Denkanstösse für die Thuner Fussballer

Steffisburg

In der Aula Schönau referierte der Ernährungsberater Michael Kassner vor rund 400 Mitgliedern des FC Thun.

Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Der FC Thun steckt gerade in einer sportlich schwierigen Lage. Nach einem Drittel der Saison liegt die Mannschaft am Ende der Tabelle, vier Punkte entfernt von Barrageplatz 9. Aber der Club tickt in solchen Phasen anders als mancher Konkurrent, die Verantwortlichen erwecken nicht den Eindruck, sich aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen oder ratlos zu sein.

Diese Besonnenheit ist eines ihrer Markenzeichen geworden. Eine andere Eigenheit der Thuner ist es, sich zuweilen mit Dingen zu beschäftigen, die über das Technisch-Taktische hinausgehen.

Flüchtlinge einladen, sich mit behinderten Menschen beschäftigen – «es gibt einen anderen Blick aufs Leben», sagt Präsident Markus Lüthi. Und: «Wir wollen die Möglichkeit wahrnehmen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, weil wir das Privileg haben, das Geschenk, Fussball spielen zu dürfen.»

An diesem Montagabend steht Lüthi auf der Bühne der Aula Schönau in Steffisburg, vor sich hat er nicht nur die Profis der ersten Mannschaft, sondern alle Mitglieder des FCT – rund vierhundert Personen füllen den Saal. Nicht, um einer Generalversammlung beizuwohnen, sondern einem Themenabend, der unter den Oberbegriff Engagement fällt.

Vor zwei Jahren ging es um den Umgang mit sozialen Medien, um Chancen und Gefahren; im vergangenen Februar stand in einem Knigge-Kurs der Umgang mit dem Mitmenschen im Zentrum; und nun, in Steffisburg, dreht sich alles um ganzheitliche Ernährung mit der zentralen Frage: «Was kann die taägliche Ernährung zu Gesundheit, Leistungsfa?higkeit und Umweltvertra?glichkeit beitragen?»

Hediger gefällt der Vortrag

Ernährungsberater Michael Kassner ist aus Deutschland angereist, eigentlich befindet er sich nach über tausend Referaten in einem «Vortrag-Ruhestand», macht für den FC Thun aber eine Ausnahme. Er ruft ins Bewusstsein, sich eingehend Gedanken über die Qualität der Nahrung zu machen, sich mit Fragen wie tiergerechter Haltung auseinanderzusetzen.

Unter den Zuhörern sitzt auch Dennis Hediger, Captain der Profis und derzeit daran, nach dem im Februar erlittenen Kreuzbandriss wieder vollständig gesund zu werden. Er ist ein Spieler, der sich intensiv mit dem Thema befasst. Neben seinem Job als Fussballer führt er ein eigenes Beratungsunternehmen und versorgt Kunden mit Ernährungstipps.

Was er nun vom Referenten hört, gefällt ihm. «Er appelliert an den gesunden Menschenverstand und sagt, dass man sich überlegen soll, was man zu sich nimmt und woher die Lebensmittel stammen», sagt Hediger, «wer Rindfleisch isst, muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn er weiss, dass das Rind zeit seines Lebens genügend Auslauf bekam und nicht mit Antibiotika vollgepumpt wurde.»

Kassner tritt nicht als Verkäufer einer einzigen Wahrheit auf, sondern gibt Denkanstösse. Und erfüllt damit die Erwartung von Markus Lüthi.

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