Ein Spaziergang für die Ohren

Thun

Dass ein Museumserlebnis nicht an vier Wände gebunden ist, beweist das Kunstmuseum Thun. Der Klangkünstler Julian Sartorius erschuf einen akustischen Stadtrundgang.

Trommelt Thuns Töne aus unscheinbaren Gegenständen: Julian Sartorius

Trommelt Thuns Töne aus unscheinbaren Gegenständen: Julian Sartorius

(Bild: Patric Spahni)

Aus Anlass des 70-Jahr-Jubi­läums des Kunstmuseums entwarf der in Thun aufgewachsene Künstler Julian Sartorius einen akustischen Stadtrundgang. Zehn Orte in der Stadt hat er für «Thun Thun Thun» ausgewählt, auf ihren Klang untersucht und diesen aufgenommen. Darunter sind Brunnen, Treppen und Parkautomaten – Hauptsache unauffällig.

Das Resultat ­hören Besucherinnen und Besucher des Museums, wenn sie auf ihrem Smartphone die Website www.thunthunthun.ch aufrufen, darauf die Karte öffnen und die eingezeichneten Orte anpeilen. Sobald das Klangobjekt weniger als 50 Meter entfernt liegt, kann der dreiminütige Track abgespielt werden. «Unbedingt Kopfhörer verwenden!», empfiehlt Sartorius. Würden die Töne über die Lautsprecher abgespielt, gehe viel Qualität der Aufnahme ver­loren.

Vom Ton zum Bild

Als Ergänzung zum Stadtrundgang erscheint ein Buch mit Bildern in der Frottage-Technik. Auf jeden Klangort legte Sartorius ein weisses Blatt und rieb mit Kohle darüber: «Das ist die direkte Übersetzung des Tons ins Vi­suelle.»

Aufs Cover des Buches geschafft hat es das Gitter der Eingangstür zum Schlossmuseum: eine Schar kleinster Löcher, die sich aneinanderdrängen. Das Schloss markiert zugleich den Wendepunkt des einstündigen Stadtrundganges, von dort aus führt die Strecke an der Stadtkirche und dem Lauitor vorbei zurück zum Ausgangspunkt, dem Kunstmuseum.

Julian Sartorius hofft, dass die Leute durch die Erlebnisse auf dem akustischen Rundgang durch Thun ihre Aufmerksamkeit schulen: «Im Alltag schauen und hören viele Menschen nicht genau hin, was um sie herum passiert.

Dabei wäre es schön, genau für diese Dinge wach zu sein.» Wen es nach dem Spaziergang nach mehr Sartorius-Perspektive dürstet, kann im Museum ein weiteres Werk von ihm erleben. In einer Videoinstallation zeigt er seine Eindrücke aus dem Depot, der Lagerstätte der Kunstwerke des Museums.

Den Rundgang erkunden kann das Publikum ab dem 5. September. Zwar findet im November eine Finissage statt, über die Website können die Tracks aber auf unbestimmte Zeit angehört werden. Damit auch weiterhin unscheinbare Objekte ihre verdiente Dosis Aufmerksamkeit kriegen.

Thuner Tagblatt

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