Bauriese schockt lokale Gewerbebetriebe

Steffisburg

Dicke Post für die Mieter auf dem Gschwend-Areal. Sie haben diese Woche neue Mietverträge zur Unterschrift erhalten – mit der Information, dass frühestens im April 2017 die Abbrucharbeiten beginnen sollen. Die Gemeinde wusste von nichts.

Auf dem Gschwend-Areal sind zahlreiche Gewerbebetriebe beheimatet.

Auf dem Gschwend-Areal sind zahlreiche Gewerbebetriebe beheimatet.

(Bild: Patric Spahni)

Marco Zysset@zyssetli

Fast 90 Prozent der Stimmenden sagten Ende September Ja zur Änderung der baurechtlichen Grundordnung auf dem Gschwend-Areal zwischen Dükerweg, Au- und Unterdorfstrasse.

Die Änderung der Zone mit Planungspflicht (ZPP) Dükerweg sowie des entsprechenden Artikels im Baureglement soll im Perimeter eine «städtebaulich qualitätsvolle Verdichtung mit gemischter Nutzung» ermöglichen (wir berichteten).

Hauswart bringt Vertrag

Obwohl das Projekt noch weit von einem Baugesuch oder gar einer Baubewilligung entfernt ist, hat das Gros der Mieter auf dem Areal diese Woche dicke Post erhalten, wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben. Vom Hauswart wurde allen Mietern, die in dem Teil des Areals beheimatet sind, der der Baufirma HRS gehört, persönlich ein neuer Mietvertrag zur Unterzeichnung überreicht.

Im Vertrag ist festgehalten, dass das Mietverhältnis spätestens Ende März 2017 endet, damit ab April 2017 mit den Abbrucharbeiten begonnen werden könnte. Wer den neuen ­Vertrag unterzeichnet, verliert sämtliche rechtlichen Mittel wie beispielsweise die Möglichkeit, eine Mieterstreckung erwirken zu können.

Das Mietverhältnis müsste von HRS auch nicht mehr gekündigt werden. Die Firma würde nur noch spätestens drei Monate vor Beginn der Abbrucharbeiten über diesen informieren.

Gemeinde wusste nichts

Neben der HRS sind die Migros und die Gemeinde Eigentümer auf dem Areal. Während die Migros Aare laut Sprecher Reto Wüthrich über das Vorgehen informiert wurde, sah sich die ­Gemeinde mit Fragen aus der Mieterschaft konfrontiert. «Wir erfuhren von Mietern, dass die HRS die Mietverhältnisse neu regeln will», sagte Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP) gestern auf Anfrage, «und nahmen in der Folge mit HRS Kontakt auf.»

Planung läuft

Nach dem Volksentscheid vom September sind HRS, Migros Aare und die Gemeinde derzeit daran, eine Überbauungsordnung (ÜO) auszuarbeiten. Der Grossverteiler will auf dem Areal ein neues Ladenlokal realisieren, hinzu kommt Raum für Wohnen und Gewerbe.

Bei einer Ausnützungsziffer von 1,25 ist in der ZPP für den Bereich Wohnen eine ­maximale Bruttogeschossfläche von 13 000 Quadratmetern erlaubt; für den Bereich Verkauf maximal 5000 Quadratmeter.

Hängig ist noch eine Einsprache bezüglich der Belastung der Umgebung durch den entstehenden Mehrverkehr, über welche der Kanton laut Marti spätestens im ersten Quartal 2017 entscheiden sollte. Erst nach Erledigung dieser Einsprache kann über die ÜO entschieden werden, und dann erst kann ein Baubewilligungsverfahren starten.

HRS: «Baustart 2018»

Ein Beginn der Abbrucharbeiten im April 2017 ist also alles andere als realistisch. In einer Stellungnahme schreibt HRS: «Um den prognostizierten Baubeginn im Sommer 2018 nicht zu gefährden, haben wir auf dem Gschwend-Areal eine Anpassung der Mietverhältnisse vorgenommen. Wir gehen davon aus, dass ein Abbruchbeginn je nach Planungs- und Bewilligungsverlauf frühestens im Frühling 2018 stattfindet.»

Gleichzeitig verweist die HRS-Sprecherin auf das Begleitschreiben an die Mieter, in dem ebenfalls von einem Baubeginn 2018 die Rede ist. Auf die Frage, warum die Mieter mit der Jahrzahl 2017 im Vertrag aufgeschreckt werden, weist sie indes darauf hin: «Fragen zu Vertragsbestandteilen kommentieren wir grundsätzlich nicht.»

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