Thun

Bleiben die SVP und die FDP auf der Überholspur?

ThunSVP und FDP legten jüngst im Stadtrat zu – ohne dies beeinflusst zu haben. Marschiert die SVP in Stadt- und Gemeinderat durch? Und findet die FDP zurück zu alter Stärke?

Markus van Wijk Präsident FDP Thun und Philipp Deriaz
Präsident SVP Thun.

Markus van Wijk Präsident FDP Thun und Philipp Deriaz Präsident SVP Thun.

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In die Legislatur gestartet ist die SVP Thun mit 11 Sitzen im Stadtrat. Inzwischen sind es 13. Im vergangenen Sommer stiessen Serge Lanz von der FDP und Peter ­Aegerter von der BDP zur Volkspartei. Für Parteipräsident Philipp Deriaz ergibt sich daraus ein Luxusproblem: Die SVP ist ak­tuell im Parlament theoretisch übervertreten – zumal vor vier Jahren im Stadtrat ein Wähleranteil von 26,4 Prozent und bei den Grossratswahlen im März 2018 in Thun ein Wähleranteil von 24,3 Prozent erreicht wurde.

«Es ist wegen der zwei Neuzugänge in der Tat eine spezielle Ausgangslage. Dadurch haben wir unsere Wahlziele eigentlich schon erreicht», erklärt Deriaz schmunzelnd. Die Partei habe das ursprüngliche Ziel entsprechend angepasst. Nun laute die Devise: «Sitzzahl halten».

Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Wähler die Parteiwechsel von Lanz und Aegerter goutieren oder ob sie sie allenfalls gerade deswegen abstrafen. «Einfacher geworden ist der Wahlkampf jedenfalls nicht», räumt Deriaz ein. Er gibt aber auch zu bedenken, dass die beiden Überläufer im Jahr 2014 die jeweils Bestgewählten der FDP und der BDP waren.

Zudem habe die SVP bereits in der laufenden Legislatur eine «enge, konstruktive Zusammenarbeit» mit Lanz und Aegerter gepflegt. «In der Partei sind sie voll akzeptiert, darum gibt es auch keinen Grund, nervös zu werden», sagt Deriaz.

Eindeutig präsentiert sich die Ausgangslage bei den Gemeinderatswahlen: Dort peilt die SVP an, die Sitze von Raphael Lanz und Roman Gimmel zu halten. Vor vier Jahren gelang dies mit einem Wähleranteil von fast 40 Prozent.

«Diese Stimmenkraft wollen wir halten», so Deriaz. Für Raphael Lanz wünscht sich der Präsident zudem eine «klare Wiederwahl als Stadtpräsident». Der Amtsinhaber wird sich gegen den parteilosen Architekten Matthias Zellweger behaupten müssen (wir haben berichtet).

«Nicht nur Langsamverkehr»

Im Wahlkampf will die SVP in den kommenden Wochen ein Schlaglicht auf die Verkehrspolitik werfen. «Wir wollen verhindern, dass in Thun nur noch der Langsam- und der Fussverkehr gefördert wird, sondern gleichwertig auch der motorisierte Individualverkehr», sagt Philipp Deriaz.

Weiter will die Volkspartei in naher Zukunft gegen die «Pflästerlipolitik bei den Sportanlagen» kämpfen. Jüngst tat sie dies bereits in der Stadtratsdebatte rund um den Kredit für die Eishalle Grabengut. Als weitere zentrale Themen der nächsten Legislatur nennt der Parteipräsident überdies das Gesamtverkehrskonzept und die Wohnstrategie 2030.

FDP peilt trotz allem Sitz an

Dass die FDP nach acht Jahren Unterbruch wieder in den Gemeinderat zurückkehren will, hat sie im Hinblick auf die Wahlen 2018 von Anfang an klargemacht. Ein ambitioniertes Ziel, das zuletzt eher noch ambitionierter wurde: Die überraschende Kandidatur des Ex-FDP-Mitglieds Matthias Zellweger als Parteiloser dürfte die Freisinnigen Stimmen kosten.

Das streitet Präsident Markus van Wijk nicht ab. Trotzdem sagt er: «Ich denke, dass die Chancen durchaus intakt sind.» Für eine Wahl des FDP-Spitzenkandidaten Carlos Reinhard seien aber diverse Faktoren wichtig: dass die FDP einen guten Wahlkampf führe, dass Zellweger «nicht nur Stimmen beim FDP-Potenzial abholt, sondern auch bei anderen Parteien», dass einerseits die FDP markant zulege und andererseits der Listenverbindungspartner SVP nicht mehr ganz so stark abschneide. «Es ist uns bewusst, dass es hart wird. Aber wenn wir nicht beginnen, wieder auf dieses Ziel hinzuarbeiten, dann können wir es sein lassen», betont van Wijk.

Im Stadtrat verfügt die FDP derzeit über vier Sitze – dies nach zuletzt einem Abgang zur SVP und zwei Zugängen aus der BDP. Präsident Markus van Wijk weist auf den nationalen Trend hin und sieht seine Partei im Aufwind. Als «Minimalziel» nennt er denn auch die Fraktionsstärke von weiterhin vier Sitzen.

«Ich bin aber zuversichtlich, dass es sogar fünf Sitze sein könnten.» Er sei froh, dass die FDP mit vier Bisherigen antreten könne, denn diese hätten einen grossen Bonus. «Wir haben aber auch sonst eine qualitativ hochstehende Liste, insbesondere mit vielen Jungen.»

«Grosse Projekte angehen»

Wie für die SVP ist auch für die FDP der Verkehr ein wichtiges Wahlkampfthema. So müsse etwa auf dem Bahnhofplatz der Verkehr reduziert sowie der Busverkehr intelligent gestaltet werden. Und: «Das Gesamtverkehrskonzept ist uns viel zu wenig visionär», sagt van Wijk. «Wenn wir die Situation bereinigen wollen, müssen wir grosse Projekte angehen.»

Der FDP-Präsident nennt etwa den Hübelitunnel oder die Aarequerung Süd, über die längerfristig gesprochen werden müsse. Zudem solle die Innenstadt «wieder erlebnisreich erscheinen». Und: Die Bildung sei ein zentraler Faktor in Thun. Mit einem guten Bildungsstandort sei die Stadt für die Zukunft gewappnet. «Wir haben eine gute Situation, müssen sie aber noch optimieren.»


Bereits erschienen sind: Die Ziele der Linken (10. 10.) und die Ziele der Mitteparteien (11. 10.). Mit diesem Beitrag beenden wir den Parteienüberblick der Thuner Wahlen 2018. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.10.2018, 06:19 Uhr

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