Der Gletschersee vor dem Ausbruch

Lenk

Der Favergesee auf dem Plaine-Morte-Gletscher hat ein neues Rekordvolumen erreicht. Wie schon letztes Jahr rechnen die Experten mit einem baldigen Ausbruch.

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Bruno Petroni

Immer grösser, immer spektakulärer: Der Favergesee an der südöstlichen Ecke des Plaine-Morte-Gletschers hat ein neues Rekordvolumen von mehr als zwei Millionen Kubikmetern erreicht. Die Glaziologen beobachten das Verhalten des selbst gestauten Gewässers auf 2700 Metern Meereshöhe genauestens.

Zu ihnen gehört Matthias Huss von der Universität Freiburg: «Der Gletschersee hat Freitagnacht erste Anzeichen gezeigt, dass der Ausbruch offenbar kurz bevorsteht. Wir erwarten, dass sich die Entleerung jetzt allmählich beschleunigt und die Flut am Montag oder Dienstag in der Lenk eintrifft.» Wann der Ausbruch aber genau eintreffen werde, sei schwer abzuschätzen, sagt Matthias Huss.

Und: «Gemäss Höhenmodellen hat sich das Volumen des Seebeckens in den letzten zwei Jahren um 50 Prozent vergrössert. Dieser Trend dürfte so weitergehen. Da der Gletscher immer weiter schmilzt, wird einerseits das Becken grösser, andererseits aber auch die maximale Höhe des Seespiegels etwas geringer.»

«Es geht relativ schnell»

Schon im letzten Jahr, am 7. August, entleerte sich der Favergesee plötzlich und spontan; in der Folge flossen 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Trübbach in die Lenk hinunter – das sind im Vergleich rund 100 Badewannen pro Sekunde. Ausser vereinzelter Überflutungen von Weideland blieb das Tal aber von Schäden verschont.

Solche subglazialen Wasserausbrüche werden möglich, weil das Schmelzwasser, welches etwas wärmer ist als das Eis, die Eiskanäle nach und nach abschmilzt, was den Durchmesser für immer grössere Wassermassen laufend vergrössert. «Sobald das Wasser schliesslich seinen Weg unter dem Gletscher hindurch gefunden hat, geht es jeweils relativ schnell, bis grosse Kubaturen auf einmal talwärts fliessen», sagt der Glaziologe.

Seit mehreren Jahren liegen am westlichen und nördlichen Rand des Plaine-Morte-Gletschers an der Kantonsgrenze zum Wallis auch der Vatseret- und Strubelsee. Diese beiden wesentlich kleineren Gletscherseen sind momentan knapp halb voll. Alle drei Gewässer werden von der Gemeinde Lenk per Videokameras und Pegelmessung mit Alarmanlage laufend überwacht.

Berner Zeitung

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