Baustellen sorgen für Umsatzeinbruch

Thun

Staus wegen der Baustellen in der Thuner Innenstadt sind eine Sache. Jetzt schlagen Politiker und Verbände Alarm: Die Umsatzeinbussen bei Geschäften seien teilweise massiv.

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Mit der Ruhe ist es in Thun spätestens seit Anfang April vorbei. Im wortwörtlichen Sinn: Damals begannen die lärmigen Arbeiten auf den beiden Grossbaustellen am Bern- und Lauitor. Aber auch im übertragenen Sinn: Die Einschränkungen für den Verkehr sorgen nicht nur bei jenen, die auf den zeitweise massiv verstopften Strassen unterwegs sind, für Unmut. Geschäftsleute in der Innenstadt beklagen Umsatzeinbrüche.

Am Dienstag reagierten nun Thuner Parlamentarier: Lukas Lanzrein und Mark van Wijk von der Fraktion SVP/FDP und Peter Aegerter (BDP) verschickten eine Medienmitteilung zu einem dringlichen Vorstoss, den sie einreichen. «Seit die Stadt Thun und der Kanton Bern am 3. April mit den Bauarbeiten in der Thuner Innenstadt begonnen haben, verzeichnen diverse Innenstadtgeschäfte drastische Umsatzeinbussen, welche Arbeitsplätze gefährden», schreiben die drei Stadträte.

«Grosse Gefahr für Geschäfte»

Den Postulanten liegen nach ei­genen Angaben Unterlagen vor, wonach Geschäfte vorab im Bereich der unteren Altstadt, der Unteren Hauptgasse und der Marktgasse Umsatzeinbussen von 50 Prozent und mehr verkraften müssen. Mit ihrem dringlichen Postulat fordern sie Stadt und Kanton auf, «so rasch wie möglich auf einen Zweischichtbaubetrieb umzustellen und die Bauarbeiten über den Ausschiesset hinaus zu verlängern, um weitere negative und existenzge­fährdende Konsequenzen für die Innenstadtgeschäfte abzuwenden».

Bereits sei in einem Geschäft eine Arbeitsstelle weggefallen. Die geplanten Bauphasen von je fünfeinhalb Monaten in den Jahren 2018 und 2019 «bedeuten somit eine grosse Gefahr für unsere Geschäfte in der Innenstadt». Geht es nach den Postulanten, soll die Gesamtbauzeit mit den geforderten Massnahmen deutlich verkürzt und mit dem Ende der Schulsommerferien 2019 abgeschlossen werden.

Verbände legen nach

Mit einem Communiqué meldeten sich am Dienstag auch der Ge­werbeverein Thuner KMU, der Verband Wirtschaft Thun Oberland und die Innenstadt-Ge­nossenschaft IGT zu Wort. Sie unterstützen das dringliche Postulat und fordern ebenfalls, «dass die Bauzeit deutlich verringert wird, indem auf Zweischichtbaubetrieb umgestellt wird».

Weiter heisst es: «Für die drei Verbände stehen Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel.» Derzeit würden aufgrund der Verkehrsführung viele Thunerinnen und Thuner die Innenstadt meiden und ihre Geschäfte und Einkäufe grösstenteils ausserhalb des Stadtzentrums besorgen. «Entsprechend ist auch marketingmässig zu prüfen, mit welchen Massnahmen Einkaufen in der Innenstadt während der Bauzeit attraktiv gestaltet werden kann.»

Kritik an den Bauzeiten kommt zudem von betroffenen Hoteliers am Berntor. So erklärt etwa Bernd Zanker, Geschäftsführer des Hotels Am Schloss – des ehemaligen Elite – gegenüber dieser Zeitung: Dass aus Rücksicht auf die Hotelgäste jeweils nur von 8 bis 17 Uhr gearbeitet werde, verstehe er nicht. «Arbeitszeiten von 7 bis 22 Uhr wären für uns kein Problem» – wenn dafür im Gegenzug die Gesamtbauzeit verkürzt werden könne. Luzia Limacher, Pächterin des gegenüber­liegenden Hotels Emmental, pflichtet Zanker bei: Längere Arbeitszeiten nach 17 Uhr sieht auch sie nicht als Problem.

«Stellen uns der Thematik»

Thuns Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) hält grundsätzlich fest, dass politische Vorstösse an Stadtratssitzungen eingereicht werden – die nächste Sitzung findet am 17. Mai statt. Hädener betont aber: «Der Gemeinderat wird sich so rasch wie möglich mit dem Vorstoss befassen.» Er weist zudem darauf hin, «dass wir uns der Thematik stellen». So seien er und Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) etwa an der Generalversammlung der Innenstadt-Genossenschaft IGT am nächsten Dienstag mit dabei.

Kreisober­ingenieur Markus Wyss seinerseits erklärt, dass an den beiden Baustellen am Berntor und am Lauitor mehrere Bauherrschaften beteiligt seien: Kanton, Stadt und Energie Thun AG. «Wenn die Arbeitszeiten verlängert und die Bauarbeiten beschleunigt werden sollen, müssen alle Bauherren dazu in der Lage sein.»

Aufgrund des politischen Vorstosses werde eine Auslegeordnung nötig sein dazu, abzuklären, was aufgrund der Randbedingungen und Werkverträge möglich sei. «Einen Entscheid müssen die drei Bauherrschaften dann gemeinsam fällen», sagt der Oberingenieur des Kantons.

Thuner Tagblatt

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