Attacke von Asylsuchenden: Zeuge spricht von «absolut extremen» Szenen

Thun

Als eine Polizeistreife am Dienstag in Thun drei Bewohner des Bundesasylzentrums kontrollieren wollten, rasteten zwei davon aus und griffen die Polizisten an. Ein Polizist wurde dabei verletzt.

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Wüste Szenen spielten sich am Dienstagnachmittag kurz vor 15 Uhr im Bälliz in Thun ab: Als eine Polizeipatrouille drei Männer kontrollieren wollte, setzten sich diese gemäss Mitteilung der Polizei «teilweise zur Wehr». In der Folge wurden mehrere Patrouillen beigezogen und entschieden, die Personen für weitere Abklärungen auf die Wache zu führen. «Dabei setzten sich zwei Männer so heftig zur Wehr, dass ein Polizist verletzt wurde und sich für weitere Abklärungen ins Spital begeben musste», schreibt die Polizei. Dieser sei nur leicht verletzt worden, momentan aber nur bedingt dienstfähig, verlautete die Medienstelle auf Nachfrage.

Die drei Männer konnten schliesslich arretiert und festgenommen werden. Während ein 26-jähriger Mann aus Senegal die Wache noch am Abend wieder verlassen konnte, wurden die beiden anderen – ein 23-jähriger Mann aus dem Tschad und ein 18-jähriger Mann aus Sierra Leone – vorläufig festgenommen. Sie müssen mit einer Anzeige rechnen. Wie die Polizei bestätigte, sind die drei Männer Bewohner des Bundesasylzentrums auf dem Waffenplatz.

Zwei Männer rasteten aus

P.S.*, ein Geschäftsmann im Bälliz, erlebte den Vorfall hautnah mit. Was sich abgespielt habe, sei «absolut extrem» gewesen. Zwei Männer seien komplett ausgerastet, als die Polizisten sie kontrollieren wollten, einer davon habe völlig die Kontrolle über sich verloren. «Die Polizisten haben sich dabei absolut fair verhalten», so der Augenzeuge. Er, der kampfsporterprobt ist, eilte den Polizisten zu Hilfe. Zu dritt gelang es ihnen, den Mann zu überwältigen, bevor noch mehr Verstärkung der Polizei eintraf.

Um die Szene habe sich rasch eine Menschenmenge gebildet. «Das war regelrecht ein Mob, der teils rassistische Zwischenrufe von sich gab», so P.S.. Eine Person habe die Situation ausgenutzt und dem bereits überwältigten Mann zwei Tritte verpasst. Er und die Polizisten hätten gar keine Möglichkeit gehabt zu reagieren, sagt der Augenzeuge. «Das hat mich dermassen geärgert!» Er sieht die Sache als absoluten Einzelfall: «Es wäre falsch, deswegen Flüchtlinge im Allgemeinen zu verteufeln», sagt er. «Im Moment kommt die Menschlichkeit ohnehin zu kurz.»

Siegenthaler stellt Fragen

Im Bundesasylzentrum selber ist die Stadt nicht für die Sicherheit zuständig – im öffentlichen Raum aber sehr wohl. Deshalb ist vom Vorfall auch Thuns Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler betroffen. «Wir haben die Personenkontrollen nach der Eröffnung des Zentrums intensiviert», sagt der SP-Gemeinderat.

Grössere Zwischenfälle habe es nicht gegeben. «Es ist das erste Mal, dass eine solche Kontrolle derart aus dem Ruder lief.» Siegenthaler betont auch, dass die Asylsuchenden im Zentrum instruiert würden, was das Verhalten im öffentlichen Raum betreffe. Während es im Bundesasylzentrum selber schon mehrfach Polizeieinsätze gab, seien diese Instruktionen für den öffentlichen Raum bisher auf gute Resonanz gestossen.

Laut Peter Siegenthaler findet am Freitag wie seit längerer Zeit geplant der nächste Runde Tisch mit allen Beteiligten in Sachen Bundesasylzentrum statt. «Dort werde ich den Vorfall ganz sicher thematisieren.» Er wolle wissen, wie innerhalb des Zentrums darauf reagiert werde, führt Siegenthaler aus: «Wie wird das Ganze aufgearbeitet? Gibt es Konsequenzen für die Beteiligten oder sind diese wieder auf der Gasse anzutreffen?»

Klar ist für den Sicherheitsvorsteher: «Was diese Personen abgeliefert haben, ist definitiv kein Dienst an ihrer Sache – und auch nicht an der Stadt, die in guter Absicht zum Zentrum Ja gesagt hat.» Die Asylbewerber dürften Respekt im Umgang mit ihnen erwarten – «ich fordere aber das Gegenrecht ein, dass sie sich auch im Umgang mit uns korrekt verhalten».

*Name der Redaktion bekannt

Thuner Tagblatt

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