Thun

«Zack, booom, fertig»: Der Mokka Summerdance ist gestorben

ThunUm 22 Uhr muss im Garten der Café-Bar Mokka mit Musik Schluss sein. Darauf pocht der Regierungsstatthalter. Das bedeutet das Ende für Mokka Summerdance – nach 17 Jahren.

Jetzt ist Schluss. Pädu Anliker und seine «Cafe Bar Mokka» wurden aufgefordert, die Musik um 22 Uhr auszuschalten. (Archivbild: Das Plakat wies damals auf die Konzertreihe «Am Schluss» hin)

Jetzt ist Schluss. Pädu Anliker und seine «Cafe Bar Mokka» wurden aufgefordert, die Musik um 22 Uhr auszuschalten. (Archivbild: Das Plakat wies damals auf die Konzertreihe «Am Schluss» hin) Bild: Patric Spahni

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«In tiefer Trauer teilen wir euch mit, dass in diesen Tagen unser 17-jähriges Kind Mokka Summerdance unerwartet verstorben ist.» Mit drastischen Worten verkündet Pädu Anliker, Betreiber des Thuner Musik-Clubs Café-Bar Mokka, in einem E-Mail das Aus für den Sommeranlass Summerdance. Dieser lockte jahrelang mit Freiluftdisco während rund dreier Monate an vier bis fünf Tagen pro Woche die Leute in den Mokka-Garten. Was ist geschehen? «Aufgrund einer amtlichen Verfügung müssen wir im Garten die Musik um 22 Uhr abstellen. Und dies ab sofort», sagt Anliker. Der Hintergrund: Nach einer Lärmklage aus der Nachbarschaft und dem «Besuch» einer Streife der Kantonspolizei habe diese die Betriebsbewilligung genauer unter die Lupe genommen.

Auflage: Um 22 Uhr ist Schluss

In der Bewilligung steht, dass der Summerdance-Betrieb bis 3.30 Uhr laufen darf – aber nur bis 22 Uhr mit Musik. «17 Jahre lang hat sich niemand daran gestört», führt Anliker aus – und bezeichnet es selber als Überraschung, «dass wir 17 Jahre quasi illegal agierten». Jetzt hätten drei Bussen wegen Nachtruhestörung und der Bericht der Polizei an den Regierungsstatthalter dazu geführt, dass Letzterer die Mokka-Verantwortlichen aufforderte, die Beschallung um 22 Uhr zu beenden. Statthalterstellvertreter Stephan Zingg erklärt: «Wir haben nichts Spezielles verfügt, sondern Herrn Anliker auf die seit Jahren geltenden Auflagen aufmerksam gemacht.» Dass diese nicht eingehalten wurden, sei bei Polizeikontrollen festgestellt worden. Daraufhin wurden die Mokka-Verantwortlichen verzeigt. Entsteht nach 17 Jahren nicht eine Art Gewohnheitsrecht? «Nein, ganz klar nicht», antwortet Stephan Zingg. Zudem stamme die gültige Betriebsbewilligung aus dem Jahr 2004. «Wie die Regelung zuvor war, entzieht sich meiner Kenntnis», sagt Zingg. Gemäss einem gestern Abend verschickten Communiqué ist Zingg jedoch für Gespräche mit Anliker bereit.

Leute kommen nach 24 Uhr

Trotz «blutendem Herzen» weiss Anliker: «Rein rechtlich ist der Fall klar.» Die Konsequenz lautet für ihn, dass Summerdance so nicht mehr möglich ist. Denn: «Die Jungen sind heute abends vor allem auf dem Mühleplatz. Den Mokka-Garten bevölkern sie erst nach Mitternacht.» Ein Gesuch für eine neue Bewilligung will er nicht stellen. «Das würde ein Vernehmlassungsverfahren nach sich ziehen. Und die Gesamtsituation ist halt heute so, dass 70 Meter vom Mokka entfernt Wohnungen stehen.»

Nicht betroffen ist der Betrieb im Inneren des Clubs:?Dort läuft das Programm normal weiter. Und auch das Gartenkonzert von Stiller Has am 15.September findet statt – dafür hat Anliker eine spezielle Bewilligung beantragt.

«Darf doch nicht wahr sein»

«17 Jahre Mokka Summerdance ist nun Geschichte, und uns bleibt nur die Trauer und die Ohnmacht», schreibt Pädu Anliker in seinem «Trauertext». Ganz fassen kann er es noch nicht: «Dass so etwas Einmaliges von einem Tag auf den anderen sang- und klanglos verschwindet – das darf doch nicht wahr sein», sagt der Mokka-Chef. Für ihn ist klar: «Das wird vieles verändern. Künftig sitzen die Leute wohl hier im Garten und hören auf ihren Handys Musik.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.08.2012, 11:17 Uhr

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