Der 5-Stern-Pommes-Mann

Thun

In der Serie «Angetroffen» stellen wir diese Woche Martin Indermühle vor. Der Beizenbetreiber bei der Kunsteisbahn Thun schwärmt von der Wertschätzung in seinem Job.

«Meine Frau hat mich ins Gastgewerbe gebracht», verrät Martin Indermühle.

«Meine Frau hat mich ins Gastgewerbe gebracht», verrät Martin Indermühle.

(Bild: Jürg Spielmann)

Jürg Spielmann

Tinu winkt ab, lacht ein herzhaftes Lachen und meint kopfschüttelnd: «Ne-nei!» Es ist seine Reaktion auf die Frage, ob er der coolste Thuner sei. Ganz abwegig wäre dies nicht. Er steht im Grabengut unmittelbar neben dem Eis und unter einem Holzschild, in das die Inschrift «Gletscherblick» eingebrannt worden ist.

Der Mann, der das Haupthaar zum Rossschwanz zusammengebunden trägt, wurde vor einem halben Jahrhundert auf den Namen Martin Indermühle getauft. Längst ist er für alle einfach der Tinu. Elf Jahre war er dies im «Glöggu», dem Steffisburger Restaurant Glockental, und deren neun in der dortigen Badibeiz. In der zehnten Saison ist er es nun auf der Kunsteisbahn in Thun. Mit seiner Frau Susanna führt er dort das Beizli. «Kiosk», korrigiert er sogleich, «wir nennen ihn 5-Stern-Kiosk.» Der gebürtige Thuner, der seit einigen Jahren in Heimenschwand wohnt, schmunzelt. Das tut er aus gutem Grund.

«Es ist alles etwas in die Jahre gekommen», begründet Tinu. Die Anlagen im Grabengut haben die besten Tage schon länger gesehen. Beklagen tut sich der 51-Jährige darob nicht. «Wir machen aus dem, was wir haben, das Beste.» Selbiges plant auch die Stadt. 2022 will sie der «Schlööfbahn» ein neues Gesicht verpassen. Alle würden darauf plangen. «Und so lange bleiben wir sicher hier», sagt der Mieter. Was dann komme, stehe in den Sternen.

Apropos Sterne: Ein geborener Sternekoch ist Indermühle nicht. Er sei ein Quereinsteiger. «Meine Frau hat mich ins Gastgewerbe gebracht.» Am Herd sollte der Topfpflanzen-, Schnittblumen- und Landschaftsgärtner seine Berufung finden. «Es ist etwas vom Schönsten, die Leute mit Essen und Trinken versorgen zu dürfen.» Er spricht von Wertschätzung. Und Dankbarkeit.

«Speziell von Kindern kommt viel zurück», sagt der Familienmensch. Tinu ist Vater von vier Kindern und sechsfacher Grossvater. Auch seine Nachkommen mögen mutmasslich, was all die «Schlööfler» lieben: Tinus Pommes, veredelt mit einer haus­eigenen Würzmischung. «Es gibt Leute, die sagen, es seien die besten überhaupt.» Wie viele Kartoffelstäbchen er pro Saison, die siebeneinhalb Monate dauert, frittiert, mag er nicht verraten, meint aber vielsagend: «Viele . . .»

Höhepunkte seiner bislang zehnjährigen Eiszeit waren die Auftritte des SCB im Cup gegen den EHC Thun und der von Stéphane Lambiel. Er habe aber nur als Zuschauer etwas mit Eislauf und Eishockey am Hut, sprich an der Kufe. Klein Tinu jagte Roll- und Landhockeybällen nach.

«Lächle, und der Tag lächelt zurück», ist neben der Kioskkasse zu lesen. Und Programm. Es gibt nicht viele Orte, wo dies besser passen würde.

Berner Zeitung

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