Bundesasylzentrum in Thun: Bedenken bezüglich Sicherheit

Thun

Die Ankündigung, dass noch vor Weihnachten auf dem Waffenplatz in Thun ein temporäres Bundesasylzentrums eingerichtet wird, hat für Reaktionen gesorgt. Bedenken gibt es vor allem bezüglich der Sicherheit.

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Die Thuner Ortsparteien haben am Montag auf die Ankündigung des Bundesasylzentrums unterschiedlich reagiert. Die SP Thun begrüsst laut Co-Präsident Jörg Weidmann den Entscheid, «dass in Thun Platz für Flüchtlinge geschaffen wird». Als elftgrösste Stadt der Schweiz müsse auch Thun Verantwortung übernehmen. «Zudem ist es gut, dass das Zentrum nicht irgendwo ‹im Gjät uss› zu stehen kommt», so Weidmann.

Grundsätzlich wünsche sich die SP eine aktivere Rolle der Stadt beim Thema Flüchtlinge. «Falls Bedarf besteht, muss auch über eine Verlängerung des Betriebs im Zentrum nach Ende Mai diskutiert werden.»

«Wir sind als Stadt in der Pflicht, einen Beitrag zu leisten», betont auch Andrea de Meuron, die sich als Fraktionschefin für die Thuner Grünen äussert. Sie spricht von einer «grossen Herausforderung» und offenen Fragen – etwa, was die Sicherheit betrifft. Sie begrüsst den geplanten Infoanlass: «Eine frühzeitige Information ist sehr wichtig. Die Ängste in der Bevölkerung müssen ernst genommen werden.» Wenn es irgendwo ungenutzte Räume und ungenutzte Betten gebe, sei es «nichts als sinnvoll, dass sie für Menschen genutzt werden, die wirklich in Not sind».

«Man musste damit rechnen, dass die Stadt Thun ihren Beitrag leisten muss», sagt Reto Schertenleib, Präsident der SVP Thun. Aus städtischer Sicht «hätte es zudem dümmer kommen können» – etwa mit einem Asylzentrum in der Zivilschutzanlage bei einem Schulhaus. Aber es gebe grosse Fragezeichen, was die Sicherheit auf dem Waffenplatz betreffe. Zuständig ist eine private Sicherheitsfirma. «Wie weit geht das? Bis zum Zaun des Waffenplatzes, und danach ist es das Problem der Stadt?», fragt sich Schertenleib. Und er fügt an: «Man muss sich fragen, ob eine Panzerhalle auf einem Waffenplatz eine geeignete Unterkunft für kriegstraumatisierte Flüchtlinge ist.»

Die Thuner FDP verweist in ihrer Stellungnahme auf den offenen Brief der SVP/FDP-Fraktion zum Thema Asylzentrum auf dem Waffenplatz (vgl. gestrige Ausgabe). «Am Inhalt des Briefs und an unserer Meinung hat sich seither nichts Entscheidendes geändert», hält FDP-Stadtrat Serge Lanz fest. Die FDP und die SVP würden, was das Asylzentrum und seine Auswirkungen betreffe, eine gemeinsame Strategie vertreten.

Gleich wie SVP und FDP zeigte sich auch Susanna Wettstein, Präsidentin der EDU Thun, überrascht, dass das Zentrum nicht zuerst Thema im Stadtrat war. «Doch müssen wir angesichts der aktuellen Situation in ganz Europa schlicht Platz für Flüchtlinge bereithalten», sagt Wettstein. Beim gewählten Standort hätte es laut der EDU-Präsidentin «sicher bessere Alternativen gegeben».

Reto Vannini, Präsident der BDP Thun, betont zur Asylproblematik: «Wir vertreten seit je die Ansicht, die elftgrösste Schweizer Stadt müsse zwingend auch einen Beitrag leisten.» Er kritisiert die Stellungnahme der SVP/FDP-Fraktion, welche die «mangelnde Informationspolitik des Bundes ge­genüber dem Stadtrat» bemängelte: «Ist denn in dieser Frage nicht in erster Linie der Gemeinderat Ansprechstelle für den Bund?»

Die BDP sei überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Thuner Bevölkerung Verständnis für die aktuelle Flüchtlingssituation habe. «Allerdings wären vom Gemeinderat mutiges Handeln und die Bereitschaft gefragt, allenfalls auch unbequeme Entscheide zu treffen und transparent zu kommunizieren.»

Nicole Krenger, Präsidentin der Grünliberalen Partei Thun, findet, dass auch die Stadt Thun eine «humanitäre Verpflichtung» habe, Flüchtlinge aufzunehmen. «Ob der Waffenplatz dafür der richtige Ort ist, da setze ich allerdings ein Fragezeichen», sagt Krenger. Die Nähe zum Militär sei für kriegstraumatisierte Menschen sicher problematisch. Solange es sich um eine vorübergehende Lösung handle, sei dies aber angesichts der räumlichen Verfügbarkeit sinnvoll.

Alois Studerus, Vizepräsident der Thuner CVP, sagt, er verstehe, dass eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einem solchen Zentrum bestehe: «Grundsätzlich will dieses niemand – aber irgendwo müssen die Flüchtlinge ja platziert werden.» Von der EVP Thun war gestern für eine Stellungnahme in dieser Zeitung niemand erreichbar.

Thuner Tagblatt

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