Zwei Oberländer fliegen zum Weltrekord

Lauterbrunnen

Zwei Freunde aus dem Bödeli machten einem Basejumping-Weltrekord am Dienstag den Garaus: Sie schwebten mit dem Wingsuit von der Wengen-Jungfrau nach Lauterbrunnen und flogen dabei bis zu vier Minuten im freien Fall.

Dominik Wicki (Bildmitte) bei seinem Rekordsprung hoch über dem Spaltenmeer des Giesengletschers, von der Wengen-Jungfrau aus gesehen. Am oberen Bildrand das Trimmletental.

(Bild: Bruno Petroni)

Genau 10 Minuten lang war der Mattner Dominik Wicki am Dienstagnachmittag neuer Weltrekordhalter im Basejumpen von einem erdgebundenen Gegenstand – also einem Berg zum Beispiel. Genau so lange, bis auch sein Freund Bernhard «Beni» Kälin die Flügel seines Wingsuits ausbreitete.

Echte Herausforderung

Doch schön der Reihe nach: Nach einem fünfstündigen Aufstieg vom Jungfraujoch zum Jungfraugipfel, auf welchem sich Wicki und Kälin ihre Spur durch den vor wenigen Tagen frisch gefallenen Schnee und Brucharst mit ihren wenigen Begleitern erst noch selber bahnen mussten und einen kurzen Abstecher auf den Hauptgipfel gemacht hatten, standen die beiden Abenteurer schliesslich auf dem nur wenige Zentimeter schmalen Grat der Wengen-Jungfrau. Und hier hatten die Haudegen durchaus auch mal Höhenangst.

Jedenfalls stellte für sie die Traversierung des kurzen Grates eine echte Herausforderung dar. Die Mission von Wicki und Kälin lautete, die 700 Meter über dem Giesengletscher hängende Absprungstelle unterhalb der Jungfrau ausprobieren zu gehen. Von dieser kleinen Plattform aus hatte am 11.August der Zürcher Patrick Kerber seinen zweiminütigen Höhendifferenz-Rekordflug von 3240 Höhenmetern gestartet.

Wickis Flug zum Rekord

Nun war es also am Dienstag kurz vor vier Uhr so weit: Nach einem kühnen Absprung auf ebendiesem Felssporn nördlich der Wengen-Jungfrau auf 4060 Metern über Meer setzte Dominik Wicki zu einem Streckenflug über den Giesengletscher, das Biglenlamm und Girmschbiel an, «bis mir nach dreieinhalb Minuten fast die Arme abfielen». Nach 3 Minuten und 43 Sekunden freiem Fall zog er im Lauterbrunnental unten die Leine zum Öffnen des Fallschirms. Damit hatte der 28-jährige Gleitschirmtandempilot den zweijährigen Weltrekord des Amerikaners Dean Potter von 3:20 Minuten um 23 Sekunden überboten.

10 Minuten später hatte auch Beni Kälin nach der 30 Meter langen Abseilerei im vertikalen, mit Schnee und Eis versetzten Gelände knapp 100 Meter unter dem Jungfraugipfel die ausgesetzte Absprungstelle erreicht. Und der 27-jährige Unterseener mit den stählernen Nerven war für einmal tatsächlich nervös – so nervös, dass er sogar die Videokamera auf seinem Helm nicht richtig einstellte und auch nicht mehr so gesprächig war wie sonst. «Easy – kein Problem zum Starten. Das wird dein Traumflug heute», tönte derweil der soeben neben dem Camping Jungfrau in Lauterbrunnen gelandete Dominik Wicki aus Benis Mobiltelefon.

Start – und nach einem ausgedehnten Gleitflug zog auch Beni seine Leine – nach exakt 4 Minuten und 0 Sekunden. Kälin, der als Gelegenheitsbasejumper am letzten Samstag an den Weltmeisterschaften in Stechelberg in einem Weltklassefeld von 34 Piloten Elfter geworden ist, arbeitet als Teilhaber der Flugschule Chill-out-Paragliding beruflich als Gleitschirmfluglehrer. Und ist jetzt Weltrekordler.

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