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Luca Hänni, der Überflieger

Niemand aus der Region sorgte 2019 international für mehr Aufsehen: Luca Hänni verblüffte mit Rang 4 am Eurovision Song Contest. Dabei sagten ihm viele eine kurze Zukunft im Musikbusiness voraus.

Michael Gurtner
Sprung in die Schlagzeilen: Luca Hänni am Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv.
Sprung in die Schlagzeilen: Luca Hänni am Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv.
Keystone

«Am Boden zu bleiben, ist das Wichtigste.» Das sagt Luca Hänni im Februar 2012. Der Uetendorfer Maurerlehrling, 17 Jahre jung, gibt dieser Zeitung sein allererstes Interview. Plaudert frisch von der Leber weg. Entspannt, freundlich, mit ansteckendem Lachen. Und bescheiden: «Ich erhoffe mir, dass ich vielleicht mal eine CD aufnehmen kann», erklärt er im Gespräch in der Cortina Lounge in Thun ohne jede Spur von Grossspurigkeit.

Die Cortina Lounge gibt es mittlerweile nicht mehr. Und auch Luca Hänni wurde nach seinem Triumph in der Castingshow-Riesenkiste «Deutschland sucht den Superstar» zwei Monate nach dem ersten Interviewtermin von vielen Experten ein kurzer Schwumm im gnadenlosen Haifischbecken Musikbusiness prophezeit. Es sollte anders kommen.

Das allererste Interview mit dieser Zeitung: Luca Hänni mit den Redaktoren Marco Zysset (Mitte) und Michael Gurtner (links). Bild: Patric Spahni
Das allererste Interview mit dieser Zeitung: Luca Hänni mit den Redaktoren Marco Zysset (Mitte) und Michael Gurtner (links). Bild: Patric Spahni

364 statt 0 Punkte

Sieben Jahre später. Luca Hänni ist nicht wie so viele gehypte Jung-Popstars vor ihm rasch wieder von der Bildfläche und aus dem Scheinwerferlicht verschwunden. Im Gegenteil: Er steht vor seinem grössten Auftritt überhaupt, schickt sich an, der Schweiz beim grössten Gesangsfest der Welt endlich positive Schlagzeilen zu bescheren.

Denn im Vierteljahrhundert zuvor war beim Eurovision Song Contest aus helvetischer Sicht statt Freudenjutz jeweils Katzenjammer angesagt. Switzerland zero points. Schon im Halbfinale gescheitert. Chancenlos. Abgeschlagen. Gedemütigt. So lauteten die Wasserstandsmeldungen vom Wettsingen über Jahre hinweg mit unschöner Regelmässigkeit.

2019 aber ist alles anders. Luca Hänni, immer noch entspannt, immer noch freundlich, immer noch mit ansteckendem Lachen, überzeugt einen guten Teil der 182 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer. Mit seinem tanzbaren, ansteckend gut gelaunten Popsong «She Got Me» holt er 364 Punkte. Macht «Switzerland zero points» im Handumdrehen vergessen. Holt Rang 4 und damit das beste Schweizer Resultat seit Annie Cottons drittem Platz im Jahr 1993. Das war fast eineinhalb Jahre vor Luca Hännis Geburt. Als Adolf Ogi Bundespräsident der Schweiz war. DJ Bobo seinen allerersten Hit landete. Der FC Aarau Schweizer Fussballmeister wurde.

Zurück ins Jahr 2019: Keine Persönlichkeit aus dem Berner Oberland dürfte in den letzten zwölf Monaten international für grösseres Aufsehen gesorgt haben als Luca Hänni. Keine Persönlichkeit aus der Schweiz wurde hierzulande in der Google-Suchmaschine häufiger eingetippt. Weder die hochumstrittene Luzerner Rapperin Loredana (Platz 2 in der entsprechenden Google-Rangliste) noch ein auch nicht gänzlich unbekannter Tennisspieler namens Roger Federer (Rang 3).

Kein Wunder, wurde Luca Hänni am 25. Mai von dieser Zeitung zum «Kopf der Woche» gewählt. Kein Wunder, hat ihn die Redaktion aus all den Wochensiegerinnen und -siegern (siehe Kontext) zu ihrem «Kopf des Jahres 2019» gewählt. Denn der Uetendorfer hat im zu Ende gehenden Jahr zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Und ist dabei doch – genau! – immer am Boden geblieben.

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