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Bärfuss’ vier Bilder der Liebe

Mit Lukas Bärfuss’ Stück «Vier Bilder der Liebe» schliesst die Kunstgesellschaft Thun die Saison 2015/2016 ab. Ein nachdenklich machendes Stück, ergreifend gespielt vom Ensemble des Landestheaters Schwaben.

Erhielten viel Applaus für ihren Auftritt: Das Ensemble des Landestheaters Schwaben mit Anke Fonferek und Jan Arne Looss.
Erhielten viel Applaus für ihren Auftritt: Das Ensemble des Landestheaters Schwaben mit Anke Fonferek und Jan Arne Looss.
zvg

Geht es um Liebe, reagiert kein Mensch, wie die andern denken. Lukas Bärfuss’ Stück stellt das ­exemplarisch in vier Szenen dar. Die erste Szene zeigt uns ein Paar, das sich heimlich trifft. Sie, Evelyn, langweilt sich und braucht Abwechslung. Er, Laboronkologe, sucht Sex ausser Haus. Sie ­beschliessen, mit dem Versteckspiel aufzuhören und ihre Beziehung ihren Partnern zu gestehen. Sie rechnen nicht mit Konsequenzen. Doch wie schlecht sie doch ihre Ehepartner kennen.

Die betrogene Frau, Kunstmalerin, bringt ihren Mann um und sitzt nun in Untersuchungshaft. Dort versucht sie ihren Pflichtverteidiger davon zu überzeugen, dass sie nicht aus Eifersucht gehandelt hat, und fragt ihn, was er denn machen würde, ginge seine Frau fremd. Er sei mit Evelyn glücklich verheiratet, antwortet er. Nun kennt sie die Betrügerin, und auch das Publikum erkennt das Drama. Wieder zu Hause, will Evelyn ihrem Mann unbedingt die Wahrheit gestehen.

Zuerst aber erzählt er von seinem Besuch im Gefängnis und davon, dass die Täterin ihren Mann, einen Laboronkologen, mit einem Pinsel umgebracht habe. Evelyn reimt sich zusammen, was geschehen sein muss. Ihr Mann bietet ihr nach ihrem Geständnis an, sie habe sich die Liebschaft nur eingebildet. Schliesslich akzeptiert sie diese Version und bittet ihren Mann um Verzeihung für die Lüge.

Präzise Sprache

Der Theaterabend wird von der Sprache dominiert. Jedes Wort ist wichtig. Worte können aber auch verschleiern. Die Figuren sind genau gezeichnet. Es sind Zeitgenossen, sie stellen die üb­lichen Anforderungen an ihre Partner, erwarten Treue und Sicherheit. Die Situationen, in denen der Zuschauer sie erlebt, beunruhigen, irritieren, amüsieren, sind verlogen, zeitlos oder erotisch.

Bärfuss arbeitet diese Facetten mit einer ausserordentlich präzisen Sprache heraus. Die Schauspieler setzen Gestik und Mimik eher sparsam ein und bewegen sich in einem einfachen Bühnenbild. Dies wirkt einerseits etwas statisch, andererseits lenkt dies nicht von der Handlung ab. Die Aggressionen sind trotzdem spürbar, aber gedeckelt, die Wirkung dadurch eher stärker spürbar.

Das Ensemble des Landes­theaters Schwaben schenkte den Zuschauern einen gelungenen Theaterabend, über den anschliessend im Foyer weiterdiskutiert wurde. Nach der Einführung sei der Eindruck entstanden, der Handlung sei schwierig zu folgen, doch dann habe sich eins zum andern gefügt und das Stück habe gefallen, sagten einige Zuschauer. Die fünf Schauspieler Michaela Fendt, Anke Fonferek, André Stuchlik, Jan Arne Looss und Julian Ricker spielten unter der Regie von Peter Kesten. Sie erhielten für ihren Auftritt viel Applaus.

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