. «Nun werde halt viel Geld für nichts investiert.» Schmid kann den Argumenten des Regierungsstatthalters nur wenig abgewinnen, wird den Bauentscheid aber nicht anfechten. «Als Privatperson fehlen mir schlicht die finanziellen Mittel.» Er müsse leider davon ausgehen, dass ihm erst die Zeit recht geben werde. «Das schmerzt.»

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