Cornelia Küng leitet als erste Frau das Armbrustschützenkorps

Morgen um 12.30 Uhr starten mit dem Böllerschuss die für viele Thunerinnen und Thuner «drei schönsten Tage» im Jahr. Für Cornelia Küng-Inniger ist es zudem ihr erster Ausschiesset als ­Armbrustschützenleiterin – als erste Frau.

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Zielen und treffsicher schiessen liegt Cornelia Küng-Inniger im Blut. Unerwartet erreichte sie als 14-jährige Kadettin im Ausschiesset-Jahr 1987 beim Kleinkaliberschiessen das Maximum und liess alle im gesamten Korps hinter sich. «Ich erinnere mich noch haargenau an diesen Moment», sagt sie. Paul Pfeuti, der damalige Schiessleiter, habe sie betreut, und die Stadtschützen hätten sie sofort angefragt, ob sie Schützin werden wolle. «Als ich damals an den Kadettentagen das Maximum schoss, war ich noch fürchterlich nervös und schüchtern», erinnert sie sich an ihre Zeit als Teenager. «Am Ausschiesset, wenn Paul und ich uns jeweils sehen, sagen wir sofort zueinander: ‹Weisch no?›! Wir ­lachen noch heute darüber.»

Cornelia Küng-Innigers Schützenkarriere startete steil – und sie bestätigte ihr Talent im Sportschiessen mehrfach. So war sie als Nachwuchsstar bereits mit 18 Schweizer Meisterin im Kleinkaliberschiessen 50 Meter liegend und kehrte von Schweizer Meisterschaften in Dreistellungsmatchs – also mit dem Kleinkaliber liegend, stehend und kniend schiessen – mit etlichen Medaillen heim. Doch mit 23 war als Schützin Schluss: «Nach dem Seminar unterrichtete ich als Lehrerin, begann meine Ausbildung als ­Kinesiologin, betrieb viel Sport und war mit meinem Mann auch gern in den Bergen.»

Wind hat Küng 2011 geholt

Mittlerweile ist Paul Pfeuti rüstige 86 und Cornelia Küng-Inniger engagierte 44 Jahre alt. Unabhängig von ihrem Jahrgang ist ihnen noch immer die ungebrochene Liebe zum Kadettenkorps und zum Schiessen gemein. Zusammen mit ihrem Mann Stefan Küng und ihren beiden schulpflichtigen Kindern wohnt sie seit 14 Jahren in Höfen, hilft aber in Thun trotzdem seit 2001 als Sportleiterin im Korps mit. «2011 gab es eine Vakanz bei den Armbrustschützen. Ich habe sofort an sie gedacht», erinnert sich Markus Wind, der neben ihr am Tisch sitzt und mit ihr die gemeinsamen Jahre im Korps aufleben lässt. «Sie war zwar keine Armbrustschützin, doch sie eignete sich bestens für diese Funktion.»

Der 64-jährige Thuner, der auch viele Jahre in Höfen wohnte und als Lehrer arbeitete, war als Schüler selbst Kadett und Armbrustschütze. Wind wirkte von 1976 bis 2004 als Kadettensportleiter und seit 1996 als Armbrustschützenleiter. 2005 übernahm er die Leitung des Armbrustschützenkorps, und jetzt übergibt er Cornelia Küng-Inniger das Zepter als Chefin.

Erste Frau in dieser Funktion

In seiner Zeit als Korpsleiter hat er sich stark für die Armbrustschützen eingesetzt: So verdankt ihm der Täntsch seine Plastilin-Schiessscheiben. In seiner Zeit wurde zudem der Scheibenstand erneuert. Auch ging der Auftrag für das Gesslerbild und das «Karl des Kühnen»-Bild nach 35 Jahren von Knud Jacobsen an Stefan Giger über. Nachdem Wind sogar das Armbrustschiessen während des geplanten Umbaus des Berntorkreisels hat sicherstellen können, steht nun der ideale Zeitpunkt für den Wechsel nach insgesamt 41 Jahren im Dienste des Korps bevor: «Cornelia Küng-Inniger ist eine perfekte Nachfolgerin», findet Markus Wind und präzisiert sofort noch: «Zudem ist sie überhaupt die erste Frau in dieser Funktion, seit es die Armbrustschützen in Thun gibt.»

Diese wurden erstmals 1532 in einer Säckelamtsrechnung erwähnt und begleiteten als bewaffnete Knaben Umzüge und Gäste in Thun (wir berichteten).

Als Schützin wertgeschätzt

«Ich freue mich auf meine Verantwortung und dass ich in dieser einst vorwiegend von Männern dominierten Welt als Frau schoss, war für mich eh nie ein Problem», sagt Cornelia Küng-Inniger. Sie sei stets gleichwertig behandelt und wertgeschätzt worden. «Heute sind eh alle Bereiche durchmischt.» Dass das Armbrustschützenkorps eines der wohl ältesten in der Schweiz ist und dass das 1839 gegründete Kadettenkorps in Thun eine historische Tradition darstellt, gefällt ihr besonders. «Vor allem liebe ich es, den Teenagern das Schiessen zu vermitteln und dabei mitzuver­folgen, wie sich ihre sozialen Netzwerke bilden», sagt sie voller Vorfreude auf die für viele Thunerinnen und Thuner drei schönsten Tage im Jahr.

Der Höhepunkt für die neue Leiterin des Armbrustschützenkorps ist jedoch nicht am morgigen Eröffnungsumzug oder am Fulehung-Montag, sondern am Dienstag. An der Kranz- und Preisverteilung im Burgsaal stehen Cornelia Küng-Inniger und Markus Wind die offizielle Übergabe bevor, und danach erwartet sie die Feuerprobe. Sie sagt: «Das Gesslerschiessen und der Schlussumzug mit dem siegenden Gessler-Schützen werden mir bestimmt als einmaliger ­Moment in Erinnerung bleiben.»

Thuner Tagblatt

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