Dank Konf-Mode weniger saisonabhängig

Der zweite Teil unserer Konf-Serie steht im Zeichen des Stils: Dank Konf-Mode ist das Modehaus Roro in Interlaken weniger abhängig von saisonalen Schwankungen im Geschäft.

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Konf ohne Mode geht nicht. Bei der Roro-Herrenkonfektion AG in Interlaken geht auch Mode ohne Konf nicht. Das Modehaus, das seit 1970 auf dem Bödeli daheim ist, hat sich in seiner Firmengeschichte als sicherer Wert für Konfirmanden auf der Suche nach der passenden Bekleidung für den grossen Tag etabliert.

«Anfänglich ging es schlicht darum, auch Konf-Mode im Sortiment zu haben», sagt Roland Liechti, der zusammen mit Walter Schürch seit 2006 Mitinhaber des Modehauses ist. Heute sei dies eine weitere Stütze des Geschäftsmodells.

«Die Branche beklagt gerade im aktuellen Umfeld wieder massive Einbrüche, weil als Folge des schlechten Wetters im Frühling alle auf ihren Sommerkollektionen sitzen bleiben», weiss er. «Wir haben den Vorteil, dass wir in den Bereichen Konf und Hochzeit stark sind und so weniger saisonabhängig als andere.»

Kunden kommen wieder

Der Fokus auf die Konfirmation hat für Roland Liechti einen weiteren Vorteil: «Der junge Mann kommt als 16-Jähriger ins Geschäft, dann sehen wir ihn vielleicht zehn Jahre nicht mehr. Irgendwann Mitte zwanzig kommt aber so mancher zurück, weil er eine Jeans will, die richtig sitzt – und wir haben nicht wenige ­Bräutigame, die sagen, sie hätten hier ihre Konf-Kleider gekauft.»

Letztlich sei das Geschäft mit der Konf-Mode Teil der Werbestrategie, während der eigentliche Umsatz zweitrangig sei.

Wichtiger als der monetäre Aspekt sei die vermittelte Authentizität. So sind die Jungs, die auf den Werbeflyern auf Papier oder in der digitalen Welt zu sehen sind, allesamt Kunden des Hauses. «Nicht selten rufen uns Mütter schon ein oder zwei Jahre im Voraus an und fragen, ob ihr Bub denn nicht auch posieren dürfe», sagt Liechti nicht ohne Stolz.

In den letzten Jahren profitiert die Modebranche indes allgemein auch von der zunehmenden Lust an der Selbstdarstellung gerade junger Leute in der digitalen Welt mit ihren sozialen Medien.

Selfies als Werbung

Nicht selten passiere es, dass die Kunden schon im Laden ein erstes Selfie machen und sofort veröffentlichen würden. «Für uns ist das natürlich beste Werbung», sagt Liechti. Gleichzeitig betont er: «Jugendliche suchen auf diesen Tools individuelle Looks und kommen mit entsprechenden Vorstellungen und Bildern zu uns. Unsere Aufgabe ist dann, das zu finden, was zur Person passt, aber auch ihren Vorstellungen entspricht – was nicht immer deckungsgleich ist», sagt der Modekenner.

Aktuell sei in der Herrenmode viel Farbe im Trend, und die Fliege erlebe ein Revival. «Aber auch wenn das im Trend ist: Nicht jeder kann so rumlaufen», sagt Liechti.

Alles kommt zurück

Mit Blick auf die Geschichte der Konf-Mode zitiert der Mitinhaber von Roro-Herrenkonfektion eine allgemein bekannte Weisheit: «In der Mode kommt alles wieder mal zurück. Derzeit sind es klassische Anzüge, neu interpretiert. Das heisst: etwas enger und kürzer geschnitten, die aber sehr bunt kombiniert sein dürfen.»

Natürlich habe auch das Oberländer Modehaus alles durchgemacht – vom Samtkittel über die Lederjacke bis zur «Nullbock-Mode» mit Kapuzenjacke und Jeans Anfang der Nuller­jahre. Anders als damals seien namentlich die jungen Männer heute wieder deutlich modebewusster. «Sie überlegen sich viel besser, was sie anziehen wollen», sagt Liechti, «und sie wollen Mode, die sie nach der Konf weiter tragen können.»

Waren früher eher die Mädchen die Modefachfrauen, haben die Jungs definitiv aufgeholt, beobachtet Roland Liechti. «Wenn sie mit einer klaren Vorstellung in den Laden kommen, braucht es manchmal nicht einmal mehr das kritische Auge von Mutter oder Gotte.»

Nicht zuletzt spiele die Berufswahl bei vielen der Kunden, die aus dem ganzen Oberland den Weg nach Interlaken finden, eine wichtige Rolle bei der Wahl der Konf-Kleider. «Wenn jemand eine Banklehre macht, wird er sich in den meisten Fällen für eine eher klassische Schale entscheiden, weil er die später noch brauchen wird», sagt Roland Liechti.

Bisher erschienen: Teil 1 – Die Konfirmanden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.05.2017, 16:59 Uhr

Die Firma

Das Herrenmodegeschäft wurde 1970 in Unterseen von Rolf Moser und Robert Zurbrügg als Roro Zurbrügg & Co. AG gegründet. 1973 wurde das hauseigene Schneideratelier eröffnet. Walter Schürch, seit 2009 zusammen mit Rolf Liechti Mitinhaber der AG, begann seine Laufbahn im Unternehmen bereits 1976. Mit der Eröffnung der Roro-Chemiserie an der Bahnhofstrasse 25 in Interlaken – der heutigen ­Lacoste-Boutique – folgte ein weiterer Meilenstein. 1985 trat Roland Liechti als Lehrling ins Geschäft ein. Ende August 1999 folgte der Umzug an den heutigen Standort beim Bahnhof Interlaken-Ost. 2006 ging Mitgründer Robert Zurbrügg in Pension, und das Duo Liechti/Schürch übernahm seine Anteile. Seit 2009, dem Rückzug des zweiten Mitgründers Rolf Moser, sind Walter Schürch und Rolf Liechti Inhaber der Roro-Herrenkonfektion AG. Heute beschäftigt die Firma inklusive Schneideratelier 13 Angestellte. maz

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