Abschied nach über 30 Jahren hinter dem Lenkrad

Über drei Jahrzehnte lang fuhr Bernhard Fankhauser als STI-Chauffeur Busse durch die Region Thun. Heute Samstag feiert er seinen 65. Geburtstag und absolviert seine letzte Fahrt nach Heimenschwand.

STI-Chauffeur Bernhard Fankhauser mit seinem Lieblingsfahrzeug, Bus Nummer 131.<p class='credit'>(Bild: Janine Zürcher)</p>

STI-Chauffeur Bernhard Fankhauser mit seinem Lieblingsfahrzeug, Bus Nummer 131.

(Bild: Janine Zürcher)

Schnell klettert Bernhard Fankhauser auf die kleine Leiter, montiert den Seitenspiegel samt dem Trägerarm vom Linienbus ab und deponiert ihn vor der ersten Sitzreihe. Dann setzt Fankhauser sich auf den Fahrersitz und ruft seinem Kollegen draussen zu: «Isch guet!»

Die Bürsten der Waschanlage beginnen sich zu drehen, der Bus wird gründlich gesäubert. «Mein Lieblingsauto», sagt Bernhard Fankhauser und streicht versonnen über das Lenkrad von Bus Nummer 131 der Verkehrsbetriebe STI, der für das Zeitungsfoto besonders sauber sein soll. Dieser Bus sei sehr angenehm zu lenken, erklärt Fankhauser. Er muss es wissen: In seinen 32 Dienstjahren bei der STI hat er viele Fahrzeuge kommen und gehen sehen.

Ein letztes Mal Linie 42

Lange sind Bernhard Fankhauser und die Nummer 131 nicht mehr zusammen unterwegs. Heute Samstag feiert der Chauffeur aus Thierachern seinen 65. Geburtstag, gleichzeitig ist heute sein letzter Arbeitstag bei der STI. Das habe er sich so gewünscht, sagt Fankhauser.

«Es ist wie überall sonst: Alles muss heute möglichst schnell gehen.»Bernhard Fankhauser

Die letzte Fahrt, so viel verrät er, führt ihn nach Heimenschwand, via Fahrni und Schwarzenegg, Linie 42. «Die bin ich immer sehr gerne gefahren, vor allem den Rundkurs ab acht Uhr abends, der macht die Strecke dreimal und endet kurz vor Mitternacht in Heimenschwand.»

Vom Lastwagen zum Bus

Grosse Fahrzeuge hatten es Fankhauser schon angetan, bevor er zur STI kam. Nach dem Bauernlehrjahr absolvierte er die Lastwagenprüfung, arbeitete 14 Jahre lang bei der Gafner AG, die heute im Gwatt ansässig ist. 1985 begann er, bei der damaligen Autoverkehr AG in Heimenschwand Güter zu transportieren und gleichzeitig Linienbusse zu fahren.

Als die STI die Firma 1999 übernahm, bot man Fankhauser an, Vollzeit als Buschauffeur zu arbeiten. Er sagte Ja, obwohl er eigentlich gar nie habe Bus fahren wollen, «das war nie ein Wunsch von mir.» Trotzdem hat er in den vergangenen Jahrzehnten Gefallen daran gefunden: «Ich bin kein einziges Mal mit Widerwillen zur Arbeit gegangen.»

Ein Herz für Fahrgäste

Fankhauser erlebte während seiner Zeit bei der STI viele Verän­derungen mit. «Es ist wie überall sonst: Alles muss heute möglichst schnell gehen», fasst der Chauffeur zusammen. Fahrzeiten seien gestrafft worden, und Ticketkontrollen werden nicht mehr vom Fahrer selbst durchgeführt, dadurch sei auch der Kontakt zum Fahrgast geringer als früher.

Dabei schätzte Fankhauser gerade den Umgang mit den Mitfahrenden besonders, und er hatte ein Herz für sie: «Es ist mehrmals passiert, dass jemand abends seine Haltestelle verschlafen hat oder sonst gestrandet ist. Wenn ich Zeit hatte, habe ich die Leute dann in meinem PW an den richtigen Ort gebracht.»

«Ich werkle gerne an meinen Old­timer-Landmaschinen herum.»Bernhard Fankhauser

Fahrzeuge werden den bald pensionierten Fankhauser auch weiterhin beschäftigen. «Ich werkle gerne an meinen Old­timer-Landmaschinen herum.» Und das Lastwagenfahren habe ihn nie ganz losgelassen. Er werde bei Bedarf bei einem Unternehmen ab und zu als Chauffeur aushelfen.

Ansonsten werde man ihn in Zukunft öfters in den Bergen antreffen: Fankhauser ist passionierter Skifahrer und Wanderer. Ausserdem haben seine Frau und er sich vor ein paar Jahren einen kleinen Camper gekauft. Damit wollen sie die vielen schönen Ecken der Schweiz erkunden – natürlich sitzt dabei Bernhard Fankhauser hinter dem Steuer.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt