«Zehn Meter – eine bequeme Reserve»

Wengen

Im Freifall zehn Meter an den Klippen des Männlichen vorbei: Ein Deutscher und ein Norweger schafften das – und wollen diese Distanz zur Felswand noch weiter verringern. Das Wetter dürfte einen Versuch heute verhindern.

Bruno Petroni

Er gehört zweifellos zu den verrücktesten Springern der Gegenwart: Der Deutsche Dominik Loyen hüpfte am vergangenen Samstag gemeinsam mit seinem Norweger Partner Joakim Sommer hoch über dem Tschuggen auf 3000 Meter über Meer aus dem Helikopter. Sekunden später flog er mit 250 Stundenkilometern und vor dem staunenden Publikum um die Haaresbreite von zehn Meter an den Klippen des Männlichen – den so genannten «Männlichenhore» vorbei und landete nur eine Minute später in Wengen unten neben dem Skischul-Gelände.

Nächstes Mal noch näher

«Mit zehn Metern habe ich noch eine bequeme Reserve. Wenn es zu knapp wird, sehe ich das früh genug und kann den Wingsuit etwas mehr spannen und den 30-grädigen Gleitwinkel voll ausschöpfen»: Der Fallschirmsport-Ausbilder spricht über seine waghalsigen Sprünge mit einer Selbstverständlichkeit wie ein anderer vom Radfahren: «Das nächste Mal werden es jedenfalls weniger als zehn Meter sein. Diese Art von Annäherung an die Felswände ist ein ganz besonderer Kick.» So spricht man in der Szene denn auch vom «proximity flying», also quasi dem Annäherungsflug zu einem Objekt. Der Start erfolgt normalerweise von einem hoch schwebenden Helikopter aus.

Akribisch genaue Planung

Die Frage, ob denn das Basejumpen an sich nicht bereits gefährlich genug sei, beantwortet der 40-jährige Dominik Loyen stoisch ruhig: «So ein Sprung wird im Vorfeld natürlich akribisch genau geplant und studiert. Ausserdem kann ich auf meine langjährige Erfahrung vertrauen.» In der Tat gehört Loyen mit 5500 Fallschirmspringern und 350 Basejumps weltweit zu den erfahrensten Haudegen dieser Zunft.

Drei Tage lang vom Eiger

Der Nordrhein-Westfaler plant für den nächsten Herbst im Berner Oberland ein dreitägiges Sprungfestival der 16 weltbesten, eingeladenen Springer: «Im Rahmen eines Dok-Filmprojektes wollen wir drei Tage lang über dem Eiger abspringen, hinter dem Mittellegigrat und durch die Fischerlücke hindurch fliegen und bei der Gletscherschlucht landen». Mit dem geplanten Dok-Film soll diese Erweiterung des Basejumpens dem breiten TV-Publikum näher gebracht werden.

Nächsten Samstag wieder?

Doch zunächst will Loyen den Sprung vom letzten Samstag nochmals wiederholen und noch näher an der Felswand des Männlichen vorbeifliegen. Der Versuch ist für heute Samstag 15 Uhr geplant. Die Wetterprognosen dürften das Vorhaben heute allerdings kaum möglich machen. Loyen: «Dann springen wir halt eben am nächsten Samstag.»

Thuner Tagblatt

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