Das Gespensterhaus im Lerchenfeld

Vor 50 Jahren

Fliegende Gegenstände, unerklärliche Klopfgeräusche: Im Thuner Lerchenfeldquartier erlangte ein Haus, in dem es angeblich spuken sollte, kurzzeitig Berühmtheit.

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Bekannt wurde das Gespensterhaus in Thun durch einen Artikel in der Zeitung «Blick». «In einem Dreifamilienhaus in Lerchenfeld soll nach diesem Bericht seit einigen Monaten ein Poltergeist umgehen», schrieb das «Thuner Tagblatt» am 7. April 1967.

Gegenstände seien auf unerklärliche Weise zerbrochen, eine Matratze durchs Zimmer geflogen, Betten auseinandergerückt worden. Weiter mache sich der Geist auch durch seltsame Geräusche und Klopfen bemerkbar. In der Wohnung, wo die seltsamen Vorkommnisse geschahen, lebten drei Frauen, Grossmutter, Mutter und die 13-jährige Tochter.

Am 15. April hiess es dann in einer amtlichen Mitteilung: «Erhebungen der Hausbewohner führten zu keinen Schlüssen über die Herkunft des Lärms. Hingegen waren die Polizeibehörden mangels Straftatbestandes nicht in der Lage, eine Untersuchung einzuleiten.»

Wegen der Tagespresse sei der Ort zum Schauplatz zahlreicher Neugieriger geworden. Ansammlungen von über 100 Personen abends und während der Nacht hätten zu Störungen des ganzen Quartiers geführt. «Im Interesse der direkt betroffenen Familie sahen sich die Behörden veranlasst, durch vormundschaftliche Massnahmen die ­Familiengemeinschaft vorläufig aufzuheben und die einzelnen Familienangehörigen einer fachärztlichen Behandlung zuzuführen», hiess es.

Und: «Mit der Aufhebung des Haushaltes haben die rätselhaften Geräusche ihr Ende genommen.»

Was vor 50 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

1.4.1967: Die Migros-Klubschule führt ab 10. April Kurse für Kleidermachen, Weissnähen und Knabenkleidernähen durch. Im Näh-Atelier Midinette können individuelle Modellkleider, Mäntel und Deuxpièces hergestellt werden.

3.4.1967: Im Thunerhof stellt der bekannte Seeländer Maler Ernst Müller, Erlach, aus. In acht Räumen der städtischen Kunstsammlung hat der Künstler in einer Privatausstellung über 70 Werke vereint.

4.4.1967: Am Frühlingsbot der Schützengesellschaft der Stadt Thun wurde die Namensänderung in Stadtschützen Thun einstimmig angenommen.

5.4.1967: Im Kellertheater spielen Interlakner Gymnasiasten die zwei Komödien «Der Mörder» und «Das Mädchen» von Kurt Goetz. Goetz lebte jahrelang in Merligen.

6.4.1967: Der Aprilgrossmarkt von gestern war ordentlich besucht. Grossvieh- und Schweineauffuhr waren mittelmässig: 168 Stück Grossvieh, 374 Schweine, 11 Ziegen und 8 Schafe. Die Preise: Gute Kühe Fr. 2800 bis 3500, mittlere Kühe 1800 bis 2300. Ferkel per Paar 190 bis 200, 3 bis 4 Monate alte Fasel per Paar 355 bis 395.

7.4.1967: Auf der Stockhornstrasse touchierten sich ein Militärcamion und ein Militär-Mowag. Dabei fiel dem Camionfahrer sein aufgehängtes Sturmgewehr auf den Kopf. Wahrscheinlich hat dies den Fahrer erschreckt oder kurz betäubt, sodass er durch ein niederes Mäuerchen in das Haus der Securitas fuhr und ein erhebliches Loch in die Hausmauer schlug.

8.4.1967: Bekannt als langjähriger Amerika-Korrespondent des Schweizer Radios sprach am Donnerstag Dr. Heiner Gautschy im überfüllten Freienhofsaal über seine Erfahrungen in Russland.

10.4.1967: Am Samstag war in den Schweizerischen Metallwerken Selve Besuchstag. Die Angehörigen der in diesem Unternehmen Beschäftigten hatten die Möglichkeit, den Ehemann, den Vater, Bruder oder Sohn an der Arbeit zu sehen.

11.4.1967: Ein von der Kunstkommission des Bezirksspitals aus einem Wettbewerb auserkorener Entwurf von Kunstmaler Büttikofer präsentiert sich als grosses Wandgemälde in der Empfangshalle des neuen Bezirksspitals Thun.

12.4.1967: Gegenwärtig sind rund 30 italienische und spanische Arbeiter unter einheimischer Bauleitung daran, auf der Station Gwatt der BLS ein fünftes Geleise zu erstellen und die Perronanlagen neu zu gestalten.

13.4.1967: Wieder einmal erscheint im «Thuner Tagblatt» ein umfassender Artikel über Kehricht und Kehrichtbeseitigung.

14.4.1967: In der seit 1962 in freundlichen Zimmern im 1. Stock des Thunerhofs untergebrachten Stadtbibliothek wurde, erstmals im bald zweihundertjährigen Bestehen, vor einem Jahr ein hauptamtlicher Bibliothekar eingestellt. Neuerdings dienen den Besuchern auch zwei Halbtagsangestellte. Neu ist die Bibliothek Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 16 Uhr und Donnerstag von 19 bis 21 Uhr geöffnet.

14.4.1967: Die Genossenschaft Migros Bern hat dem Fonds der Stiftung Wohnfürsorge für betagte Einwohner der Stadt Thun 25‘000 Franken zukommen ­lassen.

15.4.1967: Heute Eröffnung des Bälliz-Modellauto-Center im Bälliz 62, altes Kantonalbank-Gebäude. Neue, 55 Meter lange Rennbahn! Jeder ist herzlich willkommen.

18.4.1967: Gestern wurde der Tank der neu gebauten Benzinspaltanlage des Gaswerkes gefüllt. Der 23 Meter lange und 25 Tonnen schwere Grossbehälter fasst 150 Kubikmeter.

19.4.1967: Morgen um 9 Uhr ­Eröffnung des neuen Coop-Centers Schulstrasse im Dürrenast. Alles unter einem Dach. ­Reichhaltiges Lebensmittelsortiment, moderne Metzgerei, täglich frisches Obst und Gemüse, Patisserie, Haushalt- und Textilab­teilung.

20.4.1967: Infolge Aufgabe des Herrenmodegeschäftes Bärner Bär, Obere Hauptgasse 27, findet bis zum 30. Juni ein amtlich bewilligter Totalausverkauf mit stark reduzierten Preisen statt.

22.4.1967: In der Galerie Aarequai sind Bilder von Hildi Brunschwyler zu sehen. Die Künstlerin arbeitet vor allem mit Collagen.

22.4.1967: Hans Feller aus Gwatt zog vor Sundlauenen eine prächtige Forelle von 70 Zentimetern und einem Gewicht von 15 Pfund aus dem See.

24.4.1967: Das Stadtbauamt teilt mit: Die Publikation der Neuordnung der Sperrgutabfuhr ist leider etwas ungenau ausgefallen. Gerade und ungerade Wochen sind ab Neujahr zu rechnen. Diese Woche beispielsweise ist eine ungerade Woche und es wird das Sperrgut der Hauptgasse, Marktgasse und so weiter abgeführt (Kreis 13).

26.4.1967: Ein halbes Jahrhundert ist seit der Gründung des ­Gemeinnützigen Frauenvereins Strättligen vergangen. In würdigem Rahmen wurde dieser Anlass im neuen Kirchgemeindesaal der Johanneskirche gefeiert.

27.4.1967: Wiedereröffnung des alkoholfreien Restaurants im Schloss Schadau am 29. April. Im Mai und Juni bleibt das Restaurant jeweils am Montag geschlossen, ausgenommen am 1. Mai und Pfingstmontag. Frauenvereine Thun und Strättligen.

28.4.1967: Mit dem Stück «Der Wäbstuehl am Änd vo der Wält» wird die bekannte Puppenspielerin Therese Keller eine Reihe von Aufführungen im Kellertheater geben.

28.4.1967: Montag, den 1. Mai, Wiedereröffnung des Kursaals Thun mit dem Orchester Mario Manazza (6 Mann). Jeden Donnerstag Wiener-Abend bei Kerzenlicht.

28.4.1967: Morgen 20.15 Uhr, im Freienhof: Internationaler Boxstaffelkampf BC Singen (Deutschland) gegen BC Thun (verstärkt). Anschliessend Tanz mit The Jetmen. Schöne Tom­bola.

29.4.1967: Längs der ehemaligen Stallungen der Kaserne, die jetzt zu zweckmässigen Unterkünften umgebaut sind, wurden zahlreiche junge Bäume gepflanzt, die zu einer schattenspendenden Allee heranwachsen sollen.

29.4.1967: Höhepunkt der Beatsaison: Die international bekannte, original englische Star-Band The Victors beendigt die Saison im Dancing Beau-Rivage am Sonntag, 30. April.

Quelle: Stadtarchiv Thun

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