Thun

Wikipedia-Administrator Zumstein: «Etwas Missionarisches ist dabei»

Thun400 Millionen Menschen nutzen jeden Monat das Onlinenachschlagwerk Wikipedia. Der Thuner Marcel Zumstein ist einer der Administratoren, der für die Korrektheit der Einträge kämpft.

Der Thuner Marcel Zumstein vor dem Computerbildschirm: Er ist einer von rund 25 Wikipedia-Administratoren in der Schweiz.

Der Thuner Marcel Zumstein vor dem Computerbildschirm: Er ist einer von rund 25 Wikipedia-Administratoren in der Schweiz. Bild: Markus Hubacher

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Wikipedia auf Deutsch enthält beispielsweise gegen 1,2 Millionen Artikel, die (meistbesuchte) englische Version rund 3 Millionen. Jeder Internetbenutzer kann aber Wikipedia nicht nur lesen, sondern auch als Autor mitwirken. Die Idee einer allumfassenden Enzyklopädie hatten die beiden Gründer Jimmy Donald Wales und Larry Sanger im Jahr 2000, aufgeschaltet wurde Wikipedia am 15.Januar 2001. Dieses Datum gilt deshalb als eigentliche Geburtsstunde. Wikipedia setzt sich aus «wiki» (auf Hawaiianisch «schnell») und «pedia» (engl. encyclopedia) zusammen.

Preis für Wikipedia-Gründer

Wales, der von seinen Freunden liebevoll «Jimbo» genannt wird, hat für Wikipedia den klaren Grundsatz «Ohne Werbung, ohne Profit, ohne Hintergedanken». Wales erhielt im Lauf der letzten Jahre eine ganze Reihe von Preisen und Auszeichnungen. Heute verleiht ihm das GDI in Rüschlikon den Gottlieb-Duttweiler-Preis 2011 in Höhe von 100000 Franken. In zahlreichen Ländern sind eigenständige Vereine entstanden, so auch Wikipedia Schweiz. Eine neue Untergruppe in einer weiteren Sprache kann jederzeit gegründet werden, sobald sich genügend Interessierte finden. Diese Communities sind weitgehend selbstständig, müssen sich allerdings an die Spielregeln der internationalen Stiftung halten: das Gebot des neutralen Standpunkts (neutral point of view, NPOV), die Nachprüfbarkeit und das etwas unklar formulierte Postulat «keine Theoriefindung». Dass Ehrenkodex und angestrebte Qualität der Artikel eingehalten werden, darüber wachen in allen Ländern sogenannte Administratoren, die von der Benutzergemeinde gewählt werden.

Administrator aus Thun

In der Schweiz gibt es etwa 25 solcher Administratoren – einer davon ist Marcel Zumstein aus Thun. Er wendet jede Woche mehrere Stunden an Freiwilligenarbeit auf, neu ins Netz gestellte Beiträge zu überwachen und allenfalls zu korrigieren. Er kann auch willentlich unrichtige und verzerrte Artikel oder sogenannte «Vandalenakte» vorübergehend oder ganz sperren. Damit soll bewusst falschen, bösartigen oder gar rassistischen Texten der Riegel geschoben werden.

«Ich verstehe meinen Einsatz als Dienst an der Allgemeinheit und im Interesse der Wissensvermittlung», umschreibt der Thuner sein Engagement. «Ich habe Freude, anderen Wissen zu vermitteln.» Er selber kam ursprünglich über seine Fachgebiete Münzen, Schweizer Geschichte und Geografie dazu. Ist er im Innersten ein Weltverbesserer? «Etwas leicht Missionarisches ist wohl immer dabei», meint er schmunzelnd. Aber auch etwas Un-Elitäres: «Früher hatten nur wenige die Brockhaus-Bände im Büchergestell. Auf Wikipedia kann heute jeder zugreifen,» Er will seine Funktion allerdings nach wie vor als Hobby verstanden wissen.

Weltweit 370 Server

Am Hauptsitz der Stiftung in San Francisco arbeiten rund 30 Angestellte fürs Funktionieren der grossen Idee. Sowohl interne Verlinkungen wie die ganze Logistik sind beeindruckend: Zurzeit sind nicht weniger als 370 Server in den USA, den Niederlanden und in Asien aktiv. Sie verarbeiten zwischen 25000 und 60000 Zugriffe pro Sekunde. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 26.01.2011, 09:37 Uhr

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