Als wäre Musik frisch geschlüpft

Thun

Ein faszinierendes Klangerlebnis boten am Mittwoch Pianist Nik Bärtsch und Klarinettist Stefan Haslebacher alias Sha mit ihrer «Ritual Groove Music».

Schlosskonzerte im Kunstmuseum:?Für einmal waren die Jazzmusiker Nik Bärtsch (Klavier) und Sha (Bassklarinette), die seit 15 Jahren im Quartett «Ronin» auftreten, als Duo zu hören.

Schlosskonzerte im Kunstmuseum:?Für einmal waren die Jazzmusiker Nik Bärtsch (Klavier) und Sha (Bassklarinette), die seit 15 Jahren im Quartett «Ronin» auftreten, als Duo zu hören.

(Bild: Markus Hubacher)

Mit einem «Lueg emal, wie das tönt!» hatte Lorenz Hasler in seiner Begrüssungsrede bereits den Nagel auf den Kopf getroffen. Der künstlerische Leiter neben Gisela Trost und dem Schlosskonzerte-Team zeigte mit der Auswahl der beiden Ausnahmemusiker einmal mehr eine sichere Hand. Der Zürcher Pianist freute sich auf den Auftritt in Thun, denn sein Grosi sei eine Thunerin gewesen und habe ihn beim Nüüni-Zie immer gewinnen lassen.

Die klingende Zeitung ist leider noch nicht erfunden. Was stellt man sich also unter «Ritual Groove» oder «Zen Funk» vor? Klassische Klänge und traditionelle japanische Kunstmusik verschmelzen mit Jazz und Funk zu einem nie gehörten, unerhörten Mikrokosmos. Musik «am offenen Herzen»

Wenn Pianist Nik Bärtsch am Flügel sitzt, dann bearbeitet er nicht nur die Tastatur. Er operiert sozusagen am offenen Herzen, indem er im aufgeklappten Flügel die Saiten federleicht streichelt, rhythmisch beklopft oder mit einem Holzstab zum Schwingen bringt, um ihnen Töne zu entlocken, die so wohltuend einlullen wie ein Mantra.

Bewusst wird darauf verzichtet, den rund zwanzig Minuten dauernden Stücken Namen zu geben. Der Pianist nennt diese sinnlich umarmenden Kompositionen schlicht Module. So können alle Zuhörenden in eigene Assoziationen eintauchen, ohne von Namen oder Bezeichnungen belästigt zu werden. Da ein Meeresrauschen, hier ein Herzschlag, vorbeifahrende Autos, eine Katze, die eifrig nach einem Schmetterling tatzelt. Sich diesen Klängen entziehen zu wollen, ist zwecklos.

Der Beatboxer an der Bassklarinette

Perlend-hohe Töne vom Klavier flirren über dem wohligtiefen Tönen der Bassklarinette von Sha. Der Zenmeister am Piano scheint über die Welt der Oberflächlichkeit zu lächeln, welche diese Urmusik nicht stören kann – es scheint, als wäre sie eben neu geboren. In diesem Klangkosmos geht Sha auf, ein Beatboxer an der Bassklarinette. Der Drummer, der in ihm wohnt, hat es bis ins Mundstück geschafft. Der Berner Musiker zischt, schnalzt und entlockt dem Instrument Töne, von denen es selbst nichts geahnt hat. Nach einem Modul, das den Puls hoch- und wieder heruntergetrieben hat, gehts getragen weiter – als ob es Nacht würde. Dazu erzählt die Regentraufe, die durch den Konzertsaal führt, vom Gewitter draussen – ihr Plätschern macht sich zum Teil des «Ritual Groove». Und die rund fünfzig Zuhörer werden auf die nächste innere Reise geschickt. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.www.schlosskonzerte-thun.ch

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