Bundesasylzentrum eröffnet noch vor Weihnachten

Thun

Auf dem Waffenplatz in Thun wird ein temporäres Bundesasylzentrum eingerichtet. Die erste der beiden Panzerhallen wird am 18. Dezember in Betrieb genommen. Schrittweise will der Bund dort bis zu 600 Asylsuchende unterbringen.

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Marius Aschwanden

Jetzt ist es definitiv: In zwei Panzerhallen auf dem Waffenplatz Thun wird der Bund bis zu 600 Asylbewerber unterbringen. Die ersten Flüchtlinge werden gemäss einer Mitteilung des Staatssekretariats für Migration (SEM) bereits am 18.? Dezember dort eintreffen.

Ende Mai schliesst das temporäre Bundesasylzentrum aber bereits wieder seine Tore. Im Juni nämlich geht auf dem Waffenplatz das Berner Kantonalturnfest über die Bühne. Gemäss dem Verteidigungsdepartement VBS werden dazu auch die beiden Panzerhallen benötigt.

Dass auf dem Waffenplatz ein Bundeszentrum entstehen könnte, sickerte bereits am Freitag an die Öffentlichkeit. Nun haben sich der Bund, der Kanton und die Stadt Thun geeinigt. In einem ersten Schritt wird die Panzerhalle A mit 300 Plätzen in Betrieb genommen. «Bei Bedarf kann zu einem späteren Zeitpunkt die zweite Halle B mit weiteren 300 Plätzen genutzt werden», schreibt das SEM.

«Die Hallen werden mit einem Zaun vom restlichen Areal abgetrennt, damit der Ein- und Ausgang des Bundeszentrums kontrolliert werden kann», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin. Für die Sicherheit und den Betrieb zuständig sind die ORS AG und die Securitas AG. Die Asylbewerber würden einige Wochen in Thun leben.

«Während dieser Zeit können sie sich frei bewegen und das Zentrum von 9 bis 17 Uhr verlassen.» Der Zugang erfolge direkt von der Strasse her. Unterkünfte der Soldaten und weitere Infrastruktur des Waffenplatzes würden nicht beansprucht.

Temporäre Infrastruktur

Wie die Asylsuchenden in Hallen leben sollen, die normalerweise als Parkplatz für Fahrzeuge dienen, kann Reichlin noch nicht genau sagen. «Es wird eine temporäre Infrastruktur mit Betten, Trennwänden und sanitären Anlagen erstellt. Zudem gibt es einen Essbereich.»

Das SEM sei sich aber bewusst, dass es sich um ein Provisorium handle. «Es ist unsere Aufgabe, neu eintreffende Asylsuchende unterzubringen und zu versorgen – auch über die Feiertage», sagt Reichlin. Deshalb müssten die vorhandenen Optionen so gut wie möglich genutzt werden. Auch wenn dies bedeute, ein Zentrum nach sechs Monaten wieder zu schliessen.

Die heute bestehenden Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes sind denn auch aus- oder überlastet. Aber nicht nur die Erstaufnahme der Asyl­suchenden stellt das SEM vor Herausforderungen: Auch bei der Bearbeitung der Gesuche hapert es. Aus diesem Grund richtet das SEM in Thun 30 Arbeitsplätze ein, sodass dort auch Asylsuchende registriert, befragt und Entscheide gefällt werden können.

«Beitrag leisten»

In der Stadt Thun wird der Entscheid des Bundes unterschiedlich aufgenommen. «Wir werden versuchen, unseren Beitrag zu leisten, sodass die sechs Monate möglichst problemlos über die Bühne gehen», sagt Peter Siegenthaler (SP), Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales.

«Auf der anderen Seite braucht es auch die Bereitschaft der Asylsuchenden, sich unseren Regeln anzupassen.» Jetzt würden zusammen mit den Blaulichtorganisationen die Verantwortlichkeiten geklärt und präventive Massnahmen besprochen. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir proaktiv auf die Asylsuchenden zugehen und Regeln zum Verhalten im öffentlichen Raum vermitteln.»

Siegenthaler sagt, dass die bis zu 600 Flüchtlinge einen Einfluss auf das öffentliche Leben in der Stadt Thun haben könnten. «Wenn so viele Menschen mit unterschiedlicher Herkunft auf engem Raum zusammenleben, kann es Probleme geben», sagt er. Die Bevölkerung soll am 9.?Dezember an einer Informationsveranstaltung über das Zentrum informiert werden.

Geschenk für Kanton Bern

Der Kanton Bern profitiert vom temporären Bundesasylzentrum in Thun und bereits im nächsten Jahr folgt mit dem Zieglerspital ein weiteres. Pro Unterkunftsplatz in einem solchen Zentrum erhalten die Standortkantone eine asylsuchende Person weniger vom Bund zugewiesen.

Wie viele es für das Zentrum in Thun definitiv sein werden, hängt von der Anzahl tatsächlich belegter Betten ab. Für Bern ist dies so oder so ein Geschenk: Die kantonalen Asylzentren sind seit längerem mit bis zu 120 Prozent überbelegt und in Biel sind erste Asylsuchende sogar obdachlos.

Thuner Tagblatt

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