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Aus der Dorfkirche strahlt bereits 5G – und sonst?

Im Berner Oberland und der Region Thun stehen momentan 34 5G-Antennen, vier davon in Spiez. Eine Antenne sticht speziell ins Auge: Sie befindet sich in der Dorfkirche.

In der reformierten Dorfkirche Spiez befindet sich eine Antenne mit 5G-Technologie.
In der reformierten Dorfkirche Spiez befindet sich eine Antenne mit 5G-Technologie.
Heidy Mumenthaler

Spiez ist ein Sonderfall. Den Eindruck kann gewinnen, wer die Website map.geo.admin.ch – ein Statistikportal des Bundes – konsultiert. Darauf sind auch die Standorte von 5G-Antennen einsehbar. So ist ersichtlich, dass der jüngste und umstrittene Mobilfunkstandard bei Antennen im Berner Oberland noch nicht allzu weit verbreitet ist.

Konkret gibt es heute in der Region Thun 11 und im weiteren Oberland 23 Antennen mit 5G-Technologie. Hotspots sind Meiringen, Frutigen, Gstaad und Steffisburg (mit je 2), das Bödeli (3) und Thun (5). Am zweitmeisten 5G hat es in Spiez (4). Eine Antenne sticht da speziell ins Auge: Sie befindet sich nicht wie die Mehrheit in Industriegebieten, an Autobahnen oder mitten im Grünen, sondern in der reformierten Dorfkirche.

Der Kirchturm im Gotteshaus ist nicht nur 5G-ausgerüstet, sondern auch mit 2G, 3G, 4G. Laut den Angaben des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) ist jene in Spiez derzeit die einzige Kirche mit 5G im Lesergebiet und auch in der Region Bern. Mobilfunk gibt es zwar etwa auch im Berner Münster, dort allerdings erst 4G.

Warum aber überhaupt eine Antenne im Gotteshaus? Markus Wenger, im Kirchgemeinderat fürs Bauwesen zuständig, sagt: «Die Höhe der Entschädigung, die wir erhalten, ist nicht budgetrelevant. Die Antenne ist ein Dienst an der Bevölkerung.» Denn: Es sei grundsätzlich sinnvoll, Antennen in Kirch- oder Schlosstürmen unterzubringen.

Die lägen meist zentral, dort, wo eben auch die Nutzer die zunehmend grösseren Datenmengen verschicken. «Solche Anlagen stören auch das Ortsbild nicht.» Die Hauptbelastung sei das eigene Handy, sagt Markus Wenger.

«Sind die Antennen weiter entfernt, braucht es eine entsprechend höhere Leistung.» Darum ist in den Augen des EVP-Grossrats, der selbst elektrosensibel und bezüglich der Weiterentwicklung «sehr kritisch» ist, eine hohe Dichte anzustreben.

Die Swisscom-Anlage in der Dorfkirche wurde 1998 installiert. Da sie bestand, reichte fürs Umrüsten auf 5G ein Bagatellverfahren – ohne Baupublikation und damit ohne Einsprachemöglichkeit. «5G ist von den Frequenzen her wie das Bisherige», so Wenger.

Im Kirchgemeinderat habe es einzelne kritische Fragen gegeben. Der Entscheid für die Ergänzung sei mit klarer Zustimmung gefällt worden. «Aus der Gemeinde habe ich ganz selten Stimmen gehört, die fanden, man sollte in der Kirche keine Natelantenne haben.»

Ist Spiez mit 5G in der Kirche und, geplant, im Schlossturm nun ein Sonderfall? Sabrina Hubacher von der Swisscom verneint. «Alle Mobilfunkstandorte sind für den Ausbau mit 5G vorgesehen.» Spiez verfüge über eine durchschnittliche Anlagendichte. Die Swisscom betreibt schweizweit rund 50 Antennen in Kirchtürmen. «Die werden oft von den Gemeinden selbst als Standorte vorgeschlagen», so Hubacher.

In einer früheren Version dieses Artikels war im Lead fälschlicherweise von 11 5G-Antennen im Oberland die Rede. Diese Zahl bezieht sich auf die Antennen in der Region Thun.

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